Sylvester Stallone ist vermutlich am besten dafür bekannt, auf der Leinwand Leute zu verprügeln. Was wenige wissen: Die Hollywoodlegende pflegt auch eine langjährige Leidenschaft für den Polosport.

Hört man den Namen Sylvester Stallone, denkt man meist sofort an explosive Hollywood-Blockbuster, testosterongetriebene Heldentaten und natürlich Muskeln. Mit Hauptrollen in Filmen wie „Rocky“, „Rambo“ und „The Expendables“ kann der Actionstar auf eine Karriere voll spannender Filmmomente zurückblicken.

In Stallones Freizeit aber offenbart sich ein ganz anderes Bild des Schauspielers. Fernab von der großen Leinwand widmet er sich eher friedlichen Freizeitaktivitäten. Dann findet man den 68-Jährigen (geboren am 6. Juli, 1946) nicht im Boxring oder am Schießstand, sondern er verbringt seine Zeit mit seinen Töchtern Sophia Rose (* 1996), Sistine Rose (* 1998) und Scarlet Rose (* 2002) an der frischen Luft beim Polo und anderen Reitsportarten.

Solch ein kultivierter Zeitvertreib steht im Widerspruch zu dem von ihm selbstkonstruierten Image eines Dummkopfs. Aber wirft man einen Blick auf die Geschichte seiner Familie, die schon immer sehr eng mit Pferden verbunden war, verwundert sein Interesse am Polosport nicht mehr. Sein Vater Frank Stallone, der im Jahr 2011 verstorben ist, war ein professioneller Polospieler. Er begann seine Karriere als Reiter in Italien, von wo aus er in den Vierzigern nach New York immigrierte. Dort diente er für kurze Zeit in der Kavallerie der US-Armee, bevor er nach Washington übersiedelte.

„Der Name Stallone bedeutet Hengst (stallion) oder auch Pferd“, erklärt Stallone. „Meine Familie besteht schon seit langer Zeit aus Reitern. Aber meine Familie war niemals reich, sie waren einfache Bauern. Mein Vater ging nach Amerika, um mehr Geld zu verdienen, aber auch, um von den Pferden wegzukommen. Um etwas Neues zu machen, das bis dahin noch keiner in der Stallone-Familie gemacht hatte. Aber er spielte auch weiterhin Polo. Er konnte damit nicht aufhören, so sehr er es auch versuchte!“ Stallone gibt zu, dass er eine „sehr schwierige Beziehung“ zu seinem Vater hatte. „Diese Beziehung hat mich sehr kampflustig und widerstandsfähig gemacht“, stellt er fest. Dabei war Polo oftmals das Band, das ihre angespannte Beziehung zusammenhielt.

Im Alter von elf Jahren hielt Stallone erstmals einen Poloschläger in den Händen. Im Jahr 1990 nahm er mit seinem Vater an einem Freundschaftsspiel im Palm Beach Polo and Country Club in Florida teil, was sein Vater als den „größten Nervenkitzel seines Lebens“ bezeichnete. „Ich spielte damals mit professionellen Polospielern und die waren um Längen besser als ich, das könnt ihr mir glauben“, erinnert sich Stallone, der auch den Satz geprägt hat, dass „Polo spielen so ist, als wenn man während eines Erdbebens versucht, Golf zu spielen“. Zu dieser Beschreibung steht er nach wie vor. „Es ist schon seltsam. Wenn man auf dem Pferd sitzt, denkt man, man würde wie Rambo aussehen und müsste umherstürmen. Aber darum geht es in dem Spiel nicht. Es geht darum, geduldig zu sein. Daran muss ich mich immer wieder erinnern“, sagt er mit einem Grinsen.

Stallone hat auch große Freude daran, Ausrüstung für den Polosport zu kaufen. Vor nicht allzu langer Zeit wurde er im Flagship Store von „Polista“ in London gesehen, dem bekannten Shop für Polokleidung. Dort kaufte er Ledersteppjacken, Westen und eine Reihe von Polista-Poloshirts sowie ein Baseball Cap der Marke Polista. Stallone ist außerdem entschlossen, seine Liebe zu den Pferden auch an seine drei Töchter Sophia, Sistene, und Scarlet weiterzugeben. Im vergangenen Jahr nahmen er und weitere pferdebegeisterte Celebrities an William Shatners „Hollywood Charity Horse Show“ in Burbank in Kalifornien teil. „Meine Töchter begannen damit, sich für Reining (Anm. d. Red.: eine im Galopp gerittene Form der Dressur des Westernreitens) zu interessieren. Das finde ich toll und deshalb bin ich mit ihnen da hingefahren. Es war ein schöner Tag. Ich finde alles gut, was dazu beiträgt, dass sie Freude an Pferden haben“, sagt Stallone.

Das mag so manchen überraschen, der Stallone nur aus seinen Filmen kennt: Gemeinsam mit Arnold Schwarzenegger und Jean-Claude Van Damme stand Sylvester Stallone an der Spitze des goldenen Zeitalters der Action-Hero-Filme in den achtziger Jahren. Nur wenige Filme aus dieser Zeit haben so einen bleibenden Eindruck hinterlassen wie Stallones Filme „Rambo“ oder „Rocky“.

Er war immer unbeirrbar, wenn es darum ging, seine Stunts selbst zu performen – ein Beweis dafür sind die elf Operationen, die er im Laufe der Jahre als Folge von Unfällen am Set über sich ergehen lassen musste. Und er besteht auch mit Ende 60 immer noch darauf, die Stunts selbst zu machen. Von seinem Film, „The Expendables 3“ (ebenfalls mit Arnold Schwarzenegger in einer der Hauptrollen) hat er als Andenken eine Metallplatte in seinem Rücken behalten, nachdem ein Stunt fehlschlug. Er scheint verlegen zu werden, wenn man ihn auf die Risiken anspricht, die er eingeht, um einen Film wie den 600 Millionen Dollar schweren Franchise „The Expendables“ erfolgreich zu machen.

„Man versucht immer, auf Nummer sicher zu gehen, weil man keine unnötigen Risiken eingehen möchte“, erklärt Stallone. „Aber zugleich will das Publikum keine Stunt-Double sehen, die sich gegenseitig verprügeln oder die auf dem Meeresgrund tauchen, während rund um sie Explosionen hochgehen. Sie erwarten, dass DU eine gute Leistung ablieferst und ich werde niemals einen Film machen, bei dem ich nicht alles gebe, was ich geben kann. Bei den Dreharbeiten zu „The Expendables“ waren alle Beteiligten zu allen körperlichen Anstrengungen bereit und ich bin sehr stolz auf die Arbeit, die sie in den Film gesteckt haben. Du kämpfst einfach weiter und steigst für noch eine weitere Runde in den Ring. Ich bin noch in guter Form – ich werde das hier weiter machen, solange mein Körper es mitmacht.“

Aber wie steht es um seine Gesundheit? Die Zeit holt letztlich jeden ein, selbst jemanden mit einem erstklassigen Gesundheitszustand wie Stallone. „Es wird schwerer mit der Zeit“, sagt er. „Man verletzt sich häufiger und am nächsten Tag fällt es einem schwerer, aus dem Bett zu kommen. Ich hatte zahlreiche gebrochene Knochen sowie gerissene Sehnen und mein Körper war schon grün und blau. Gleichzeitig ist man sich aber auch bewusst, dass man Charaktere spielt und die Geschichten von Leuten erzählt, die viel Schlimmeres in ihrem Leben durchmachen mussten. Da soll man selbst nicht bereit sein, ein wenig körperlichen Schmerz als Teil seines Jobs zu ertragen? Ich sage mir, dass dies einer der besten Jobs ist, den man sich wünschen könnte. Man weiß, dass man sich die Schultern verletzten und Schläge ins Gesicht und auf die Rippen bekommen wird. So läuft das eben, wenn man diese Art von Film macht.“

Stallone gehört einer aussterbenden Gattung an. Heute sieht er einen Mangel an zeitgenössischen Actionfilm-Helden. „Von uns sind nur noch wenige übrig und es kommen nur wenige nach. Das Problem ist, dass nicht mehr viele Filme dieser Art gemacht werden. Man kann diese Art von Stars nur fördern, wenn sie auch Geschichten zu erzählen haben. Jason Statham ist allerdings sehr zäh.“

Auch wenn er sich bereits seinem 70. Geburtstag nähert, gibt es doch kaum Schauspieler, die so hart im Nehmen sind wie Sylvester Stallone. Solange ihm nichts dazwischen kommt, will er auch weiterhin in dem Genre arbeiten, das ihn zu einer Hollywoodlegende gemacht hat. „Ich glaube fest daran, dass man dem Publikum das geben sollte, was es sehen will. Ich bin in diesem Geschäft schon eine lange Zeit tätig und habe alle möglichen Genres kommen und gehen sehen. Aber die Leute wollen immer noch sehen, wie jemand den Helden gibt, wie die Guten die Bösen besiegen. Sie möchten beim Zuschauen Spaß haben. Wenn man eine gute Geschichte erzählt und interessante Charaktere schafft, dann werden sich die Leute das ansehen.“

Und was hält Stallone davon, einen Film über den Polosport zu drehen und damit eine der Freitzeitbeschäftigungen zu würdigen, die ihn als Schauspieler während seiner Karriere stets begleitet hat? „Das ist eine interessante Idee, aber der Film müsste eine außergewöhnliche Handlung haben. Polo ist ein fantastischer Sport, der aber nur von wenigen ausgeübt wird. Ich bin mir nicht sicher, ob das ein Kassenschlager werden könnte!“