2006 gründete Harald Link gemeinsam mit Nunthinee Tanner den Thai Polo and Equestrian Club. Selbst aus einer Familie von Reitern stammend, liebt Harald Link Pferde und das Reiten seit seiner Kindheit. POLO+10 hat mit dem Poloenthusiasten über den Thai Polo Club, seine eigenen Erfahrungen mit dem Polospielen und die International League gesprochen.

POLO+10: Dir ist eine familiäre Atmosphäre im Club besonders wichtig – wodurch zeichnet sich diese aus?
Harald Link: Als wir den Thai Polo Club aufgebaut haben, wollten wir ihn zu einem Ort machen, an dem sich Polospieler und Reiter als Teil einer großen Familie fühlen und thailändische Gastfreundlichkeit in natürlicher Umgebung genießen können – wir haben sowohl Hügel im Hinterland und können gleichzeitig die Reflektion der Sonne auf dem Golf von Thailand genießen. Zusätzlich zum Polo ist die Umgebung sehr gut für Ausdauer- und Vielseitigkeitsausritte geeignet, während wir auf unseren Polofeldern und in der Arena auch Wettbewerbe im Spring- und Dressurreiten abhalten. Polo und andere Pferdesportarten vermischen sich bei uns.

In unserem Hauptclubhaus und der historischen Chukka-Bar mit über 100 Jahre alten Memorabilia können unsere Gäste regelmäßig Menüs genießen und sich nebenan im 25 Meter langen Salzwasserpool entspannen. Nach Turnierspielen servieren wir Snacks und kalte Drinks, nach Sonnuntergang finden sich die Spieler oft zum festlichen Dinner zusammen. Unsere traditionellen und modernen Thai-Häuser werden dabei häufig für ein Wochenende oder eine ganze Saison gemietet. So lässt sich unsere Anlage mit höchstem Komfort in einer Atmosphäre wie bei Familie und Freunden genießen.

Wir werden weiterhin Turniere in einem freundlichen und wettkampforientierten Geist abhalten und den vielen Zuschauern ein buntes Rahmenprogramm sowie großartige Partys mit gutem Essen und Musik anbieten. Am wichtigsten aber: Wir sind davon überzeugt, dass die gastfreundliche Atmosphäre, die schöne Umgebung und die großartigen Polofelder mehr Spieler zu uns bringen werden. Die Kooperation der Polonationen durch die Ligen, gegenseitige Einladungen und vielleicht auch der Ambassador Cup stärken die Freundschaft zwischen den Nationen und erhöhen die Attraktivität des Sports.


POLO+10: Wie groß ist das Einzugsgebiet des Thai Polo Club, von woher kommen Spieler nach Pattaya?
Link: Sie kommen aus vielen verschiedenen Ländern und Regionen. Wer bei uns Pferde unterhält, kommt aus Thailand, Malaysia, Singapur, Hong Kong und Macao. Die Spieler fliegen über das Wochenende ein, da der Flughafen nur etwas über eine Stunde vom Club entfernt ist und wir uns um die Pferde kümmern. Andere befreundete und professionelle Spieler kommen aus ganz Europa, Australien, Südafrika, den arabischen Staaten und Nord- und Südamerika.


POLO+10: Wie viele Pferde und Angestellte sind momentan im Club untergebracht?
Link: Damit wir uns bestmöglich um alle Spieler kümmern können, arbeiten bei uns 90 thailändische und bis zu 10 ausländische Profis. Von unseren Besuchern bekommen wir oft Lob für die Freundlichkeit und Wärme der Thais sowie die gute Qualität der Spielfelder und Pferde. Ebenso auch für die professionelle Pflege der Pferde in unserem Pferdehospital und die Physiotherapie.

Im Januar fanden bei uns die Thai Polo Open statt, da waren über 100 Ponies aus Malaysia bei uns vor Ort. Zeitgleich haben wir die Thai National Equestrian Games für Springreiten und Dressurreiten ausgerichtet, an denen Reiter aus 26 Provinzen teilgenommen haben. Da waren fast 400 Pferde in unserem Club und alles hat reibungslos geklappt.


POLO+10: Du hast den Club in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiter ausgebaut. Welche Maßnahmen genau waren das?
Link: Wir haben den Club über acht Jahre hinweg aufgebaut. Alle Designs wurden in Anlehnung an unser thailändisches Erbe von Nunthinee selbst gestaltet – sie hat in den USA ein Designstudium absolviert. Gebäude und Landschaftsgestaltung strahlen eine heimelige, familiäre Atmosphäre aus, die es erleichtert, sich zu entspannen und in Ferienlaune zu kommen. Wir haben weitere Spiel- und Übungsfelder mit Clubhäusern hinzugefügt. Inzwischen haben wir drei Spielfelder und zwei Übungsplätze, jeweils eines mit voller Drainage.

Wir haben die Rege Ludwig International Polo School aufgebaut und sind kurz davor, eine Reiterakademie für die Thailand and South East Asian Equestrian Federation zu gründen. Unsere Stallplätze haben wir auf heute 230 aufgestockt und wir verfügen über ungefähr 100 Auslaufkoppeln. Darüber hinaus haben wir inzwischen ein modernes Pferdehospital mit Röntgentechnik und Ultraschall sowie einer physiotherapeutischen Klinik. Der Vielseitigkeitskurs wurde von einem Stern auf zwei Sterne erweitert, eine Springreit- und Derbyarena wurde gebaut und zuletzt haben wir einen internationalen Ausdauerkurs ergänzt.

Die Entwicklung der Spielerzahl hat sich jüngst beschleunigt – mit zwölf Neueinsteigern größtenteils aus Bangkok und einige aus Pattaya und dem Ausland, die im Februar bei uns Einsteiger-Chukker spielen. Durch Fernsehbeiträge über unsere Wettkämpfe ist Polo in Thailand inzwischen ein bekannter Sport geworden. Berichtet wurde über den Pink Polo Queen‘s Cup für das HM Breast Cancer Institute, den Thai Polo Open Princess Cup für die HRH Princess Sirindhorn‘s Berufsschule und das Asian Beach Polo Turnier für die Princess Pa‘s Inspire Foundation, die weiblichen Häftlingen hilft. Auch die Öffentlichkeitsarbeit der Thailand Equestrian Federation sowie die Aktivitäten anderer Clubs haben dazu beigetragen, dass sich zunehmend mehr Thailänder für den Sport interessieren.


POLO+10: Wie entwickelt sich die International League? Hat sie einen positiven Einfluss auf Polo in Südostasien?
Link: Die International League wurde in diesem Jahr im Thai Polo Club mit einem Teamhandicap von +15 bis +17 ausgetragen und wird in Malaysia und Thailand mit Teams aus beiden Ländern sowie Mannschaften aus Singapur unter der Schirmherrschaft der Royal Malaysian Polo Association gespielt. Geistiger Vater der Liga ist Ihre Königliche Hoheit, Kronprinz von Pahang und Präsident der Association, der selbst ein exzellenter Polospieler ist. Die Liga läuft seit zehn Jahren sehr erfolgreich und Thai Polo war von Anfang an dabei.

Dieses Jahr haben neben den Teams der Länder, die traditionell jedes Jahr dabei sind, auch wieder Mannschaften aus China an den Thai Polo Open teilgenommen. Dort haben wir zusammen mit Malaysia eine Liga mit einem Teamhandicap von +6 bis +8 eingeführt. Und nächstes Jahr wollen wir das Handicap-Niveau der International League absenken, um Patrons der +6 bis +8 Goal Liga zur Teilnahme an der höheren Liga, der International League, zu motivieren.


POLO+10: Die Poloschule von Rege Ludwig ist mittlerweile weltberühmt – POLO+10 hat auch schon mehrfach berichtet – wie entwickelt sie sich und woher kommen die Spieler?
Link: Dazu tragen die Rege Ludwig International Polo School selbst sowie die thailändischen Pferde der Schule, der thailändische Pferdetrainer und die Programme für die Spieler eine Menge bei. Einsteiger, Fortgeschrittene und ebenso professionelle Spieler vertrauen darauf, dass sie mit den anerkannten Lehrmethoden der Schule so schnell wie möglich Fortschritte machen können.

Unser Trainer hat außerdem unseren thailändischen Profis beigebracht, noch nicht eingerittene Pferde aus Thailand und den USA zu Polopferden auszubilden, um mit ihnen dann an Turnieren teilnehmen zu können. Zukünftig können wir diese Pferde auch unseren Spielern zum Verkauf anbieten, um dadurch Polo etwas erschwinglicher und somit auch für neue Zielgruppen attraktiver zu machen. Während ich mich auf den Polosport für die Erwachsenen und seine Weiterentwicklung konzentriere, hat Nunthinee ein Programm für Jugendliche und eines für Menschen mit Behinderung entwickelt. Beide werden gut nachgefragt. Das Jugendprogramm wird es uns in der Zukunft zudem ermöglichen, mit einem sehr starken Team von thailändischen Spielern anzutreten.


POLO+10: Du spielst seit Jahren auch High Goal in England, wo fühlst Du Dich spielerisch am wohlsten und zuhause?
Link: Thai Polo spielt regelmäßig in Thailand, Malaysia, Deutschland und England, seit 2013 auch in Pilar (Argentinien), wo Thai Polo ein Spielfeld neben Loro Piana hat. Dort haben Juan Martin Nero, sein Bruder Agustin und Lucas James ihre Pferde untergebracht. In Deutschland spiele ich bei der Deutschen High Goal Meisterschaft, die wir in der Vergangenheit bereits zweimal gewonnen haben.

In England spielt Thai Polo bei den British Open um den Gold Cup sowie gelegentlich andere Turniere. Dort sind wir schon seit etwa zehn Jahren dabei, unsere Pferde sind auf der Chalk Pit Farm von Andrew Hine in Berkshire untergebracht. Der frühere Kapitän und Manager des englischen Teams und zweimalige Gewinner der Deutschen High Goal Meisterschaft kümmert sich um sie, zusätzlich zu seinen eigenen. Da ich in England, Deutschland und Malaysia viele Freunde habe, fühle ich mich dort überall zu Hause. Und da Thai Polo Pilar inzwischen auch läuft, werde ich mich dort wohl auch bald sehr heimisch fühlen. Aber mein richtiges Zuhause, das liegt mittlerweile definitiv in Thailand.