Anfang Januar 2012 hat die United States Polo Association (USPA) für die unteren Spielklassen halbe Handicaps eingeführt. Das heißt, neben den Handicaps -2, -1, 0 und +1 gibt es jetzt auch die Handicaps -0,5 und +0,5 sowie +1,5. Bei allen anderen Handicaps werden keine Halbwerte eingeführt.

Der USPA-Geschäftsführer Peter Rizzo über die Gründe der Regeländerung: „Die Einführung des ½-Handicap-Systems für die unteren Spielklassen bewirkt, dass unterschiedlich starke Spieler fortan nicht mehr das gleiche Handicap zugeteilt bekommen. Seit Jahren wird darüber bereits diskutiert. Im letzten Jahr haben wir dann eine Kommission damit beauftragt, eine Reihe von Lösungsvorschlägen zu erarbeiten. Nach reiflicher Überlegung hat sich die USPA dann für die Einführung des ½-Handicap-Systems entschieden.“

In der deutschen Polo-Szene ist die Meinung über die zusätzlichen Handicaps geteilt. Alexander Schwarz (hdc +3), Mitglied der Handicap-Kommission des Deutschen Polo Verband (DPV), würde eine derartige Änderung für den deutschen Polo Sport begrüßen: „Ich war schon immer der Meinung, die Handicaps von 0 bis +20 auszudehnen, weil sich gerade im deutschen Polosport die Mehrheit zwischen -1 und +1 sammelt. Wenn zum Beispiel ein Spieler mit +1,6 spielt und eine anderer mit +2,5 – werden beide einem Handicap von +2 zugeordnet. Es gibt ständig Unterschiede innerhalb der einzelnen Handicaps.“

Auch der 1. Vizepräsident des DVP Dr. Günther Kiesel (hdc 0), der lange Zeit mit einem Handicap von + 2 spielte, sieht hier Handlungsbedarf: „Es ist lange schon bekannt, dass innerhalb eines Handicaps starke Unterschiede in der Spielstärke bestehen – am stärksten ausgeprägt im 0-Handicap-Bereich. Herr von Maltzahn hat in der letzten Sitzung der Handicap-Kommission eine gute Empfehlung ausgesprochen. ’Erst wenn ein Spieler regelmäßig sein Handicap spielt und gelegentlich sogar besser, verdient er sein bestehendes Handicap!’“, zitiert Kiesel den DPV-Präsidenten und fordert: „Man sollte gerade den jungen Spielern die Möglichkeit geben, eine ganze Saison mit niedrigem Handicap zu spielen. Auf diesem Weg erhalten diese die Chance, in gute Teams zu kommen und sich dementsprechend weiterzuentwickeln. Handicaps werden häufig zu schnell nach oben geschoben.“ In dem ½-Handicap-Systems sieht er allerdings eher Probleme als die Lösung: „Halbe Handicaps machen das System noch komplizierter. Was macht beispielsweise ein Gastspieler, der ein USPA-Handicap von + 1,5 besitzt, wenn er in Deutschland spielt?“ Kiesel plädiert daher für die Einführung eines international einheitlichen Handicap-Systems und fordert: „Bei diese Aufgabe ist die FIP, unser Polo-Weltverband, gefragt!“

Thomas Winter, mit einem Handicap von +5 der beste deutsche Polospieler, hält das neue Handicap-System der USPA für die unteren Spielklassen für sinnvoll: „Die Hintergründe, warum die USPA halbe Handicaps eingeführt hat, leuchten mir ein. Ich habe auch schon häufiger darüber nachgedacht, wie man am fairsten die unteren Handicaps noch weiter aufsplitten könnte – denn gerade bei dem 0-Handicaps sind die Unterschiede zwischen einzelnen Spielern teilweise sehr groß. Wenn dieses System funktioniert, so kann es auch für Deutschland gut sein.“