Eine Einordnung von Dr. med. vet. Lena Horn / POLO+10

Weltweit erreichen uns täglich neue Informationen, Updates und E-Mails über die Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19). COVID-19 wird durch das schwere akute Atemwegssyndrom Coronavirus 2 (SARS-CoV-2, Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus-2) verursacht. Die meisten Berichte enthalten wertvolle Informationen, aber einige verbreiten Unsicherheit und enthalten falsche, ja manchmal auch gefährliche Informationen.

Was wir mit Sicherheit wissen, ist, dass das COVID-19-Virus derzeit eine große Bedrohung für unsere gesamte Gesellschaft darstellt. Weltweit arbeiten die nationalen Regierungen eng mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), mit internationalen Experten für Infektionskrankheiten und mit beispielsweise dem Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) den amerikanischen Zentren für Seuchenkontrolle und -prävention (CDC), der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) sowie mit nationalen Gesundheitsbehörden und -organisationen zusammen, um mehr über COVID-19 zu erfahren und die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

Warum die Ausbreitung verlangsamen? Weil die Gesundheitssysteme der betroffenen Länder in der Lage sein müssen, effizient zu funktionieren. Dies ist nur möglich, wenn die Anzahl der COVID-19-Patienten die lokalen medizinischen Ressourcen und Kapazitäten nicht überfordert. Wenn wir uns alle vorsichtig, rücksichtvoll und achtsam verhalten und die Prinzipien der sozialen Distanzierung (social distancing) respektieren, können wir die Anzahl der neu infizierten Menschen pro Tag senken, was zu einer Abflachung der Infektionskurve führt (flatten the curve) (siehe unten Link 1).

Aber was bedeutet das im wirklichen Leben?

Wenn möglich, bleiben Sie zu Hause! Dies gilt auch, wenn Sie sich nicht krank fühlen oder keine Symptome zeigen. Vermeiden Sie jeglichen physischen sozialen Kontakt und stellen Sie sich selbst unter Quarantäne. Wenn Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus verlassen müssen, beachten Sie unbedingt die Empfehlungen, Vorgaben oder Gesetze der örtlichen Behörden.

Die ständig aktualisierten Webseiten der WHO und z.B. des ECDC und des CDC sind ausgezeichnete Ressourcen für Verhaltens-, Vorsicht- und Schutzmaßnahmen, die Sie treffen können, um das Risiko einer Infektion und Verbreitung des COVID-19-Virus zu minimieren.

Das für die derzeitige Pandemie verantwortliche Virus ist ein Betacoronavirus. Corona bedeutet Krone und bezieht sich auf die Proteinspitzen auf der Lipidhülle des Virus.

Coronavirus-Infektionen treten häufig bei Menschen und Tieren auf, und einige Virusstämme sind zoonotisch (eine Übertragung zwischen Tieren und Menschen ist möglich). Aktuelle Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das für COVID-19 verantwortliche SARS-CoV-2 einen tierischen Ursprung hat, die Übertragung scheint aber vorwiegend von Mensch zu Mensch stattzufinden (über Körpersekrete wie Speichel und/oder Schleim Tröpfchen die durch Husten oder Niesen einer infizierten Person verbreitet werden).

Ein anderer möglicher Weg der Virusübertragung scheint der sekundäre Weg zu sein, bei dem eine Übertragung des Virus stattfinden kann wenn Sie kontaminierte Objekte oder Oberflächen berühren und hiernach Ihr Gesicht anfassen (insbesondere Mund, Nase oder möglicherweise Augen). Im Allgemeinen können nicht poröse, glatte Oberflächen (z. B. Kunststoff, Metall) Viren besser übertragen als poröse, nicht glatte Materialien (z. B. Papier, Haustierfell).

Zu diesem Zeitpunkt sind sich Experten für Infektionskrankheiten und mehrere internationale sowie nationale Gesundheitsorganisationen wie die WHO, die OIE, die CDC und das ECDC einig, dass es keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass Tiere an COVID-19 erkranken. Zudem liegen bisher keine Anhaltspunkte dafür vor, dass Haustiere eine Infektionsquelle für SARS-CoV-2 sein können oder COVID-19 auf Menschen verbreiten können. Nach Angaben der OIE sind weitere Studien erforderlich, um die Rolle von Tieren bei der Ausbreitung dieser Krankheit, die den Menschen befällt, zu verstehen.

Derzeit besteht allgemeiner Konsens darüber, dass Sie, wenn Sie nicht an COVID-19 erkrankt sind, wie gewohnt mit Ihrem Haustier oder Pferd umgehen und mit ihm interagieren können.

Beachten Sie, dass einige Länder strenge Regeln für den Umgang und die Pflege von Tieren eingeführt haben, um die mögliche Ausbreitung von SARS-CoV-2 zwischen Besitzern, Reitern, Hundeführern usw. zu minimieren. Achten Sie grundsätzlich immer darauf, dass Ihre Tiere (Fell, Pfoten etc.) sauber und gepflegt sind und reinigen Sie regelmäßig die Umgebung und die Gegenstände, mit denen Ihre Vierbeiner in Kontakt kommen (Ausrüstung, Wasser- / Futternäpfe, Ställe, Betten, Decken und Spielzeug etc.). Da Tiere auch andere Krankheiten auf Menschen übertragen können und vice-versa, ist es immer ratsam, wenn sie mit Tieren in Kontakt kommen, allgemeine Grundprinzipien hinsichtlich der Hygiene (z. B. Hände vor und nach dem Kontakt gründlich mit Seife waschen), zu beachten.

Wenn Sie an COVID-19 erkrankt sind, sollten Sie vorsichtiger sein und den Kontakt mit Tieren einschränken, bis mehr über die Rolle der Tiere und den SARS-CoV-2-Ausbruch bekannt ist. Tägliche Aktivitäten wie Fütterung, Pflege und Spielbeschäftigung sollten von einem anderen Haushaltsmitglied übernommen werden. Einige örtliche Tierheime bieten auch an, sich um Ihr Haustier zu kümmern, wenn Sie positiv getestet worden sind. Wenn Ihr Gefährte ein Assistenztier ist oder niemand anderes sich um Ihr Tier kümmern kann, empfiehlt die Amerikanische Tierärztevereinigung, eine Gesichtsmaske zu tragen, engen Kontakt mit dem Tier zu vermeiden (z. B. kein Küssen oder Teilen von Geschirr oder ähnlichem) und Ihre Hände vor und nach jedem Kontakt mit dem Tier zu waschen.

Bitte beachten Sie, dass weltweit der tierärztliche Berufsstand stark vom COVID-2019-Ausbruch betroffen ist. Die nationalen veterinärmedizinischen Kammern, Verbände und Gremien arbeiten eng mit den nationalen und internationalen Experten, Agenturen und Organisationen zusammen. Sie passen ihre Strategien kontinuierlich an die dynamischen Entwicklungen an und informieren ihre Mitglieder über die Maßnahmen, die in diesen schwierigen Zeiten zu ergreifen sind. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Behörden vieler Länder Empfehlungen herausgegeben haben und wahrscheinlich vermehrt werden, die den gewohnten Umfang der Ausübung des tierärztlichen Berufes einschränken. Wenn Ihr Tier erkrankt, verschreibungspflichtige Medikamente oder ein spezielles Diätfutter zur Neige gehen, wenden Sie sich per Telefon oder E-Mail an Ihren Tierarzt und befolgen Sie die Anweisungen genau. Beachten Sie, dass aufgrund des derzeitigen Mangels an Personalschutzausrüstung (z. B. Kittel, Gesichtsmasken, Handschuhe), Beatmungsgeräten und Medikamenten für menschliche Patienten elektive Operationen (Operationen, die im Voraus geplant sind und keinen medizinischen Notfall beinhalten) mit großer Wahrscheinlichkeit verschoben werden.

Hauptziele unseres Berufsstandes bestehen derzeit darin die menschlichen medizinischen Gesundheitssysteme zu unterstützen, den Schutz und die Sicherheit der Lebensmittelversorgung der Länder zu gewährleisten und dafür zu sorgen, dass Sie und Ihre Tiere sowie die Kollegen/-innen und ihre Mitarbeiter/-innen gesund bleiben.

Links:

  1. https://www.washingtonpost.com/graphics/2020/world/corona-simulator/
  2. WHO: https://www.who.int
  3. CDC: https://www.cdc.gov
  4. ECDC: https://www.ecdc.europa.eu/en
  5. OIE: https://www.oie.int/scientific-expertise/specific-information-and-recommendations/questions-and-answers-on-2019novel-coronavirus/

 

 

Dr. med. vet. Lena Horn ist medizinische Beraterin, Tierärztin und seit Mai 2019 neues Redaktionsmitglied und tierärztliche Beraterin von POLO+10.
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