Der Nebel liegt noch über dem Polofeld und erfüllt die Luft mit einer klammen Kälte. Doch während die Sonne versucht, sich durch die Wolkendecke zu kämpfen, ist bereits jetzt Aktion angesagt: Acht Spieler stürmen auf ihren Pferden über den Rasen und versuchen, den Ball ins gegnerische Tor zu bringen. Diese Szenerie ist nichts Neues, denn auf dem Polofeld in Holzkirchen-Thann bei München haben schon zahlreiche Turniere stattgefunden. Das Besondere an diesem Tag ist: Am Rande des Spielfeldes stehen keine Zuschauer, sondern das Filmteam von „Sturm der Liebe“. Die ARD-Erfolgstelenovela dreht an diesem kalten Spätsommertag auf der Anlage des Polo Clubs Bayern ein nachgestelltes Club Chukka – einmalig in der deutschen Seriengeschichte.

In der 16. Staffel der Bavaria Fiction-Produktion spielt der Polosport eine wichtige Rolle, denn die Drehbuchautoren lassen den neuen Traummann Tim Degen, gespielt von Florian Frowein, leidenschaftlich gerne Polo spielen. Deshalb nahm der Schauspieler extra für diese Aufnahmen Reit- und Polounterricht. „Der Sport ist wirklich faszinierend. Es hat mir riesigen Spaß gemacht, ihn zu lernen. Vielleicht habe ich dadurch sogar ein neues Hobby entdeckt“, erzählt er begeistert.

Die „Sturm der Liebe“-Crew steht an diesem Tag unter Strom, denn das Nachstellen eines Spiels ist zwar eine spannende Aufgabe, aber auch mit sehr viel Organisationsaufwand verbunden. Rund 3 Monate war das gesamte Team mit den Vorbereitungen beschäftigt – von der Producerin über den Coordinating Producer bis hin zu Requisite und Kostüm. Da das Spielfeld sehr groß ist, haben die zwei Kameras, die normalerweise beim Außendreh verwendet werden, nicht ausgereicht. Daher kamen zwei weitere zum Einsatz: eine Drohne, die das Geschehen von oben aufnimmt, und ein spezieller Wagen mit Kamerakran, der am Spielfeldrand entlangfährt und von dort das Treiben filmt. Insgesamt wurden an diesem Tag 24 Stunden Material produziert und neun Szenen daraus geschnitten. Der Produktion war es besonders wichtig, den Spirit dieses Sports einzufangen und auf den Bildschirm zu bringen. Ohne den Polo Club Bayern und die Grabosch-Familie hätte der Dreh in diesem Ausmaß nicht stattfinden können, denn sie haben die Spieler samt Pferde für den Drehtag bereitgestellt.

Und die Polospieler haben – neben den Schauspielern – eine wichtige Rolle eingenommen. Die vier Söhne von Kim Grabosch, Paul (18), Anton (17), Emil (15) und Michel (13), waren Teil des außergewöhnlichen Drehs. Sie spielen Polo seit sie vier Jahre alt sind und haben schon zahlreiche Turniere gewonnen. Nun durften sie auch Schauspielerfahrung sammeln. In den Folgen 3271, 3276, 3279 und 3280 von „Sturm der Liebe“ (Ausstrahlungstermine: 15., 22., 27., und 28. November) sind sie zusammen mit Traummann Tim Degen auf dem Polofeld zu sehen.


Interview mit Kim Grabosch

Ich habe vier Söhne: Paul ist 18 Jahre und macht gerade Abitur. Anton ist 17 Jahre, Emil ist 15 und Michl ist der jüngste von allen mit 13 Jahren.

Und wie lange spielen sie schon Polo?
Die Kinder spielen Polo seit sie vier Jahre sind. Reiten können sie quasi seit der Geburt. Wir haben es gemacht wie die Indianer, die ihre Kinder kurz nach der Geburt auf die Pferde setzen. So soll eine lebenslange Verbindung entstehen. Jungs an den Pferdesport zu binden ist nicht so einfach. Wenn es aber mal so ist, soll es ein Leben lang halten.  Und für unsere Kinder sind Pferde alles.

Welche Erfolge können deine Kinder schon aufweisen?
Die Kinder haben sehr frühzeitig als Jugendliche den Copa Diamantitos in Argentinien gewonnen. Im Kinderbereich ist das einem europäischen Team vorher noch nicht gelungen. Aktuell sind sie zweifacher deutscher Amateurmeister im Erwachsenenbereich und amtierender deutscher Jugendmeister.

Kommt das alles über dich, dass du gerne reitest oder hast du auch schon Polo gespielt?
Ich habe nicht Polo gespielt. Eigentlich schulden wir das alles Anton, der Cowboy werden wollte. Wir haben uns Rat bei einer Argentinierin geholt, die uns gesagt hat, dass die wahren Cowboys die Gauchos sind. Also sind wir mit der Familie nach Argentinien gefahren und waren so begeistert, dass wir beschlossen haben, da zu bleiben. Zum Glück hat uns die Waldorfschule Daglfingen von zu Hause unterstützt. Wir sind als Familie mit den Kindern in Argentinien geblieben und haben mit den Gauchos zusammengelebt. Erstmal hatten die Jungs also gar keinen Kontakt zu Polo, es ging nur um die Pferde. Der Sport kam erst später und hat sich auf die Kinder übertragen. Das Spiel mit dem Ball und der Rausch der Geschwindigkeit haben die Jungs natürlich begeistert. Die Frage ob ich das initiiert habe ist nicht so einfach zu beantworten. Jeder Vater möchte etwas ganz besonderes für seine Kinder und hat einen gewissen Ehrgeiz. Beim Pferdesport reicht das allerdings nicht aus. Man brauch das Gefühl fürs Pferd – und das haben meine Jungs!

Wie sehr unterscheidet sich das Polospiel, das wir gedreht haben, von einem richtigen Polospiel?
Eigentlich haben wir nichts anderes gemacht, als bei einem Poloturnier. Nur dass wir manche Spielzüge abgebrochen haben bzw. wiederholt wurden. Aber die Szenen sind authentisch, nicht manipuliert und spiegeln ein Poloturnier perfekt wieder. Auch die Tatsache, dass der Hauptdarsteller nach dem Training mit meinen Söhnen am Spielverlauf teilnehmen könnte, gibt dem ganzen Poloszenen etwas Einmaliges.

Sind die Laufwege, die wir beim Polodreh sehen, ähnlich den Wegen, die wir auch bei einem realen Spiel?
Wie gesagt, hier wurde echtes Polo gespielt ohne Pferdedummy, Stuntmänner und Blue Box. Tim, der Hauptdarsteller, spielt wirklich Polo und vor allem ist er ein hervorragender Poloreiter geworden, der den ganzen Respekt der „Los Indianos“ bekommt, denn nicht jeder schafft das so schnell und kann zu Pferden so einen intensiven Kontakt aufbauen.

Was war für dich/bzw. deine Kinder die größte Herausforderung beim Dreh des Polospiels?
Es war für uns als Sportler und als “Los Indianos-Familie“ beeindruckend, wie familiär und freundlich wir vom dem „Sturm der Liebe“-Team aufgenommen wurden und was für ein Produktionsaufwand für einen Tag Polo für meine Söhne bereit gestellt wurde.

Wie haben sich die Jungs auf den Polodreh vorbereitet?
Wir haben uns so vorbereitet, wie jeden Tag: Wir sind früh auf gestanden, haben alle 23 Pferde gefüttert, geputzt, gesattelt und eingeritten.

Wie schwierig ist es, wenn man die Geschwindigkeit des Spiels gewohnt ist, sich auf einen Dreh einzulassen – der immer wieder wiederholt und unterbrochen wird?
Für die vier Jungs ist das kein Problem, denn sie wollen so oder so am liebsten den ganzen Tag reiten und mit den Pferden verbringen. Aber für die Pferde wäre es schon eine Belastung, wenn wir sie nicht alle 15 Minuten ausgetauscht hätten.

Gibt es dieses Jahr noch einen Cup, bei denen deine Jungs antreten werden?
Nein. Unsere Pferde haben mit uns dieses Jahr zum zweiten Mal hintereinander die deutschen Amateurmeisterschaft und deutsche Jugendmeisterschaft gewonnen, sowie viele gute Platzierung national und international erreicht. Die Pferde brauchen jetzt ihre Ruhepause und wir versuchen ihnen diese Zeit bis zur nächsten Saison 2020 in der Herde auf unseren Koppeln auch zu geben. 

Würden Sie sagen, dass jeder sich fürs Polo begeistern kann?
Polo ist beeindruckend und wenn du es probiert hast, bist du süchtig! Grundvoraussetzung ist für mich ein Gefühl für das Pferd entwickeln zu können!

Gab es mal eine Situation während dem Spiel, wo du Angst um deine Kinder hattest? 
Angst nein! Aber dankbar, dass nichts Schlimmeres passiert ist!

Was würdest du sagen, macht einen guten Polospieler aus?
Er muss reiten können wie ein Apache und Schach spielen können wie Kasparow!

Gibt es ein ganz bestimmtes Turnier, wo du sagen würdest, das wäre mein ganz großer Traum?  – Wenn da eins meiner Kinder antritt oder einen Titel gewinnt. 
Als Brüderteam bei den Palermo Open in Argentinien antreten.

Im Fußball gibt es bei einem Tor immer mal wieder Diskussionen, ob das alles so rechtens war. Wie ist das beim Polo? Gibt’s da auch strittige Situationen?
Jeder will den Sieg, aber es gibt einen Ehrenkodex im Polo, der zum Glück eingehalten wird!

Fotos: ARD/Christof Arnold
 
© Thomas Wirth