Polo wird nicht nur auf Rasen gespielt, sondern auch auf Sand, Schnee und in der Arena. Und es gibt noch weitere Polovarianten. POLO+10 erklärt die wichtigsten Unterschiede und gibt einen Überblick über die verschiedenen Arten des Polospiels sowie poloähnliche Sportarten.

Arena, Snow und Beach Polo unterscheiden sich vom traditionellen Rasenpolo in mehreren Punkten. Spielfeld und Teams sind kleiner, die Chukker kürzer und der Ball größer. Auch bei den Regeln gibt es Unterschiede. So wird zum Beispiel beim Rasenpolo nach jedem Torerfolg die Spielrichtung gewechselt. Bei anderen Polovarianten ist das nicht immer der Fall, manchmal wird erst nach einem oder jedem zweiten Chukker die Spielrichtung geändert. Ein Überblick über die wichtigsten Unterschiede.

Types of PoloDie Regelwerke
Ende des 19. Jahrhunderts schrieb der englische Hurlingham Polo Club die Poloregeln für Rasenpolo erstmals fest. Noch heute werden sie im internationalen Polosport zitiert. 1991 stellte die Hurlingham Polo Association (HPA) für Arena Polo ebenfalls ein Regelset auf und für Beach Polo gibt die International Beach Polo Association (IBPA) ein Regelhandbuch als Empfehlung heraus. Auch für Snow Polo gibt es Bestrebungen in Sachen Regelwerk: So hat Caspar West (Polomanager Beaufort Polo Club in England) zusammen mit Tito Gaudenzi (Veranstalter des Snow Polo World Cup Kitzbühel) die offiziellen HPA-Regeln an die speziellen Bedingungen beim Polospiel auf Schnee angepasst.

Types of poloDas Spielfeld
Polo kann auf Spielfeldern jedweder Größe gespielt werden, Hauptsache der Boden ist eben und gut gepflegt. Vor allem beim Beach und Snow Polo variieren die Spielfelder je nach den vorhandenen Gegebenheiten vor Ort stark in Länge und Breite.

Rasenpolo:
Das Polospielfeld ist in der Regel 300 Yards lang und 200 Yards breit, was einer Bemaßung von ca. 274 m mal 183 m entspricht. Die 3 m hohen Torpfosten stehen 8 Yards (ca. 7,20 m) auseinander und sind aus Sicherheitsgründen nicht fest verankert.

Arena Polo:
Das Spielfeld beim Arena Polo ist kleiner als beim Rasenpolo. Als ideal wird eine Länge von 300 Fuß (ca. 90 m) und eine Breite von 150 Fuß (ca. 45 m) angesehen. Ein Arena Polo Spielfeld sollte nicht kleiner als 150 x 75 Fuß (45 m x 22,5 m) sein.

Beach Polo:
Die International Beach Polo Association empfiehlt eine Größe von 100 Yards (ca. 90 m) in der Länge und 50 Yards (ca. 45 m) in der Breite. Ideal ist eine Begrenzung durch Sideboards mit runden Ecken, damit der Ball in Bewegung bleibt. Allerdings sind die Größen der Spielfelder je nach Location sehr unterschiedlich.

Snow Polo:
Das Spielfeld beim Snow Polo variiert wie beim Beach Polo abhängig von den örtlichen Gegebenheiten stark. So ist das Snow Polo Spielfeld in Tianjin (China) beispielsweise 170 Yards mal 80 Yards (ca. 155 m x 73 m) groß, auf dem zugefrorenen St. Moritzersee (Schweiz) wird auf einer Fläche von 200 m x 80 m gespielt.

Types of PoloDas Team
Maximal vier Spieler bilden ein Poloteam. Darüber hinaus sind Ersatzspieler empfehlenswert, die einspringen, falls sich ein Spieler verletzt.

Rasenpolo:
4 Spieler pro Team (Nr. 1 = Angreifer, Nr. 2 = Mittelfeldspieler, Nr. 3 = taktischer Dreh- und Angelpunkt und das Herz des Teams, Nr. 4 = Verteidiger, auch »back« genannt)

Arena und Beach Polo:
3 Spieler pro Team sind die Regel, teilweise wird auch mit 2 Spielern pro Mannschaft gespielt

Snow Polo: 2 bis 4 Spieler, oft wird zu dritt gespielt

Types of PoloDer Ball
Rasenpolo:
Die Bälle, traditionell aus gepresstem Bambus, bestehen heute zumeist aus Kunststoff, haben einen Durchmesser von 3 bis 3,5 Inch (8 bis 9 Zentimeter) und wiegen etwa 130 Gramm.

Arena Polo:
Beim Arena Polo ist der Ball wesentlich größer als beim Rasenpolo. Der Umfang beträgt ca. 15 Inch (38 Zentimeter), das Gewicht liegt zwischen 140 und 175 Gramm. Der Ball beim Arena Polo ähnelt einem kleinen Fußball.

Beach und Snow Polo:
Auch beim Beach und Snow Polo sind die Bälle größer als beim Rasenpolo. Damit er sich besser vom Untergrund abhebt, hat der Ball eine leuchtende Farbe (oft rot). Der Ball ist in der Regel aufblasbar und besteht aus Leder oder Kunststoff. Snow Polo Bälle ähneln von der Größe den Arena Polo Bällen, sind aber leichter. Für Beach Polo empfiehlt die International Beach Polo Association Bälle mit einem Durchmesser von maximal 5 Inch (13 Zentimeter).

Types of PoloDie Spielzeit
Rasenpolo:
Ein Spiel besteht aus mindestens 4 bis höchstens 8 Spielabschnitten, sogenannten Chukkern. Ein Chukker hat 7,5 Minuten reine Spielzeit, bei Unterbrechungen wird die Uhr angehalten. Die Pausen zwischen den einzelnen Spielabschnitten, in denen die Pferde gewechselt werden müssen, dauern zwischen 3 und 5 Minuten.

Arena Polo:
Beim Arena Polo werden in der Regel 4 Chukker à 6,5 Minuten gespielt. Die Pausen zwischen den einzelnen Spielabschnitten betragen 4 und zur Halbzeit 6 Minuten.

Beach und Snow Polo:
Die IBPA empfiehlt 4 Chukker à 6 Minuten sowie Pausen von 5 und zur Halbzeit 15 Minuten. Es gibt aber große Unterschiede zwischen den einzelnen Turnieren. Auch beim Snow Polo handhaben die Turniere Anzahl und Länge der Chukker sehr unterschiedlich.

Types of PoloDas Handicap
Wer kein spezielles Arena-Handicap hat, tritt bei Arena Polo Turnieren mit dem normalen Handicap plus 1 an. Auch beim Beach und Snow Polo wird das Handicap in der Regel um einen Zähler raufgesetzt.

Weitere Polovarianten bzw. poloähnliche Sportarten

Polo auf Rasen und in der Arena sind die mit Abstand am weitesten verbreiteten Spielarten des rasanten Sports. Auch Beach und Snow Polo werden rund um den Globus gespielt und erfreuen sich von Jahr zu Jahr größerer Beliebtheit. Darüber hinaus existieren noch zahlreiche andere Polovarianten beziehungsweise poloähnliche Sportarten. So gibt es unter anderem Bike Polo, Kamel Polo, Elefanten Polo, Segway Polo, Kanu Polo, Steckenpferd Polo, Golfcart Polo und Donkey Polo. Mit dem Polosport verwandt sind unter anderem auch Buzkaschi, Polocrosse, Horseball und Pato. POLO+10 stellt fünf teils unbekanntere, teils skurrile Polovarianten etwas näher vor:

Types of PoloPaddock Polo
Beim Paddock Polo treten zwei Teams à drei Spieler gegeneinander an. Gespielt wird auf Rasen oder Sand. Das Spielfeld ist maximal 160 m lang und 80 m breit. Die Bälle bestehen in der Regel aus Leder und haben einen Durchmesser von circa 11,5 Zentimetern. Während des Matches werden die Pferde nicht getauscht. Paddock Polo ist vor allem in Frankreich verbreitet.

Types of poloCowboy Polo
Beim Cowboy Polo besteht ein Team aus fünf Spielern. Statt eines Polosattels wird ein Westernsattel benutzt ebenso wie weiteres Equipment, das sonst beim Westernreiten zum Einsatz kommt. Als Spielfeld wird gewöhnlich eine einfache Rodeo-Arena genutzt. Gespielt wird mit einem großen roten Medizinball aus Gummi und dem American Quarter Horse. Die Pferde werden während eines Matches üblicherweise nicht getauscht. Cowboy Polo ist 1952 in New Smyrna Beach, Florida (USA) entstanden und hatte seine Hochzeit während der 1970er Jahre. Seitdem ist diese Art des Polospiels stark zurückgegangen. Heute wird Cowboy Polo vor allem im Westen der USA und dort fast ausschließlich in Montana gespielt.

Types of poloYak Polo
Yak Polo (oder auch Sarlagan Polo) ist eine mongolische Variante. Statt auf Ponys wird auf Yaks geritten. Yak Polo wurde Anfang der frühen 2000er Jahren als Touristenattraktion erfunden und ist mit der Zeit immer populärer geworden. Heute wird Yak Polo auch in Pakistan gespielt und ist dort Teil des Broghil Festivals im nordwestlichen Distrikt Chitral.

Types of poloAuto Polo
Auto Polo tauchte das erste Mal Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA auf. Zugeschrieben wird diese Polomodifikation dem Ford-Händler Ralph »Pappy« Hankinson, der den Sport als Werbegang erfunden haben soll, um den Verkauf des Ford Modell T anzukurbeln. Das Spiel erfreute sich in den USA vor allem auf Messen und Ausstellungen von 1911 bis in die späten 1920er Jahren großer Beliebtheit. Außerhalb der USA wurde Auto Polo aufgrund seiner Gefährlichkeit mit großer Skepsis betrachtet. Regeln und Equipment ähneln dem Polo hoch zu Ross, allerdings werden statt Ponys Autos benutzt. Auto Polo wurde auf einem Arena Spielfeld gespielt. Jedes Team verfügte über zwei Autos und vier Männer. Der Fahrer war angeschnallt, während sich der Mann mit dem Schläger an der Seite festhielt. Ziel war es wie beim Rasenpolo, mit dem Schläger einen Ball – in diesem Fall einen Basketball – zwischen die gegnerischen Pfosten zu platzieren. Anfangs wurden normale Autos verwendet, später solche ohne Dach, Türen und Windschutzscheibe. Die Autos erreichten Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 64 km/h und fuhren in halsbrecherischen Serpentinen über das kleine Spielfeld. Es kam häufig zu Unfällen. Auto Polo wird heute zwar nicht mehr gespielt, aber 2008 wurde in Ruanda Polo auf dem Motorrad (»Moto Polo«) entwickelt und erfreut sich seitdem einer wachsenden Fangemeinde.

Types of poloSUP Polo
Zu den neuesten poloähnlichen Sportarten gehört das Stand Up Paddling (SUP) Polo. Beim SUP Polo sitzen die Spieler nicht auf Ponys, sondern stehen auf einem Surfbrett wie beim Stand Up Paddling. Das Paddel ersetzt den Schläger. Die Tore ähneln Handballtoren und der Ball kleinen Wasserbällen wie sie beim Kanu Polo benutzt werden. Die Teams bestehen aus zwei bis drei Spielen, die effektive Spielzeit beträgt 2 mal 5 Minuten. Allerdings ist die Sportart so neu, dass es noch kein festes Regelwerk gibt.