POLO+10 Volontärin Laura Vele berichtet von ihrem ersten Besuch bei einem Poloturnier und erfährt im Interview mit Sebastian Schneberger, warum man – einmal angefangen – nicht mehr mit Polo aufhören kann.

Das Wochenende startete am Samstag mit strahlendem Sonnenschein und fast schon tropischen Temperaturen. Wer das münstersche Wetter kennt, weiß, dass dies eher ungewöhnlich ist. Ernsthaftes Gemecker gab es also nicht zu hören. Auf dem Rasen entlang des Spielfeldrands herrschte eine lockere und entspannte Atmosphäre. Eine Gruppe von Besuchern hat auf die Picknickdecke verzichtet und sich eigens Tisch und Stühle mitgebracht. Auf den Bänken und Decken sah man alles, was der Kühlschrank hergab. Gebäck, Obst, Sekt – es wurde kredenzt und gelacht. Die Kinder konnten sich zum Beispiel beim Bullenreiten austoben. Dieser sollte auch noch bei den Polospielern und Besuchern der Players Party am Samstagabend für einigen Spaß und Lacher sorgen. Das Polopicknick war wirklich alles andere als eine steife Veranstaltung. Auch im Sponsorenbereich sahen die Zuschauer von Picknickdecken, Fatboys oder Strohballen aus sitzend den Polospielen zu. Wenngleich die Zuschauer dort nicht ihr eigenes Picknick mitbrachten, sondern zwischen verschiedensten kulinarischen Köstlichkeiten wählen konnten. Bei feinstem Lafina-Rindfleisch aus Uruguay, gegrillten Gambas, Kaviar auf Kartoffelpüree oder schlicht Pommes und Hot Dogs blieben keine Gourmetwünsche offen.

Zurück zum Sport – schließlich wurde beim Polopicknick nicht nur geschlemmt, die Zuschauer kamen auch in den Genuss internationalen Polosports und spannender Matches. Als Poloneuling zuckt man da schon mal zusammen (und outet sich damit gleichzeitig), wenn man sieht, wie Eva Brühl (+2) vom Team Farid’s QualiFighting mit vollem Körpereinsatz einen Gegner aus der Spur drängt. Überraschend war auch zu erfahren, wie viele Regeln und Begriffe es im Polosport gibt. Eindeutig mehr als auf Wikipedia zu lesen ist. Doch auch daran haben die Veranstalter aus Münster gedacht. Auf Tafeln entlang des Spielfeldrands konnten sich Polo-Anfänger über Spielregeln oder Schlagvarianten informieren.

Während der Spiele versorgten zudem Kommentatoren die Zuschauer mit Hintergrundinformationen, zum Beispiel, dass bis zu 90 Prozent aller Spielunterbrechungen dem Wegerecht (Line of the Ball) geschuldet sind. Dabei gilt: Der Spieler, der der Balllinie folgt, darf nicht von einem anderen Spieler gekreuzt werden, wenn dadurch Pferd oder Spieler gefährdet würden. Oder, wie es der Kommentator für die autoaffinen Zuschauer anschaulich ausgedrückt hat: Eine Verletzung des Wegerechts wäre, wenn man auf der linken Autobahnspur plötzlich von einem Trabbi geschnitten würde. Zwischen den einzelnen Chukkern sorgte die Musikgruppe Funny Fellows für Stimmung und die Zuschauer wurden zum „Tritt-in“, das heißt zum Eintreten der Rasenstücke auf dem Platz, aufgefordert.

Dass Polospieler nicht nur sattel-, sondern auch partyfest sind, bewiesen sie am Samstagabend auf der Players Party. Unter dem diesjährigen Motto „Dirty Western“ ging es heiß her. Der Bulle, an dem sich tagsüber noch die Kinder versucht hatten, lud nun die Gäste der Players Party zum Bezwingen ein. Einige schafften sogar die höchste Stufe zehn, ohne abgeworfen zu werden – beeindruckend, auch wenn man als Zuschauer nur auf die spektakulären Abwürfe wartete. Die Gruppe „Soulsneakers“ aus Heidelberg brachte mit Soul- und Popklassikern sowie aktuellen Hits die Squaws und Cowboys zum Tanzen.

Schlemmen, Polo und Party – das sind die drei Schlagwörter des vergangenen Wochenendes beim Polopicknick in Münster. Und es verging wie im Flug. Sonntagnachmittag hatten wir von POLO+10 noch die Gelegenheit, mit Sebastian Schneberger, dem Veranstalter und gleichzeitig Spieler im Team der Los Nocheros, zu sprechen.


POLO+10: Herr Schneberger, wie ist ihr Fazit zur 10. Jubiläumsausgabe des Polopicknicks?
Schneberger: Super! Wir haben mehr Besucher als sonst und die Besucherzahlen auch kontinuierlich über die Jahre gesteigert. Heute (Sonntag) ist sogar noch viel mehr los. Die Zuschauer sitzen auf sechs bis sieben „Picknickreihen“ hintereinander und haben sich alle ihren Proviant mitgebracht und gekocht und sind am picknicken. Wenn man da die Reihen entlang läuft, das ist cool, das macht Spaß. Mit den Los Nocheros bin ich zwar Letzter geworden, das heißt, die Titelverteidigung ist voll nach hinten losgegangen. Aber es hat trotzdem Spaß gemacht gegen Freunde zu spielen. Das ist der Vorteil, wenn man mit allen hier befreundet ist. Es wird viel gelacht.

POLO+10: Wie viele Zuschauer waren dieses Wochenende im Vergleich zum letzten Jahr hier?
Schneberger: Rund 2.500 pro Tag, letztes Jahr waren es knapp 2.000 Besucher. Ich denke, dass wir knapp 1.000 mehr haben werden als in den Jahren zuvor. Wir haben ordentlich Werbung gemacht und wirklich viele Flyer verteilt.

POLO+10: Wie lange vorher beginnen Sie mit den Vorbereitungen für das Polopicknick? Wie viele arbeiten am Polopicknick mit?
Schneberger: Wir fangen ein halbes Jahr vorher so langsam an. Drei Monate vorher geht es richtig los und sechs Wochen vorher ist jeden Tag etwas dafür zu erledigen. . Für den Aufbau gibt es eine Kerngruppe von zehn Personen, aber mit allem drum und dran sind das natürlich deutlich mehr. Die Vorbereitung macht meine Freundin Rhea Gutperle mit wenig Unterstützung. Ich hab es da sehr viel einfacher. Ich teile ihr meine ganzen größenwahnsinnigen Ideen mit und sie versucht sie dann umzusetzen.

POLO+10: Was geschieht an Nacharbeit, wenn heute Abend das Finale entschieden ist?
Schneberger: Zuerst mal der Abbau und die Abrechnung. Danach Erholung und Urlaub. Wobei, nächstes Wochenende bin ich auf dem Youpooly -Turnier in Hamburg, aber hier in Münster ist im Endeffekt dann Feierabend für dieses Jahr.

POLO+10: Seit wann spielen Sie Polo und wie kam es dazu?
Schneberger: Seit zwölf Jahren spiele ich Polo. Ich bin schon immer geritten, aber im Endeffekt hat mich mein Cousin Mathieu van Delden, der auch dieses Jahr beim Polopicknick mitreitet, angerufen und gemeint, er habe hier einen Polotrainer, der für drei Freunde einen Polocrashkurs machen sollte. Die waren aber alle verhindert und Mathieu war geschäftlich unterwegs. Also bin ich nach Bad Bentheim gefahren und habe eine Woche mit ihm trainiert. Danach habe ich aber kurzzeitig wieder aufgehört, bin aber oft mit Mathieu zu den Turnieren der englischen Army gefahren. Nicht weil ich Polo so spannend fand, sondern weil mir die Partys so gut gefallen haben. Irgendwann kam es dazu, dass bei einem Turnier ein Spieler im Stau stand und ich provisorisch für ihn eingesprungen bin. Das war es dann. Dann kamen zwei, vier, sechs Pferde und Polo wurde Teil meines Lebens.

POLO+10: Ich habe jetzt schon von vielen Spielern gehört, dass Polo süchtig macht – würden Sie da zustimmen?
Schneberger: Ich glaube, es ist relativ schwierig mit Polo aufzuhören. Es gibt ein Sprichwort: „Beim Polo gibt es zwei Möglichkeiten aufzuhören: entweder du stirbst oder du gehst pleite.“ Wobei pleitegehen häufiger vorkommt.

POLO+10: Ist Münster ein guter Ort, um den Polosport zu etablieren?
Schneberger: Es gibt hier sehr viele Springreiter und allgemein um Münster herum gibt es eine große Pferdesport-Szene. Ingrid Klimke zum Beispiel, Olympiasiegerin im Military, kommt aus Münster – die hat alles gewonnen. Es gibt hier auch viel klassischen Reitsport, aber Polo ist noch nicht richtig vertreten. Der einzige Polospieler aus Münster sitzt gerade hier mit dir auf dem Strohballen.


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