Text und Fotos: Thorsten Hemeyer
Singapur und noch weitere acht Stunden Flugzeit bis Melbourne. Freitagmorgens um 6.00 Uhr landet der Flieger endlich. Die Zeichen stehen nicht gut. Es ist saukalt und der Herbst hat hier bereits begonnen. Kalte 10 Grad erwarten mich, obwohl man Australien doch immer mit Sonne und gutem Wetter verbindet. Im Hotel erkundige ich mich sofort beim Concierge nach der Fahrroute zum Melbourne Polo Club. Er telefoniert für mich und erklärt mir, dass Melbourne zwar einen Polo Club hat, dass sich jedoch unter dem Namen Victorian Polo Club fünf Clubs firmieren und dass der nächste Club – der Werribee Park Polo Club – eine ganze Stunde Fahrt entfernt liegt. Egal, da will ich hin.
Mein Fahrer verdreht die Augen und scheint so gar nicht begeistert. Es beginnt zu regnen. Ich telefoniere trotzdem um eine Stick&Ball-Stunde zu buchen, bekomme jedoch leider die schlechte Nachricht, dass das Wetter es nicht zulässt, Polo zu spielen und dass es keine weitere Möglichkeit geben wird, da mit dem letzten Wochenende im März die Saison endet…☹ Trotzdem machen wir uns auf den Weg, die Lokalitäten zu erkundigen. Kein Clubhaus, keine Stallungen, ein riesiges Polofeld und eine leere Ponyline – sonst nichts.
In der Saison reisen hier die Spieler mit Pferdetrailern an und kehren danach zu ihren Farmen / Stallungen zurück. Wenn dann die Turniere stattfinden, wie der einmal im Jahr von der Biermarke Stella Artois gesponserte Cup, wird eine Zeltstadt aus dem Boden gestampft. Leider nicht während meines Besuches. O.K., also bin ich nur zum Arbeiten hier. Nach weiteren sechs Tagen machen wir uns mit dem Auto auf den Weg nach Sydney. Es sind elf Stunden Autofahrt, die man vielleicht auch schneller hätte hinter sich bringen können, wenn es nicht so viele Autobahnraststätten mit HUNGRY Jack (so heißt hier der Burger King) gegeben hätte.
Die Fahrt ist traumhaft und mit jeder Stunde wird es wärmer. Links und rechts atemberaubende Natur im Wechsel mit Black Angus Herden, Schafen und Pferden. Es erscheint fast so, als ob hier Jeder, der auf dem Land wohnt auch ein Pferd hat.
Wir nähern uns Sydney und biegen ab in Richtung Blue Mountains. Je weiter wir uns von der City entfernen, umso mehr merkt man, dass wir uns langsam einem Paradies für Pferd und Reiter nähern. Wunderschön ist das Naturreservat am Fuße der Blue Mountains. Es ist Wochenende und unzählige Pferdetrailer kreuzen unseren Weg. Alle Sparten sind unterwegs. Rechts von uns ein Springturnier, der Hänger neben uns transportiert laut seinem Aufkleber Western Pferde „Cutting Horses“ und einige Kilometer weiter gibt es eine Dressurveranstaltung. Das Navi zeigt noch zwei Kilometer und die Gegend wird sehr ländlich, links und rechts der Straße stehen immer wieder Schilder „Pferdefutter zu verkaufen“ oder „Heuballen zu verkaufen“ – 18 Dollar pro Ballen. Ausrüster „Saddlery“ mit Pferdezubehör habe ich auch schon zwei gezählt.
Wir biegen in die Straße des Poloclubs ein. Was wir nun hinter den Hecken zu sehen bekommen, übersteigt meine Erwartungen. Eine topgepflegte Anlage mit zwei großen Polofeldern und einer Vielzahl von Weiden und Paddocks – der Windsor Polo Club – dann einige Meter weiter der nächste Club. Town and Country Polo Club steht groß auf dem Clubhaus geschrieben, darunter der Satz „Polo not for the faint hearted“. Auch dieser Poloclub hat zwei große Felder. Weiter geht es die von Hecken gesäumte Zufahrt entlang zum Killarney Polo Club, wo heute das 6 Goal Club Tournament stattfindet.
Kein Clubhaus, aber ein großes Polofeld, an dessen Spielfeldrand sich die Fahrzeuge und Zuschauer mit Hund und Kind und Picknickkorb aufreihen. Auch wir parken ein und schauen zu. Viele der Fahrzeuge sind Pick-ups, auf deren Ladefläche das Sattelzeug gestapelt ist, bewacht vom Blue Heeler dem landestypischen Hund der Farmer Australiens. Ein echter Mann / Macho muss hier einen Pickup fahren, wie man mir sagt…
Im Vergleich zu Melbourne ist es hier richtig warm und die Sonne scheint extrem hell. Hier ist Hutpflicht.
Ich komme mit einem Spieler HC +4 ins Gespräch, drücke meine Begeisterung für die Anlage aus und berichte, dass ich bereits im Internet gelesen habe, dass es hier sechs Full size Polofelder gibt. „Nein“, sagt er lachend, „es sind zwölf. Fahr nur die Straße weiter, da kommen noch zwei Clubs und der gegenüber ist rein privat und gehört einer einzigen Person.“ Nicht jeder Club hat hier ein Clubhaus, ich habe zwei gezählt. Eines davon eher im kolonialen Stil gebaut und nach allen Seiten offen. Stallungen nicht wirklich, wozu auch. Schönes Wetter und Weiden bis zum abwinken. Seitlich der Polofelder dann eine Vielzahl von Paddocks, die jeweils mit einem Sonnen- bzw. Regenschutz ausgestattet sind; alles topgepflegt.
Alle sind sehr offen, freundlich und unkompliziert. Das gefällt mir. Ich erkundige mich nach der Möglichkeit zu spielen und Stick&Ball-Stunden zu nehmen. Kein Problem, sagt mein Gesprächspartner. Alleine dieser Club hat 25 Pferde, die gemietet werden können und auch für Schulzwecke zu Verfügung stehen. „Komm, ich stell dir Adam vor, der leitet hier alles. Mit dem kannst Termine vereinbaren und weitere Details besprechen.“ Da sag ich nicht nein, denn wie immer habe ich Stiefel, Helm und Mallets dabei.
Zwischen 25 und 100 Dollar ist so hier so ziemlich alles zu buchen und somit weitaus erschwinglicher als in Deutschland. Wer mehr wissen möchte, kann die folgenden Homepages besuchen:
www.sydneypolo.com
australianpolo.com.au
victorianpoloclub.com.au
Dort gibt es alle Detailinformationen zu Turnieren, Ansprechpartnern und Preisen. Die Anreise nach Australien ist wirklich eine Strapaze, die jedoch mit tollen Polomöglichkeiten und einer atemberaubenden Natur belohnt wird.

Bild: Thorsten Hemeyer  Bild: Thorsten Hemeyer  Bild: Thorsten Hemeyer  Bild: Thorsten Hemeyer  Bild: Thorsten Hemeyer  Bild: Thorsten Hemeyer  Bild: Thorsten Hemeyer  Bild: Thorsten Hemeyer  Bild: Thorsten Hemeyer