Berühmte Polodestinationen in Afrika blicken auf eine lange Tradition zurück, einige von ihnen sind auf dem Vormarsch. Welche sind die Top 10 der Poloturniere auf dem afrikanischen Kontinent? Und wie haben sich diese Events entwickelt? Mal sehen… Von Masedi Molosiwa

Schon die bloße Erwähnung Afrikas verleitet einen, umgehend an nostalgische Geschichten und schillernde Berichte über Safarifahrten und exotische Tiere zu denken. Eine Safari-Reise steht ohne Zweifel für viele rund um den Globus auf ihrer »Bucket-List« dessen, was man einmal im Leben unternommen haben sollte. Das ist allerdings schon deshalb keine Überraschung, da Afrika tatsächlich die Nummer eins unter den Safari-Destinationen der Welt ist. Europäer mit französischen, britischen, deutschen und portugiesischen Wurzeln sowie Amerikaner sind die mit Abstand größte Touristengruppe in den östlichen, zentralen und südlichen Regionen Afrikas. Der Grund dafür ist ganz einfach. Afrika ist mit einer erstaunlichen Vielfalt an Arten und einer atemberaubenden Vielfalt an Wildtieren ausgestat-tet. So beherbergt der Chobe Nationalpark, der zwischen dem Chobe River und dem Okavango-Delta im Nordosten Botswanas liegt, die größte Elefantenherde der Welt – insgesamt 70.000 Tiere waren es bei der letzten Zählung.

Für jemanden, der noch nie auf Safari war, bietet sich hier die verlockende Gelegenheit, sich mit glänzenden Augen von ausschweifenden Wildlife-Legenden fesseln zu lassen. Exotische Tiere Afrikas werden immer mit den »Großen Fünf« in Verbindung gebracht: dem hoch aufragenden afrikanischen Elefanten, dem sperrigen Nashorn, dem gehörnten Büffel, dem majestätischen afrikanischen Löwen und den scheuen afrikanischen Leoparden. Diese »Kreaturen der Schönheit« werden von Großwildjägern als die »Großen Fünf« bezeichnet, weil sie die am schwierigsten zu Fuß zu jagenden Tiere des Kontinents sind. Sie können sicher sein, dass Sie einige betörende Geschichten über Nahtoderfahrungen auf einem Löwenpfad in der Dunkelheit der Nacht hören werden. Nicht nur die Besucher Afrikas sind von den Big Five verzaubert. Sie werden so verehrt, dass sie sogar auf den südafrikanischen Banknoten wiederzufinden sind.

Polo-Enthusiasten hingegen können sich darauf freuen, eine wachsende Anzahl an Polospielen und Destinationen in ganz Afrika zu entdecken. Polo wird in über 17 Ländern Afrikas gespielt: Gambia, Ägypten, Ghana, Simbabwe, Sierra Leone, Süd-afrika, Malawi, Benin, Botswana, Nigeria, Lesotho, Uganda, Sambia,  Tansania, Kenia, Sudan und Marokko. Es steht außer Frage, dass Polo als erstklassiger Zuschauersport auf dem ganzen Kontinent immer beliebter wird. Polo mag ein Sport sein, der für Luxus steht, aber das bedeutet nicht, dass nur die Wohlhabenden das Spiel lieben gelernt haben. So wie es in Afrika weit mehr als fünf Tiere gibt, so gilt das Gleiche für das Polo in Afrika. Hier gibt es eine Reihe von Poloturnieren zu besuchen, um das magische Afrika zu entdecken – die »Big Ten« im afrikanischen Polo.

Die zeitgenössische Poloszene ist weit entfernt von jenem Oktober 1874, als die Cape Mounted Rifles beim ersten aufgezeichneten Polospiel in Afrika auf dem Parade Ground in Kapstadt (Südafrika), gegen die 75th Infantry of the Line Regiment spielten. Vierzig Jahre später, 1914, spielten die britischen Marineoffiziere Polo auf einer Fluglandebahn, die zum Lagos Polo Club in Nigeria werden sollte. Drei Jahre später, 1917, wurde in Nairobi der älteste Poloclub Ostafrikas gegründet. Diese drei Spiele haben den Teppich ausgerollt für die Entwicklung des kontinentalen Polos in Afrika. Aus historischen Gründen hat sich in der Folgezeit Südafrika zum afrikanischen Pololand mit der besten Infrastruktur entwickelt – gefolgt von Nigeria und Kenia. Diese drei Länder gehören auf dem gesamten Kontinent zur Spitzengruppe des Polosports. 

Die Big Ten haben eins mit den Big Five in puncto Safari gemeinsam. So wie ein anspruchsvoller Tourist weiß, dass nur eine Handvoll Safari-Besucher jemals das Glück haben, alle Wildtiere auf einer Pirschfahrt zu sehen, erfordert auch das Erleben der Big Ten im Polo sicherlich mehr als einen Besuch auf dem Kontinent. 

Das liegt nicht nur daran, dass der Kontinent riesig ist und über zeitlich unterschiedliche Polosaisonen verfügt. Knapp ein Jahr würde es dauern, alle Big Ten zu erleben und »abzuarbeiten«. Eine Tour durch den Spielplan von kontinental Afrika: die Big Ten umfassen das AON Inanda International Polo, den Cell C Inanda Africa Cup, Access Bank UNICEF Charity Shield, Kenya International Polo, Nedbank International Polo, Africa Polo Open, African Patron‘s Cup, Brightwater Polo, Lagos International Polo und Veuve Clicquot Cape Town Masters von Johannesburg / Südafrika bis Kaduna / Nigeria bis  Nairobi / Kenia bis Lagos / Nigeria und Kapstadt / Südafrika.

Die Reiseroute zu den Big Ten sollte wenn möglich in Johannesburg (Südafrika) beginnen. Viele Touristen, die zum ersten Mal in Johannesburg sind, sind immer wieder angenehm überrascht, eine kosmopolitische, reiche und vielfältige Stadt zu entdecken. Noch faszinie-render an Johannesburg ist, dass es die einzige Großstadt ist, die abseits eines Flusses gegründet wurde.

Das erste Spiel auf der Tour durch die Big Ten würde den begeisterten Poloentdecker dazu bringen, im Mai zum Aon Inanda International Polo zu kommen, das im Herzen von Afrikas Wirtschaftszentrum im Inanda Polo Club in Sandton stattfindet. Das Spiel geht auf die 1950er Jahre zurück, als Südafrika und Argentinien eine Zusammenarbeit mit Lalor hatten, der die Goodmans in Inanda spielte, und später mit Araya, der mit  Coronel Suarez in den 1970er Jahren in Südafrika spielte.

Das jährliche Aon Inanda International Polo Match findet traditionell zwischen einem Team bestehend aus den höchstgehandicapten Spielern Südafrikas sowie Polospielern der legendären argentinischen Familien Lalor und Ayara statt. Die beiden Familien gelten als bedeutende Polodynastien in Argentinien. Die Lalors haben drei Präsidenten der Argentina Polo Association gestellt. Fünf Mitglieder der Familie werden in Dr. Laffayes Polo-Enzyklopädie aufgeführt.  Das Turnier steht unter der Schirmherrschaft des argentinischen Botschafters in Südafrika und fällt terminlich mit dem Jahrestag der unabhängigen Regierung in Buenos Aires zusammen. 2019 waren die Spieler im Team Argentinien: Diego Araya (7), Juan Augustin Garcia Grossi (7), Ernesto Juan Lalor (5),  Benjamin Carlos Araya Snr (6). Das südafrikanische Team bestand aus Tom Paul de Bruin (7), Lance Watson (6), Gareth Evans (6) und David Evans (5). Das Jahr 2019 und das Aon Inanda International Polo galt aufgrund des Spiellevels von 25-Goals als bisheriger Höhepunkt des Polospiels in Afrika – das höchsten Niveau,  das je in Afrika gespielt wurde.

Wenige Wochen später findet im Juni der Cell C Inanda Africa Cup statt, der ebenfalls im Inanda Polo Club ausgetragen wird.  Der Inanda Polo Club ist einzigartig, weil er einer der wenigen Polo-Clubs der Welt ist, der mitten in der Stadt liegt und alle damit verbundenen Annehmlichkeiten bietet. Das Turnier wird nach dem K.o.-Prinzip zwischen Mannschaften aus vielen Pololändern Afrikas gespielt. Bislang haben Spieler aus Ländern wie Ägypten, Ghana, Kenia, Nigeria, Südafrika, Sambia und Simbabwe um die hart umkämpfte Trophäe gespielt. Zu den Gästen gehört in der Regel eine interessante Mischung aus Prominenten, Medienpersönlichkeiten und Influencern des Landes.

Dann fahren wir weiter nach Norden zum Kaduna State in Nord-Nigeria, um am Access Bank UNICEF Charity Shield Turnier teilzunehmen. Das Turnier findet im Fifth Chukker Polo and Country Club in Kaduna statt. Fifth Chukker, das ursprünglich eine Rinderfarm war, wurde von einem der bekanntesten Polospieler und Gönner – Alhaji Adamu Atta – erworben. Der Investitionsumfang,  der hier getätigt wurde, war enorm und betraf die komplette Moderni-sierung der Anlage, den Bau von Straßen, Strom und fließendes Wasser.

Fifth Chukker ist heute zweifellos die Nummer Eins unter den Polodestinationen in Nigeria, da die Turniere mehr internationale Teilnehmer und Zuschauer anziehen als alle anderen Sportveranstaltungen in Nigeria. Die Anlage besteht aus drei professionellen Polofeldern, über vierhundert reinrassige Poloponys sind hier auf einem dreitausend Hektar großen Resort untergebracht. Das Turnier besteht aus bis zu 15 Teams mit Spielern aus Argentinien, Südafrika und den besten nigerianischen Spielern mit drei Finals im Low-, Medium- und High Goal. Hochrangige Regierungsvertreter und Wirtschaftspersönlichkeiten sind hier regelmäßig unter den Gästen. Vergangenes Jahr wurde hier eine zehn Millionen Naira-Spende der Access Bank an UNICEF übergeben. Das Event wurde 2003 als erstes Poloturnier der Wohltätigkeitsorganisation mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Not benachteiligter Kinder zu lindern. Mit den Mitteln werden Projekte für Bildung und Wohlergehen von Kindern in Kaduna unterstützt.

Danach wird der entschlossene Poloreisende im September nach Kenia fliegen, um am Kenia International Polo Tournament teilzunehmen. Das Turnier zieht einige der besten Polospieler aus Südafrika und Argentinien an, die mit lokalen Spielern zusammengebracht werden. Das Format des Turniers mischt kenianische Spitzenpolospieler mit internationalen Spielern zu hochkarätigen Teams. Das wiederum garantiert das beste Polospiel in Ostafrika. Dann geht die Reise weiter nach Süden, wo ebenfalls im September im Johannesburger Inanda Polo Club das Nedbank International Polo auf dem Programm steht. Das Nedbank International Polo blickt auf eine über 30-jährige Geschichte zurück. Südafrika verfügt über die am weitesten entwickelte Polo-Infrastruktur in Afrika, was zu einer höheren Anzahl von Spielern geführt hat als in anderen Clubs. Die südafrikanische Polo-Nationalmannschaft hat bereits gegen Chile, Australien, Indien, die Vereinigten Staaten von  Amerika und das Vereinigte Königreich gespielt.

Polobegeisterte Touristen könnten gleich in Johannesburg bleiben, um an den Africa Polo Open im Oktober teilzunehmen – dem größten Poloturnier Afrikas. Die Africa Polo Open sind ein kontinentales Turnier, bei dem die südafrikanische Polo-Nationalmannschaft gegen andere afrikanische Poloteams antritt. Im Jahr 2017 etwa ist eine elfköpfige südafrikanische Mannschaft gegen die kenianische Polo-Nationalmannschaft auf dem weitläufigen Polofeld mit Blick auf den malerischen Magalies-Berg im Hintergrund angetreten. Diese ältesten Berge der Welt sind fast 100 Mal älter als der Mount Everest.

Im Jahr 2018 besiegte Südafrika erstmals den Kontinentalrivalen Nigeria in einem 12-Goal-Match. Die Rückrunde nach Nigeria wird notwendig, um am African Patron‘s Cup Ende Oktober und Anfang November teilzunehmen. Der African Patron‘s Cup ist ein hochrangiges Turnier, das sich aus Gästen mit lokalen Spielern und internationalen Profispielern aus Argentinien und Südafrika zusammensetzt. Patrons spielen in  Nigeria eine zentralere Rolle bei der Entwicklung des Sports und seiner wachsenden Beliebtheit als irgendwo sonst in Afrika. Ein Grund dafür kann sein, dass sie viel mit dem postkolonialen Transit  Nigerias und der dauerhaften Rolle des Militärs dabei zu tun haben.

Ein Besuch beim Brightwater Polo, einer privat geführten und vollständig selbstverwalteten Ranch im Herzen von Ibeju Lekki in der neu entwickelten Lekki Freetrade Zone, ist ebenfalls eine Reise wert, da sich die Destination mit ihrem Poloangebot von allen anderen in Afrika abhebt. Brightwater hat in den letzten drei Jahren zahlreiche Polotestspiele, Spezialpokale und interne Turniere für ein ausgewähltes Publikum organisiert. Es hat sich als bevorzugter Standort für den elitären Pololiebhaber etabliert. Die Brightwater Polo Ranch lädt weltbekannte internationale Poloprofis aus Großbritannien und Argentinien ein, um zusammen mit leidenschaftlichen nigerianischen Förderern an zwei Wochenenden ein Medium-Goal-Turnier zu spielen.

Das Lagos International Polo Tournament in Nigeria fin-det im Februar an zwei Wochenenden statt. Bis zu vierunddreißig Teams kämpfen um vier Hauptpokale, nämlich: Silber Cup, Open Cup, Low Cup und Majekodunmi Cup. In der ersten Eröffnungswoche spielen die Teams um den Silberpokal – den Open Cup. Der begehrteste Preis im nigerianischen Polo ist der Majekdunmi,  der 1962 vom damaligen Administrator der Western Region  Dr. Moses Majekodunmi an den Verein überreicht wurde.

Schließlich gibt es Anfang März das Veuve Clicquot Masters Polo Kapstadt im malerischen Val de Vie Estate. Das majestätische Feld liegt vor der spektakulären Kulisse der Paarl-Franschhoeker Berge. Val de Vie gewann bereits den Pokal für die schönste Poloszenerie Afrikas. Das stilvolle Social Event markiert den Beginn der süd-afrikanischen Polosaison – das Wetter ist immer königlich, die Gäste glamourös und wie immer gibt es viel Action und Pferdebegeisterung. Das Schöne an den Big Ten ist, dass es wirklich egal ist, wo man anfangen soll oder in welcher Reihenfolge man sich die Turniere anschauen will und kann. Was sich jedoch anbietet ist, mindestens ein Turnier in jedem Land zu besuchen, um ein Gefühl für die Vielfalt und die Nuancen in der afrikanischen Polosaison  zu bekommen.

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