Ein wohl gehütetes Geheimnis

Immer auf der Hut -Geschmackssache oder Glaubensfrage? Das Thema Hut ist sensibel, fast umstritten. Der Polo-Sport sieht das lockerer.

Hüte und Pferdesport gehören unbedingt zusammen, meinen die einen. Hüte und Pferdesport gehören nur dann zusammen, wenn der Sport Galopprennen heißt, meinen die anderen. Dritte wieder sind sich nicht sicher und eifern dankbar jedem der seltenen Anlässe entgegen, an denen sie ihre liebgewonnene Kopfbedeckung unters Volk bringen, sprich zur Schau stellen können. Eine weitere Gruppierung misst dem Thema einen blanken Sicherheitsgedanken bei. Trägt ebenso löblich wie vorschriftsmäßig großformatige Helme und Schutzkappen aller Couleur ob nun im Sattel des Pferdes, des Zweirades oder bei sonstiger mobiler Betätigung. Tatsache ist: Die Hutfrage entbehrt einer gewissen Logik, hält fern aller Kausalzusammenhänge keinerlei Richtlinien für den User, besser Träger, bereit. Was also tun? Konsens ist nicht in Sicht. Die Hannoveraner fordern in ihrer Pressemitteilung auf: „Jetzt heißt es also: Einen schicken Hut aufsetzen, den Hund anleinen, …und auf nach Maspe“. Der heimisch Zweitbeste Christopher Kirsch (hdc +4) hingegen wird im Handelsblatt mit gegenteiliger Meinung zitiert. Befragt zum Polo-Drumherum sagt er: „Mit Schickimicki hat das nichts zu tun. Im Gegensatz zu anderen Events im Pferdesport gibt es bei uns keine Kleiderordnung. Die Damen dürfen ihre Hüte zu Hause lassen.“ Da bleibt der arglose Polo-Gänger nun wieder mit zahllosen Fragezeichen hinter allen Erwägungen zu „Do’s“ und „Dont*s“ der Garderobe allein. Schließlich ist die Frage der Kopfbedeckung selbst schon eine Tradition. 5.000 Jahre alt ist die Idee, seinen Kopf nicht bar durch die Welt zu tragen. Die Karriere der Damenhüte begann im 18. Jahrhundert in Form einer Haube, die allen verheirateten Frauenzimmern zur Pflicht gemacht wurde – schließlich waren sie jetzt „unter der Haube“. Ja, aber was nun tun beim nächsten Polo-Turnier? Ein so gut gehütetes Geheimnis sollte vielleicht einfach eins bleiben.


Bitte Eintreten

Wer annimmt, dass alle Aktivität beim Polo bei Spielern und Pferden liegt, der irrt gewaltig. Schon in der nächsten Spielpause heißt es wieder: „Tritt-In“!

Nicht nur von Pferden und Reitern , auch von den Zuschauern wird beim Polo höchster Einsatz erwartet: So strömt die ganze bunte Schar in den Spielpausen wieder und wieder auf den grünen Platz zum traditionellen „Tritt-In“ oder auch „Eintreten“. Dabei sollen die von den Pferdehufen und Spielerschlägern herausgerissenen Rasenstücke mit den Schuhspitzen wieder an ihren rechtmäßigen Platz geschoben und dort mit ganzem Körpergewicht fixiert werden: Der zerfurchte Rasen wird wieder eben getreten, – oder eben auch einfach platt getrampelt. Und so schreitet Herr mit großen Schritten, während Dame mit Pumps hinterdrein trippelt und aufpasst, dass sie mit ihren Absätzen nicht noch tiefere Löcher in den Rasen reißt. Aber nicht nur die Zuschauer sind eingespannt, den Rasen zu „reparieren“. In den Poloregeln vom Deutschen Poloverband ist unter Abschnitt „7. Der Torrichter“, Unterabschnitt „j“ zu lesen: „Er kann sich nützlich machen durch Eintreten herausgerissener Grasnarben vor seinem Torbereich (…).“ Doch weniger das Ebnen des Platzes als vielmehr ganz andere Beweggründe liegen dem begeis-terten Rasentreten zugrunde: Den echten Fan zieht es natürlich auf das Pologrün, um einmal den Ort des Geschehens aus Perspektive des Spielers – oder auch des Pferdes – zu betrachten, um einmal den Hauch einer Ahnung von der Atmosphäre auf dem Spielfeld zu bekommen. Außerdem kann man hier auf dem Platz seine Stars, Pferd oder Reiter, hautnah erleben, einmal einen Polostick in der Hand halten oder einmal dem gefleckten Schimmel mit rosa Maul über die Nase streicheln. Und welche Glückseligkeit ist es dann, sogar einen Poloball zu finden, der dem scharfen Auge des Schiedsrichters entgangen ist. Teil der Motivation ist aber fraglos auch das über den Rasen Flanieren und zur Schau tragen der Hüte und Kleider. Auch mit Champagnerglas in der Hand.


Das Polo-Outfit (I) – der Spieler

Wenn die Polospieler in dreckigen, ehemals weißen Hosen ans Buffet treten, fragt sich der eine oder andere: warum? Warum ausgerechnet weiße Hosen?

Ganz einfach: Den Herren – manchmal auch Damen – in weißen Jeans ruft man ein „Viel Glück!“ zu, denen mit dreckigen Hosen ein „Gut ge­spielt!“ Der Deutsche Polo Verband meint zum Ausrüstungspunkt „Hose“: „Klassisch ist eine weiße Jeans.“ – Streng genommen klassisch sind allerdings keine weißen Jeans, sondern die so genannten „white breeches“. Das sind oberschenkelweite Ho­sen, die schon immer beim Pferdesport getragen wurden – oben weit, unten eng, so dass sie leicht in die Reitstiefel passen. Schon auf Bildern aus der Kolonialzeit sieht man Iren und Engländer in weißen Hosen Polo spielen. Nur der Schnitt und der Stoff haben sich im Laufe der Zeit geändert. Heute üblich – aber nicht vorgeschrieben – ist Jeansstoff. Denn das stabile denim cotton ist sehr strapazierfähig. Doch zur klassischen Poloausrüstung gehörte noch mehr: Neben den weiten weißen Reithosen, zählten auch der Bombay Bowler, ein Tropenhelm, sowie naturbraune Lederstiefel zur Ausstaffierung. Und hier liegt das Besondere: Denn Polo ist der einzige Turniersport, bei dem braune, naturfarbene Lederstiefel getragen werden. Der Grund liegt auf der Hand: So soll verhindert werden, dass man dem Gegner beim Abreiten die schwarze Schuhcreme in die weiße Hose schmiert. Bei anderen Pferdesportarten können bedenkenlos schwarze Stiefel getragen werden, denn Kontakt mit anderen Reitern ist hier nicht üblich. Der Reißverschluss an den meisten Stiefeln hat dabei einen äußerst praktischen Aspekt – denn „Umkleidekabinen“ gibt es auf Polofeldern nicht. Die Spieler kommen in weißen Jeans und bequemen Schuhen zum Turnier und steigen kurz vor dem Spiel in ihre Reitstiefel. Nach dem Spiel können sie die unbequemen Stiefel wieder gegen ihre Schuhe eintauschen. Fertig.


Das Polo-Outfit (II) – Der Zuschauer

Die bunte Mischung macht’s. Das scheint auch beim Polopublikum die Devise zu sein. Sonja Baum zu den Do’s und Dont’s auf dem Pologreen.

Ein lauer Augustnachmittag, weiße Wölkchen ziehen vereinzelt über das Polofeld in Keitum, ein milder Wind weht vom Land her. Aber: Ganz plötzlich türmen sich die weißen Wölkchen zu schwarzen Wolkenbergen auf – der Landwind wird zur steifen Brise. Kurz: Der Polobesucher auf Sylt hat ein Problem. Sein Outfit muss nicht nur polo-, sondern auch sylttauglich sein. Lässt man die Sylter Eigenarten jedoch hinter sich und kehrt zurück aufs Festland, macht die Grundausstattung des Zuschauers eigentlich wenig Probleme: Sportlich-lässig bis très chick – so ziemlich alles scheint erlaubt. Polo-Shirt, Spaghetti-Top, luftiges Kleidchen, Kostüm und heller Sommeranzug, mit oder ohne Krawatte – Herr und Dame geben einen bunten Reigen ab. Gar nichts falsch machen kann man mit einem La-Martina-Shirt, ganz Polospieler-like. Die Hemden aus Argentinien gibt es mit der Lieblings-Spielernummer darauf, oder aber auch mit der Lieblingsmannschaft. Da bekommt das Anfeuern gleich einen viel größeren Nachdruck. (Den besten Look haben übrigens die blau-schwarzen POLO+10-La-Martina-Shirts …) Die Auswahl der Schuhe ergibt sich automatisch. Auf keinen Fall darf dabei jedoch Rücksicht genommen werden auf das Eintreten des Rasens. Dies wäre sicher in richtigen Boots effektvoller, sieht in Pumps oder Sandaletten mit Pfennigabsatz jedoch weitaus eleganter aus. Und das richtige Polo-Eintret-Feeling ergibt sich erst beim Stöckeln über den grünen Rasen. Die Frage, ob Hut oder nicht – da scheiden sich die Geister. Traditionell gesehen gehört der Hut dazu. Nur fest auf demKopf sitzen sollte er. Wegen des Inselwinds. Wetter- und windtauglich wird das Damen-Outfit aber vor allem durch Pashmina-Schals. Generell gilt: Mehrere Schichten an Tops, Pullovern und Jacken halten auf jeden Fall das Gröbste ab. Auch Barbour-Jacken wurden sogar im Hochsommer schon gesichtet. Beim Polo auf Sylt.