Kunst für die Momente des Lebens
Ein Gespräch mit dem Arzt und Künstler Dr. Farzam Khalilian

© POLO+10 by Alexander Nebe / Fotografie Karsten Eichhorn

Wie und wann entstand die Idee zur Gründung von »Khalilian.Art«?
Tatsächlich hat alles mit einem Gedanken begonnen, der mir vor fünf Jahren auf dem CHIO-Reitturnier in Aachen in den Kopf schoss. Es war ein wirklich schöner Tag, das Wetter perfekt und im Grunde verlor ich mich irgendwie in meinen Gedanken, während ich all die Menschen, die Pferde, das rege Treiben beobachtete.

Ich stellte mir die Frage, warum es keine modernen Design-Teppiche mit Pferdemotiven gibt.

Es war also wie eine Art kreative Erleuchtung?
So kann man es sagen (lacht). Ich fühlte mich plötzlich wieder wie ein bedingungslos begeistertes Kind. Danach trug ich die Idee erst mal eine Zeit mit mir herum bis ich dann tatsächlich mit den ersten Entwürfen angefangen und sie zu Papier gebracht habe.

Man könnte also sagen, dass die Faszination Pferd sie gepackt hat?
Definitiv! Ich begeistere mich allerdings schon seit Kindheitstagen für Pferde. Pferde haben mich immer interessiert und begleitet. Sie sind beeindruckend anmutige Wesen, die ihren Stolz und ihre Schönheit wirkungsvoll nach außen tragen.

Wo werden Ihre Teppich-Designs umgesetzt und wie lange dauert sowas?
Die Teppiche entstehen in ausgewählten Manufakturen des Orients – mit strenger Regulation insbesondere in Bezug auf die Kinderarbeit.

Wir arbeiten nur mit feinsten Materialien wie Seide oder der Wolle mongolischer Schafe. Die Teppiche werden in zwei Schichten geknüpft und doch dauert es meist um die sechs Monate, bis ein Teppich fertig ist. Bei einer Knüpfdichte von bis zu 500.000 Knoten pro Quadratmeter oder mehr kann man sich das auch ganz gut vorstellen. Es ist eben echte Handarbeit – eine beeindruckendes Kunsthandwerk.

In welchen Stückzahlen produzieren Sie?
Manche Teppiche sind Unikate. Wir stellen pro Design je nach Größe und Farbgewichtung maximal fünf Stück her.

Kunstvolle Teppiche sind das Eine. Sie erschaffen als Künstler auch aufwändige „String-Art-Werke“. Wie sind Sie auf diese Kunstform gekommen?
Meine erste Schulstunde in Deutschland ist schuld daran (lächelt). Als ich in den Klassenraum geführt wurde, hatte der Kunstunterricht bereits begonnen und ich sah, wie alle Schüler fleißig Nägel in Hölzer hämmerten, um anschließend mit Fäden Motive entstehen zu lassen. An diese erste, prägende Erfahrung aus meiner neuen Heimat habe ich mich immer gern erinnert. Jahre später – ok, Jahrzehnte später (lacht) – fing ich an, die Technik neu zu interpretieren.

Inwiefern neu interpretieren?
Ich verwende für meine Bilder sehr dünne und filigrane Fäden, durch die sich verschiedene Schattierungen und auch Farbakzente ganz besonders gut herausarbeiten lassen. Ich lege viel Wert darauf, dass am Ende auch die unterschiedlichsten Details in Porträts oder Pferdeköpfen klar herausgearbeitet sind. Für das letzte Bild habe ich ca. zehn Kilometer Faden verarbeitet.

Diese Fadenlänge hätte man fast anderthalbmal um die Hamburger Alster legen können.

Was ist das Besondere an dieser Kunstform?
Ich finde es faszinierend, wenn man mit Fäden „ein Bild malt“. Es ist einfach, aber aussagekräftig. Ich hoffe, dass ich mit dieser Meinung nicht allein bin (lächelt).

Wie lange dauert es, bis Sie ein String-Art-Bild fertiggestellt haben?
Das richtet sich immer danach, wie groß das Format und wie kompliziert das gewünschte Motiv ist. Porträtbilder von Menschen sind herausfordernder als Pferd-, Natur- oder Architekturmotive. Grundsätzlich sitze ich aber mehrere Wochen an einem Bild, nur manchmal geht es mit dem Schaffensprozess etwas schneller.

In welche Länder haben Sie Ihre Kunstwerke schon verkauft?
Mein erster Auftrag kam vom Königshaus in Abu Dhabi. Inzwischen verkaufe ich auch nach New York und Kalifornien, nach Japan, Südamerika oder an das marokkanische Königshaus. Auch eine deutsche Familie, die in Stuttgart Autos herstellt, zählt inzwischen zu meinen Kunden.

Diese große Adressen sind eine tolle Ehre für meine Arbeit. Letztendlich ist mir aber das wichtigste, mit meiner Kunst etwas erschaffen zu haben, das seinem neuen Besitzer jeden Tag Freude bereitet. Ganz egal wer und ganz egal wo.

Können Sie Parallelen zwischen Ihrer Kunst und Ihrem Beruf, der Kunstform der Herzchirurgie ziehen?
Beides erfordert Präzision, Konzentration und Hingabe. Beide Tätigkeiten erzeugen in mir große Glücksgefühle. Der entscheidende Unterschied ist: Bei der künstlerischen Arbeit darf ich mir auch mal einen Fehler erlauben – bei einer Operation nicht!

Fertigen Sie auch Auftragsarbeiten an?
Ja! Sehr gern sogar. Der gemeinsame kreative Prozess ist nicht nur häufig sehr inspirierend, er führt oft zu guten Gesprächen und in der Vergangenheit sogar schon mal zu einer Freundschaft. Das schätze ich sehr.

Das Pferd spielt eine Hauptrolle in Ihrer Kunst. Wird das auch künftig so bleiben?
Das Pferd ist und bleibt in meiner Kunst omnipräsent. Es wird aber ganz sicher Ausflüge geben, die weniger auf dieses Motiv fokussiert sind.

Die Teppiche und die String-Art sind aus prägenden Momenten Ihres Lebens entstanden. Heißt das, wir dürfen uns auf weitere Kunstgeschichten freuen, die Ihr Leben geschrieben hat?
Ganz sicher sogar. Ich arbeite bereits an einigen Kunstprojekten, u.a. einer Polokollektion, die für 2021 geplant ist. Ich bin sicher, dass tolle Stücke entstehen, weil die Welt des Polosports mich auf so vielen Ebenen inspiriert.

Falls Ihnen die Polokollektion nicht gefällt, dürfen Sie beim nächsten Treffen mit mir schimpfen (lacht).

www.khalilian.art
@khalilian.art

 

String-art „Amenity“ / 120 x 120 cm / ca 4 km thread © Farzam Khalilian
Art for the moments of life.
Fotos von Karsten Eichhorn