Am 22. und 23. Mai 2010 finden in Stelingen (Garbsen, bei Hannover) auf dem Hof Hornbostel ab 10.00 Uhr die Polocrosse German Open mit sechs deutschen und niederländischen Mannschaften statt.

Polocrosse ist eine Kombination der beiden Sportarten Polo und Lacrosse. Polo kommt aus dem antiken Persien um 600 vor Christi und Lacrosse von den Indianern an der Ostküste der USA, wo sie mit Netzschlägern versuchten, den Ball ins gegnerische Tor zu befördern. In Deutschland gibt es diese internationale Sportart erst seit 2004, wo sie jedes Jahr sehr erfolgreich mehr Anhänger findet. Dr. Gabriele Krzemien startete Polocrosse gemeinsam mit dem Vizepräsidenten des Welt-Polocrosseverbandes Ivor Young mit ersten Trainingseinheiten auf dem Rusthof in Stelingen (www.rusthof.de).

Polo+10 hat mit Katja Banik von der Polocrosse Spielgemeinschaft Garbsen Stelingen über die in Deutschland noch recht junge Sportart gesprochen.


Welches sind die fundamentalsten Unterschiede zum Polo?
Beim Polocrosse darf im Gegensatz zum Polo, wo ein Spieler mehrere Pferde benötigt, nur mit 1 Pferd pro Turnier gespielt werden. Das Spielfeld ist nicht ein großes Feld wie beim Polo, sondern in 3 Abschnitte aufgeteilt, nämlich Mittelfeld und 2 Torräume. Und der größte Unterschied ist, dass der Ball nicht wie beim Polo geschlagen wird, sondern mit einem Netzschläger vom Boden aufgenommen und unter den Teamkollegen zugespielt oder im Netz getragen wird.

Was sind die wichtigsten Regeln im Polocrosse?
Die wichtigsten Regeln beim Polocrosse befassen sich damit, das Spiel für Pferd und Reiter sicher zu gestalten, z.B. ist es regelwidrig in zu kurzem Abstand vor oder hinter einem anderen Spieler (auch Mitspieler) zu kreuzen oder in einem gefährlichen Winkel in einen anderen Spieler reinzureiten, ein sogenanntes „T“ (parallel Reiten „Schulter an Schulter“ und Abdrängen ist erlaubt und sogar wichtiger Bestandteil des Spiels). Hierbei ist zu beachten, dass in der Regel der Spieler, welcher in der Linie des Balls reitet, Vorfahrt hat. Eine weitere wichtige Regel für die Sicherheit ist, dass man nicht abrupt bremsen und drehen darf, wenn man beim Versuch, den Ball vom Boden aufzuheben, danebengegriffen hat, da die Gefahr besteht, dass nachfolgende Reiter dann ungebremst in einen hineinreiten, was bei den teilweise hohen Geschwindigkeiten mehr als gefährlich sein kann.

Die wichtigsten Regeln fürs Spielverständnis sind:
Ein Team besteht aus zwei ‚sections‘ und diese jeweils aus einem Angreifer (Nr. 1), einem Mittelfeldspieler (Nr. 2) und einem Verteidiger (Nr. 3). Nur die Nr. 1 darf vom gegnerischen Torraum aus ein Tor erzielen und nur die gegnerische Nr. 3 darf sich mit dem Angreifer im Torraum aufhalten und versuchen, ihn daran zu hindern. Im Mittelfeld dürfen sich alle Spieler aufhalten. Der Ball darf nicht im Netz über die Torraumlinie getragen werden und muss also entweder der Nr. 1 zugepasst werden, wenn dieser im Torraum ist, oder die Nr. 1 muss den Ball beim Überreiten der Torraumlinie aufprellen (bouncen).

Weitere Regeln, die zu einem Foul und einem Freiwurf für den Gegner führen sind unter anderem das Schlagen auf den Schläger eines Gegners von oben (von unten ist es erlaubt, um zu versuchen, den Ball aus dem Netz des Gegners zu bekommen) und das Führen des Balles im Netz von der ‚stick-side‘ zur ‚non-stick-side‘, also über den Mähnenkamm oder die Kruppe des Pferdes.

Geben Sie bitte einen kurzen Überblick über den typischen Spielverlauf…
Das Spiel ist je ‚section‘ in drei oder, auf internationalem Niveau, vier Chukka‘s zu jeweils sechs oder acht Minuten aufgeteilt. Die beiden ‚sections‘ spielen dabei im Wechsel, sodass jede ‚section‘ nach einem Chukka eine Pause von sechs bzw. acht Minuten erhält.

Start ist das ‚line up‘ in der Mitte an der langen Seite des Spielfelds, bei dem der Schiedsrichter den Ball einwirft. Die beiden gegnerischen ‚sections‘ stehen dabei nebeneinander aufgereiht, vorne die beiden Spieler mit der Nr. 1, in der Mitte die Nr. 2‘en, dahinter die Nr. 3‘en.

Die Spieler versuchen den Ball im ‚line up‘ zu fangen, oder, wenn das nicht gelingt, dem Ball hinterherzureiten und vom Boden aufzuheben. Die Mannschaft, die den Ball erobert, versucht ihre Nr. 1 in Ballbesitz zu bringen um einen Torwurf zu ermöglichen.

Die Tore bestehen jeweils aus zwei Stangen, ähnlich wie beim Polo. Als Tor wird gewertet, wenn der Ball durch die Torstangen hindurch geworfen wird.

Polocrosse ist ein taktisches Spiel, daher sind oft auch ältere Reiter sehr gut, die viel Erfahrung haben.

Gibt es bestimmte Pferderassen, die beim Polocrosse eingesetzt werden?
Grundsätzlich kann das Spiel mit jeder Rasse gespielt werden, ab einem gewissen Niveau werden jedoch schnelle und wendige Pferde eingesetzt. Im Herkunftsland Australien wird auf Australien Stockhorses gespielt. Vollblüter, Quarterhorses und deren Kreuzungen sind allerdings auch sehr gut geeignet.

Welche Eigenschaften und Voraussetzungen sollten Pferd und Reiter idealerweise für das Spiel mitbringen?
Ein Polocrosse Pferd sollte idealerweise schnell, aber auch sehr wendig sein. Dabei ist ein gutes Brems- und Beschleunigungsvermögen wichtiger ist als eine extrem hohe Topgeschwindigkeit. Das Pferd darf keine Scheu an Körperkontakt mit anderen Pferden haben, ideal ist es, wenn es eher Spaß daran hat.
Der Reiter muss ein gutes Ballgefühl mitbringen, gut reiten können und sowohl Kampfgeist als auch Teamgeist besitzen.

Ein Team besteht aus insgesamt sechs Spielern. Jeweils drei Spieler spielen einer Chuckka (Spielzeit) und bilden eine Sektion. Wie ist die Regelung entstanden, dass nach jedem Spielabschnitt die beiden Sektionen eines Teams getauscht werden?
Die Regelung nach jedem Spielabschnitt die Sektionen zu wechseln hat den Zweck, den Pferden eine Erholungspause zu geben, da ein Reiter nur mit 1 Pferd spielen darf.

Was macht den Reiz von Polocrosse aus?
Es ein Teamsport und ein Spiel, das nicht nur im Profisport, sondern auch im Breitensport mit allen Pferderassen stattfinden kann. Viele Pferde wissen schon nach ein paar Trainingseinheiten, worum es geht und laufen in Ballrichtung.

Wie groß und aktiv ist die Polocrosse-Szene in Deutschland?
Die Polocrosse-Szene in Deutschland befindet sich im Moment noch im Aufbau, da der Sport erst seit ca. 5 Jahren in Deutschland gespielt wird. Es gibt bisher ungefähr 30 Spieler, die in drei Clubs in Garbsen-Stelingen, Kananohe und Engensen organisiert sind. Siehe auch: www.polocrosse-verband.de

Welches sind die wichtigsten Turniere?
International am wichtigsten ist der World Cup (alle 4 Jahre, 2011 in England) und die European Challenge, die bisher jährlich in England stattfindet. Dazu kommt dieses Jahr der 4Nations-Cup mit Frankreich, Norwegen, Niederlande und Deutschland in den Niederlanden. In Deutschland haben bisher nur Stelingen und Kananohe nationale Turniere ausgerichtet.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich Polocrosse erlernen will?
An jeden unserer Vereine, wir sind gern bereit bei genügend Interessenten vorbeizukommen und eine Probestunde zu geben. Bei uns ist jeder jederzeit willkommen, wenn er reiten kann und ein eigenes Pferd mitbringt.

Kann ich Polocrosse auch ohne Reitkenntnisse erlernen?
Racketfähigkeiten kann man sehr gut vom Boden aus üben, aber letztendlich muss man reiten können oder lernen, um Polocrosse spielen zu koennen. Es gibt Einzelfälle von Reitanfängern die jetzt erfolgreich Polocrosse spielen.

Ist der Einstieg in den Sport für Polospieler einfacher?
Sicherlich ist der Einstieg einfacher, da Polospieler ein gutes Ballgefühl haben und es gewohnt sind, einhändig schnell und enge Wendungen zu reiten.

Gibt es Verbindungen zum Polosport (z.B. Partnerschaften mit Poloclubs, Polocrosse spielende Polospieler, Freundschaftsspiele zwischen Polospielern und Polocrossespielern etc.)?
Verbindungen zum Polosport sind in Deutschland bisher nicht vorhanden. Grundsätzlich sind wir bestrebt, unsere großartige Sportart, die in Australien auch als „King of the One-Horse Sports“ bezeichnet wird, weiter bekannt zu machen, sodass wir generell offen für alle Kontakte sind.

Woher kommt diese Sportart?
www.polocrosse-stelingen.de unter dem Punkt „das Spiel“

Wie ist die Kombination von Polo und Lacrosse entstanden?
www.polocrosse-stelingen.de unter dem Punkt „das Spiel“


Wer sich weiter über Polocrosse informieren will, für den empfiehlt sich die Lektüre des Buches „Polocrosse. A Practical Guide” der Australierin Amanda Choice. Das Buch ist in Deutschland nicht zu erwerben, einen Link finden Sie hier >> bitte klicken