Guillermo „Sapo“ Caset erlangt nach einer erfolgreichen amerikanischen High Goal Saison sein +10 Handicap in den USA zurück.

In Party- und Gag-Shops kann man Trickkerzen kaufen. Sie sorgen für eine Menge Spaß bei Kindergeburtstagspartys: beim Versuch der Kinder, die Flammen auszupusten, entzünden sich diese innerhalb weniger Sekunden erneut. Der Grund dafür ist eine kleine Menge an Magnesium im Docht, die bei einer niedrigen Temperatur verbrennt, wodurch sich der Docht wieder anzündet. Diese Kerzen sind auch praktisch bei windigen Verhältnissen, da sie sehr widerstandsfähig gegen Wind sind. In gewisser Weise gibt es einen Polo Spieler, der die gleichen Qualitäten mitbringt.

Guillermo Caset Jr., in Polo Kreisen besser bekannt unter seinem Spitznamen „Sapo“, ist wieder in die Elitereihe der +10-Handicap Goaler zurückgekehrt, nachdem die von ihm herausragend gespielte amerikanische High Goal Polo Saison im April zu Ende gegangen ist. Dies ist nur ein Beispiel seiner vielen Comebacks nach einigen Rückschlägen im Laufe seiner Karriere.

Als Jugendlicher mit gerade einmal 16 Jahren raste er durch das Handicap Ranking – innerhalb von nur 14 Monaten steigerte er sein Handicap von +1 auf +6. Sein Vater entschied, dass er Zeit brauche, um sich an die Umstellung zu gewöhnen und zog ihn aus dem internationalen High Goal Wettbewerb zurück. Aber Sapo ließ sich nicht aufhalten. Im Laufe seiner Entwicklung sammelte er Siege bei vielen Turnieren.

2010 erreichte er das Halbfinale der US Open und wurde nur dadurch auf seinem Erfolgskurs gestört, dass 21 der Pferde seines Teams unter mysteriösen Umständen kurz vor dem Match starben. Kurz darauf kehrte er mit dem gleichen Team zurück und gewann im Jahr 2012 die US Open. In Folge dessen erhielt er ein Handicap von +10, das höchste Handicap, das im Polo erreichet werden kann.

Innerhalb einer Woche musste er jedoch wegen eines Staphylokokkus-Virus ins Krankenhaus eingeliefert werden und lag für sechs Tage im Koma. Dabei verlor er 20 Prozent seines Körpergewichts. Nach seiner Rückkehr, fünf Monate später, spielte er mit La Aguada sein erstes Turnier seit seiner Erkrankung bei den Tortugas Open und traf in dem Spiel ganze sechs Mal. In Argentinien spielte er eine bemerkenswerte Saison, in der er insgesamt 23 Tore in drei Spielen bei den Argentine Open erzielte.

2013 trat Sapo einem neuen Team für die US-Saison bei. Mit Melissa Ganzi spielte er im Team Piaget, das fast sieglos aus der Saison ging. Der einzig nennenswerte Erfolg war der Sieg beim Spiel um den Butler Cup, um den die Verlierer beim US Gold Cup spielen. Aufgrund seines mangelnden Erfolgs wurde Sapos Handicap auf +9 Goals herabgestuft. Dennoch blieb sein Spiel nicht unbemerkt. Adolfo Cambiaso bat ihn, im folgenden Jahr zusammen mit ihm im Team Valiente zu spielen.

Später im Jahr 2013 spielte Sapo mit Enigma die englische High Goal Saison. Auch in diesem Team blieb der Erfolg, den sie die Jahre zuvor gehabt hatten, aus. Sapo ging zurück nach Argentinien, um dort mit dem neuen Team La Navidad die Saison zu Ende zu spielen. Das Team zeigte eine respektable Leistung, auch wenn sie bei keinem der großen Turniere gewannen.

2014 ging es für Sapo zurück in die USA, um für Bob Jornayvaz’ Team Valiente anzutreten. Zunächst spielten sie ohne Adolfo Cambiaso im 20-Goal Ylvisaker Cup und schafften es bis ins Finale. Dann passierte etwas Eigenartiges. Der verletzte Jornayvaz entschloss, beim Finale auszusetzen und dafür seinen Sohn an seiner Stelle spielen zu lassen. Dies wurde als illegaler Austausch gewertet und Valiente verlor das Match, bevor sie überhaupt gespielt hatten.

Beim CV Whitney Cup gelang Team Valiente, für das Sapo gemeinsam mit Bob Jornayvaz, Santi Torres und Adolfo Cambiaso an den Start ging, ein triumphales Comeback. Der Cup ist der erste Teil einer Turnierserie, die als die „American Triple Crown“ bezeichnet wird und aus drei Turnieren besteht. Vielleicht zu übermütig ging Valiente in das zweite Turnier um den US Gold Cup und verlor das Eröffnungsspiel gegen das Team Coca Cola mit 7:10. Doch wie alle guten Spieler überarbeiteten sie ihre Spieltaktik und gewannen letztlich das Turnier, mit einem sowohl im Halbfinale als auch im Finalspiel verletzten Cambiaso.

Im dritten Turnier der Triple Crown erreichte Valiente das Finale ungeschlagen. Der Sieg der Triple Crown war in Reichweite. Allerdings verletzte sich Cambiaso erneut im Halbfinalspiel, so dass das Finale ohne ihn gespielt werden musste. Der ehemalige Teamkollege Juan Martin Nero, mit dem Sapo 2012 die US Open gewonnen hatte, nahm Cambiasos Platz ein. Das Finale der US Open war ein aufregender und nervenaufreibender Wettkampf. Am Ende der regulären Spielzeit stand der Spielstand mit 10:10 unentschieden. Um das Ergebnis zu bestimmen wurde ein siebtes Extra-Chukker ausgespielt. Nach 24 Sekunden Spielzeit wurde ein Foul, ausgeführt von Valiente, gepfiffen. Hilario Ulloa von Alegria führte den Penalty Shot von der 60 Yard- Linie aus, konnte den Schuss aber nicht verwandeln. Das Spiel ging weiter, bis Valiente drei Minuten später wieder foulte. Dieses Mal traf Ulloa von der 40 Yard-Linie aus und damit besiegte Alegria Valiente.

Der Kampf um die Triple Crown war beendet. Sapo wurde jedoch für seine brillante Spielleistung und seine erfolgreiche Saison von der United States Polo Association wieder mit einem +10 Handicap ausgezeichnet.

In seiner jungen Karriere hatte Sapo viele Höhen und Tiefen, aber er scheint immer wieder zurückzukommen. Er ist die Candle in the Wind unter den heutigen Polospielern und man kann erwarten, dass seine Kerze noch hell in den nächsten Jahren brennen wird.