Text: Eric Weil

Adolfo Cambiasos Team La Dolfina und das Team Ellerstina der Pieres Brüder Facundo und Gonzalo wurden bisher als die Teams angesehen, die es zu schlagen galt – mit vier Siegen für Ellerstina und zwei für La Dolfina dominierten beide Teams die Argentine Open der letzten sechs Jahre, beide gehören außerdem zu den häufigsten Finalisten in der Geschichte der Argentine Open. Genau diese Teams haben sich in ihrer Besetzung nun völlig verändert. Martin Nero (+10) und Pablo MacDonough (+10), die mit ihrem Team Ellerstina im letzten Jahr den Titel gewonnen haben, wechselten zu La Dolfina. Dort ersetzen sie die beiden +10-Handicaper Lucas Monteverde und Bartolomé Castagnola. Der Uruguayer David Stirling blieb im Team. Den Platz für MacDonough und Nero im Team Ellerstina werden nun Ignacio Heguy (+9) und Nicolas Pieres (+8) einnehmen. Beide sind gute Spieler, aber nicht so gut wie das Paar, das sie ersetzen. Facundo Pieres, Torschützenkönig der Argentine Open im letzten Jahr, glaubt, dass es schwer werden wird, sein Team zu schlagen, wenn es sich erst mal eingespielt hat. Facundo, gerade einmal 24 Jahre alt, spielt erst seit vier Jahren im Polo der Topklasse und ist vielleicht sogar der am stärks­ten entwickelte Spieler. Cambiaso ist sich sicher, mit der alten La Dolfina-Besetzung, dem Team mit dem er bereits bei den letzten Argentine Open im Finale gegen Ellerstina verloren hat, kaum mehr erreichen zu können. So bricht er im Guten die 15-jährige Partnerschaft mit Castagnola, seinem Freund aus Kindertagen – den er nun sehr wahrscheinlich als Konkurrenten haben wird.

Cambiaso über die neue Besetzung: „Auf dem Spielfeld in Palermo werden wir sehen, ob das Team La Dolfina das Teamhandicap von +39 – zwei Handicaps mehr als Ellerstina – tatsächlich besitzt. Ich denke, dass es sich um ein gutes Team handelt, was es aber erst beweisen muss.“ Cambiaso, noch immer einer der Größten im argentinischen Polosport, verbringt die Zeit lieber, wie er selbst sagt, im Januar auf seiner Ranch südlich der Provinz Cordoba mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern und widmet sich der Aufzucht von Pferden. Viele Polofans sehen in der neuen Besetzung von La Dolfina schon das „Dream Team“ und die Anwärter für die begehrte „Triple Crown“ – Gewinner der drei großen Turniere (Tortugas, Hurlingham und Argentine Open), was Ellerstina im letzten Jahr geschafft hat. Doch diese Voraussagen wurden gemacht, bevor das Team überhaupt Einsatz gezeigt hat. Gewöhnlich hat La Dolfina immer die ersten zwei Wettkämpfe als Vorbereitung für die Argentine Open genutzt, diese aber nicht gewonnen.

Monteverde und Castagnola bilden derweil ein neues Team, Estancia Grande (+38), zusammen mit den Brüdern Agustín und Sebastian Merlos vom Team Pilara. Auch in völlig neuer Besetzung präsentiert sich Pilara mit Bautista Heguy, Hilario Ulloa und Chris­tian Laprida. Nur Tomas Garcia del Rio blieb auf seiner hinteren Position. Trainiert wird das Team von Marco Heguy, der sich aufgrund einer Schulterverletzung und nach langer Karriere entschlossen hat, den professionellen Polosport zu beenden. Auch der frühere Champion Indios Chapaleufú hat den gleichen Wechsel wie Ignacio Heguy durchgemacht. Chapaleufú ging zu Ellerstina und wurde durch den U.S. Spieler Julio Arellano ersetzt, während Alejandro Novillo den Platz von Astrada Matias Magrini übernehmen wird. La Aguada ist das einzige Team unter den „Großen Sechs“, das unverändert blieb und bei allen drei Turnieren um die „Triple Crown“ kämpfen wird. Aus diesem Grund wird das Team der Novillo Astrada Brüder – Javier, Eduardo, Miguel und Ignacio – bereits als Favorit angesehen. Die einzige Veränderung ist die Herabsetzung des Teamhandicaps von +37 auf +36 aufgrund von Miguels Abstufung von +10 auf +9. Weder Miguel Novillo Astrada, zusammen mit Adolfo Cambiaso und Facundo Pieres einer der drei Top Spieler, noch andere können dies verstehen. Cambiaso zum Beispiel hat ihn noch nie so gut spielen sehen wie in der letzten Saison. Laut Cambiaso gibt es in Argentinien eine Tendenz zu niedrigeren Handicaps, wovon argentinische Spieler im Ausland nicht betroffen sind. Das Team La Aguada zeigte bereits im Vorfeld ihr Spielkönnen, als sie Pilara mit einem 12:8 ziemlich souverän im ersten Match der Tortugas Country Club Open besiegten, an dem auch alle oben erwähnten sechs Teams teilnehmen. Das erste High Goal Turnier der Saison, die Jockey Club Open, gehört nicht zu den Turnieren der „Triple Crown“. In diesem Jahr fand es im September statt und hatte nur vier teilnehmende Teams, da viele Top Spieler zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Argentinien waren. Sie befanden sich noch in Europa, weil sich die Saison in Spanien wegen des Regens verspätete, und in den Vereinigten Staaten, wo der Hurrikan das Ende der Saison hinauszögerte. La Dolfina gewann zwar das Turnier, aber ohne die Newcomer MacDonough und Nero, die sich zu diesem Zeitpunkt noch immer im Ausland befanden.

Obwohl es sich bei den oben erwähnten Turnieren um offene handelt, nehmen keine ausländischen Teams teil. Das liegt daran, dass die Handicaps der ausländischen Teams für eine Teilnahme oft nicht ausreichen. Immerhin gehen die ersten acht Plätze der World Polo Tour WPT Rangliste an argentinische Spieler, gefolgt von dem Uruguayer David Stirling auf dem neunten Platz und dem Venezolaner Victor Vargas, den ranglistenhöchsten Amateur, auf Platz 10. Es gibt jedoch immer auch eine Reihe von teilnehmenden ausländischen Spielern. Stirling und Arellano spielen zum Beispiel unter den „Top Sechs“. Andere spielen in den fünf Teams des Qualifikationsturniers um zwei Plätze bei den Hurlingham und Argentine Open – die Brasilianer Rodrigo Ribeiro de Andrade und Joa Paulo Ganon, der Chilene Jaime Carcia Huidobro, der Kanadier Frederick Mannix und die Engländer James Beim, Mark und Luke Tomlinson.


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