„An diesem Wochenende wäre es soweit gewesen…“ – diese traurige Erkenntnis kommt gerade jetzt wieder in die Köpfe vieler St. Moritzer. Vor fast zwei Wochen wurde der jährliche St. Moritz Polo World Cup on Snow auf dem zugefrorenen St. Moritzersee abgesagt – und das zum ersten Mal in der 28-jährigen Turniergeschichte! (Polo+10 berichtete) Wie gehts nun weiter: Business as usual oder tiefe Trauer gepaart mit finanziellen Einbußen? Polo+10 hat bei Veranstaltern, Sponsoren und den St. Moritzern nachgefragt.

Bis zum 16. Januar 2012 liefen die Vorbereitungen des weltweit höchstdotierten Turniers auf Schnee, für das es Punkte für die World Polo Tour (WPT) gibt, auf Hochtouren. Wer noch ein Plätzchen in einem nahegelegenen Hotel wie dem Badrutt’s Palace oder Kempinski benötigte, musste sich beeilen. Alles wartete gebannt auf die offizielle Erlaubnis der Seekommission von St. Moritz, um mit dem Aufbau der Infrastruktur auf dem zugefrorenen St. Moritzersee zu beginnen. Dann die schreckliche Nachricht: Nach verschiedenen Belastungstests der Eisdecke beschloss die Seekommission, den See für den Aufbau der Infrastruktur nicht freizugeben.

Obwohl die Temperaturen seit Wochen ungewöhnlich mild waren, zeigten sich die St. Moritzer bis zum letzten Tag voller Hoffnung, dass das Turnier doch wie gewohnt auf dem See stattfinden würde. Auch als bereits klar war, dass der Veranstalter keine Alternative zum Austragungsort in so kurzer Zeit finden würde, glaubten noch immer einige an ein Happy End.

Dann die endgültige Absage, die dem lokalen Tourismus, den Veranstaltern und Sponsoren wie Cartier, Deutsche Bank/Sal. Oppenheim und Ralph Lauren teilweise große Verluste bescherten.

Gefreut hätte sich auch BMW über sein erstes Engagement beim Snow Polo in St. Moritz: „Wir sind sehr traurig, dass das Turnier nicht stattfinden wird. Es wäre unser erster Einsatz beim Snow Polo gewesen und wir haben die Zusammenarbeit mit dem Veranstalter sehr geschätzt“, kommentiert Oliver Peter von BMW Group Switzerland. Die Kosten halten sich aber laut Oliver Peter in Grenzen: „Bei den von uns getätigten Investitionen handelt es sich in erster Linie um die Bereitstellung von X-Drive Allradfahrzeugen, die als sogenannte Courtesy-Cars während des Turniers im Einsatz gewesen wären. Da wir uns generell viel im und rund um den Bereich Wintersport engagieren, werden wir die Fahrzeuge ausnahmsweise anderweitig platzieren.“

Das 5-Sterne-Hotel Badrutt’s Palace, das früher vor allem von Sponsoren, Spielern und Besuchern des Turniers bezogen wurde, ist nach eigenen Angaben nicht allzu sehr von den Auswirkungen des „gecancelten“ Turniers betroffen. „Bis auf ein paar Ausnahmen nehmen alle unsere Gäste, die für dieses Wochenende gebucht haben, ihre Reservierungen wahr. Diese Gäste werden dementsprechend auch die anderen Sportarten, wie z.B. das Skifahren, in Engadin genießen“, berichtet Katarina Lancaster von Badrutt’s Palace Hotel.

Von deutlich größeren Einbußen spricht Betina Welter vom Kempinski Grand Hotel des Bains: „Wir als Turnierhotel sind deutlich betroffen und klären zurzeit, wie es weitergeht. Auch wenn wir mit zeitnahen Aktionen versucht haben, das Wochenende noch zu füllen, werden wir deutlich unter der ursprünglich erwarteten Auslastung liegen“, schildert sie und stellt fest: „Der St. Moritz Polo World Cup on Snow ist eine der bekanntesten und wertschöpfungsintensivsten Veranstaltungen des Winters. Daher bedeutet die Absage des Events einen großen Verlust für die ganze Destination.“

Sara Roloff von der Tourismusorganisation Engadin St. Moritz bestätigt die negativen Auswirkungen für die Destination Engadin St. Moritz: „Der Region gehen mit der Absage des Events rund 5.000 Logiernächte und die damit verbundene Wertschöpfung verloren.“

Unterstützung von Seiten der Veranstalter wurde bereits zugesagt. „Bei einem Sportanlass im Freien – zudem auf einem gefrorenen See – ist das Szenario einer Absage aus naturbedingten Gründen selbstverständlich vorgesehen und Vertragsgegenstand mit allen Beteiligten. So werden die Kosten gemeinsam vom Organisator, den Partnern und der Versicherung getragen“, kündigt Urs E. Schwarzenbach, Präsident und CEO der St. Moritz Polo AG an.

Trotz der ökonomischen Einbußen blicken die St. Moritzer positiv in die Zukunft. BMW verhandelt derzeit über die Partnerschaft für das Jahr 2013. „Auch wenn das Turnier in diesem Jahr ausfallen musste, würden wir uns freuen, die Kooperation im nächsten Jahr fortzusetzen“, bekundet BWM.

Sara Roloff von der Tourismusorganisation Engadin St. Moritz kündigt bereits weitere Highlights auf dem zugefrorenen See an: „Zum Glück bietet die Region Engadin St. Moritz weitere Veranstaltungen mit weltweiter Ausstrahlungskraft, die das Oberengadin begehrenswert machen: Zum Beispiel das Gourmetfestival, der FIS Alpine Ski World Cup oder die White Turf Pferderennen, die definitiv auf dem gefrorenen See stattfinden werden. Dank dieser Events wie auch dank des kontrastreichen Angebots im Oberengadin hoffen wir, dass viele der Polo-Gäste trotzdem in die Region reisen und ihre Ferien genießen.“