POLO+10 Interview mit dem Schauspieler Tommy Lee Jones, Poloenthusiast und Harvardabsolvent.

Text: James Evans

Tommy Lee Jones hat sein Studium an der Harvard Universität absolviert, bevor er ausgebildeter Schauspieler, Regisseur, Repräsentant von Wohltätigkeitsorganisationen, Demokrat, Farmer und Fan der Basketballmannschaft San Antonio Spurs wurde. Bei seiner Arbeit am Filmset trägt er oft Waffen mit sich herum, schwingt große Reden und verzaubert sogar die widerspenstigsten Damen. Er wurde mit einem Academy Award und einem Golden Globe ausgezeichnet und spricht fließend Spanisch. Doch trotz all seiner Talente, Leidenschaften und Zukunftspläne gibt es wenig, das dem umgänglichen 67-Jährigen so sinnvoll erscheint wie Polo zu spielen. Wir nennen ihn »umgänglich«, auch wenn Jones in der Filmindustrie dafür bekannt ist, ein direkter, forscher und manchmal auch kratzbürstiger Charakter zu sein. Aber wenn man mit ihm über seine Liebe zum Polosport spricht, kann man nicht anders, als seine Ehrlichkeit zu bewundern.

Diese Ehrlichkeit ist vielleicht auch der Grund dafür, dass die Schauspieler Will Ferrell, Adam Sandler und bekannte Persönlichkeiten der Politik keine große Anerkennung von Jones bekommen. Seine Direktheit ist wahrscheinlich keine schlechte Eigenschaft in der Welt des Showbiz, die sich allzu oft hinter sich selbst versteckt. „Ich glaube, dass wir es uns selbst schuldig sind, ehrlich zu sein“, meint Jones. „Wenn wir eine Meinung haben, sollten wir diese auch äußern – daran habe ich immer geglaubt. Es ist nie meine Absicht, andere Leute zu verletzen oder zu beleidigen. Aber es liegt in der Natur der Filmindustrie, dass wir uns ständig mit Lob, Kritik und allem, was dazwischen liegt, auseinandersetzen müssen. So läuft das nun mal.“ Seit über zwei Jahrzehnten frönt Jones jetzt seiner Leidenschaft für den Polosport und vielleicht hat das dem in Texas geborenen Schauspieler dabei geholfen, seinen Frust über die Filmindustrie zu überwinden.

Jedes Jahr gibt Jones für den Polosport ein kleines Vermögen aus, um seine Polofelder in Florida, in seiner Heimat Texas sowie eine 30 Hektar große Anlage in Buenos Aires instand zu halten. Wenn er Polo spielt, schickt er zwei verschiedene Teams aufs Feld, die aus ihm selbst, seiner Frau Dawn, sechs professionellen Polospielern und mindestens 50 Pferden bestehen. Es ist ein enormer Aufwand, der seine ganze Aufmerksamkeit erfordert. Vielleicht hat auch das dazu beigetragen, dass sich der Schauspieler in den vergangenen Jahren aus dem Scheinwerferlicht zurückgezogen hat. Schließlich verbringen die Teams fast die Hälfte des Jahres in Palm Beach in Florida, wo Jones eine Farm mit Pferdeställen hat – erst kürzlich hat er sie für 27 Millionen US-Dollar auf den Markt gebracht – und die andere Hälfte des Jahres auf der San Saba Ranch in Texas.

„Polo erzeugt pure Emotionen und Begeisterung“, sagt Jones. „Und als Team sind wir in Bestform. Wir können jeden, jederzeit und egal an welchem Ort besiegen. Und wir lieben den Kick, das auch beweisen zu können!“ Der Wettkampfcharakter des Sports ist definitiv etwas, das Jones antreibt. Er gibt sich nicht zufrieden mit 44 Jahren in Film und Fernsehen, auch nicht mit einer Vielzahl an denkwürdigen Filmrollen – von Natural Born Killers über Batman Forever bis hin zu Men in Black und Lincoln. Für die Arbeit auf seinen Grundstücken wendet er deutlich mehr Zeit auf als für seine Arbeit am Filmset. „Im Sommer arbeiten wir mit den Rindern und um circa sieben Uhr abends fangen wir an, Polo zu spielen. Wir spielen bis ungefähr neun Uhr und wenn wir fertig sind, legen wir das Fleisch aufs Feuer und sehen zu, wie es langsam dunkel wird. Es ist ein gutes Leben, alle sind glücklich.“ Seine Privatsphäre ist dem Schauspieler sehr wichtig. Zuschauer zu den Polo-Matches werden nur sehr selten auf die Ranch in Texas eingeladen. „Mir ist es so lieber“, sagt Tomm Lee Jones. „Die Tore bleiben geschlossen und alles wird zugemacht. So mögen wir es – nur mit Freunden und der Familie, keine Außenstehenden. Ich finde, das können wir berechtigterweise verlangen.“

Natürlich hat das Leben hoch zu Ross bei Jones dazu geführt, dass er in dem Sport, den er so liebt, auch einige Fertigkeiten erlangt hat. Während ihn die Spannung beim Polo immer noch packt, wird ihm auch immer wieder klar, wie schwer einer der aller grundlegendsten Spielzüge im Polosport auszuführen ist. „Einen so kleinen Ball vom Rücken eines Pferdes aus zu treffen, setzt viel Können voraus und ist ziemlich beeindruckend. Wenn man sich auf einem Tier befindet, dass 50 Stundenkilometer schnell läuft, dehnt sich die Zeit ins Unendliche, während man versucht, den Ball mit der größtmöglichen Präzision zu schlagen. Ich habe viele Jahre gebraucht, um die richtige Technik zu entwickeln, und bin immer noch weit davon entfernt, perfekt zu spielen“, sagt Jones und grinst. „Denk dran, man sollte niemals ein Pferd oder einen Schauspieler darum bitten, etwas zu tun, was sie nicht können. Mit der Zeit lernt man, was sie können und wie man es ihnen etwas leichter macht.“

Mittlerweile redet Jones sogar davon, dass das Filmgeschäft ihn beim Polospielen stört. Möchte er wirklich andeuten, dass er den Erfolg, den Reichtum und die Sicherheit, die er sich durch seine Schauspielerei aufgebaut hat, zugunsten des Polosports aufgeben würde? „Ich wollte immer ein Schauspieler sein und ich glaube, meine Leidenschaft für den Polosport ist davon angetrieben worden, was ich als Schauspieler erreicht habe. Aber man wird älter und schaut auf die Dinge zurück, die einen glücklich machen… wirklich glücklich. Und Tatsache ist, ich blicke zurück und stelle fest, dass das Filmgeschäft mein Polospielen behindert hat. Um sein volles Potenzial zu verwirklichen, muss man das ganze Jahr hindurch spielen. Das war für mich nie möglich. Ich war immer ein guter Athlet, Football war eine großartige Erfahrung für mich. Es hat mir dabei geholfen, jung zu bleiben. In schweren Zeiten habe ich immer Football gespielt. Ich habe immer gewusst, dass ich ein Football-Spieler bin und das war bei vielen Gelegenheiten ein Trost. Hätte ich mir gerne eben so ein Wissen durch den Polosport angeeignet? Mit Sicherheit. Aber ich bin ein Spieler, kein Trainer – ich habe einfach keine Geduld mit anderen!“ Solange es Polo-Repräsentanten von Tommy Lee Jones’ Kaliber gibt, scheinen das Ansehen und die Beliebtheit des Polosports in guten Händen zu sein.

„Wir haben erstklassige Polo- und Übungsfelder gebaut, so dass mein Team und meine Kinder Polo spielen können. Meine Tochter Dawn spielt Polo seitdem sie sechs ist. Mittlerweile ist sie vollkommen furchtlos. Manchmal spielt sie sogar sechs Chukker. Dawn ist eine der besten weiblichen Polospielerinnen des Landes und vor zehn Jahren wusste sie nicht einmal, wie man ein Pferd reitet. Mein Ziel ist es, weiterhin Spaß am Polosport zu haben. Es geht um die Wettkämpfe, die Leute und die Erfahrungen, die man macht. Sobald man diese Welt einmal entdeckt hat, ist es sehr schwer, wieder loszulassen.“