POLO+10 Interview mit Pascual Sianz de Vicuña (+6), bester Polospieler Spaniens, der im Poloclub Dos Lunas in Sotogrande zu Hause ist.

Interview: Klarina Pichler

POLO+10: Pascual, seit wann habt ihr den Poloclub Dos Lunas, was ist die Idee dahinter und wie entstand der Name?
Pascual Sianz de Vicuña: Meine Eltern haben den Club 2004 gekauft und erfüllten sich damit einen Traum. Dos Lunas ist ein Dressur- und Polozentrum. Meine Mutter Anunciada ist seit ihrer Kindheit pferdebegeistert, sie lebt nun das ganze Jahr in Sotogrande und hat den Dressurpart übernommen.

Der Polopart beherbergt während der Polosaison in Sotogrande neben unserem Team Dos Lunas noch drei andere High Goal-Teams. Dieses Jahr sind Las Monjitas, RH und Lechuza Caracas bei uns. Das wirklich besondere in Dos Lunas ist, dass jedes Team absolut ungestört von dem anderen ist. Jeder hat seine eigenen Stallungen und Pistas.

Aber ich muss auch dazusagen, dass wir sehr familiär miteinander sind und alle sich sehr gut verstehen. Wir profitieren natürlich auch davon, miteinander High Goal-Übungsmatches zu spielen. Derzeit planen wir ein drittes Polofeld sowie einen weiteren Stalltrakt für ein fünftes Poloteam. Der Name Dos Lunas kommt von unseren Familienwappen, welches zwei Monde zeigt.

POLO+10: Hast du Geschwister?
Pascual: Ja, ich habe zwei größere Schwestern. Eine meiner Schwestern ist mit meinem Teamkollegen Martin Iturraspe verheiratet (Pascual lacht) Zum Glück habe ich keine Brüder, denn ansonsten würde ich mich sicher immer um die besten Pferde streiten müssen!

POLO+10: Erzähl mir von deiner Polokarriere, wann begann sie? Und wie kamst du eigentlich zum Polo?
Pascual: Als ich 15 Jahre alt war besuchte ich meine Cousins in Argentinien, dort habe ich zum ersten Mal Polo gespielt und es hat mir riesig Spaß gemacht. Wieder zu Hause in Madrid ging ich in Eigenregie immer zum Poloclub Puerta de Hierrro, welcher gleich um die Ecke unseres Hauses lag. Schon nach einem Jahr hatte ich ein Handicap von +1 Goals, und das war auch zu der Zeit, als meine Eltern auf mein neues Hobby aufmerksam wurden.

POLO+10: Wie ging es dann weiter? Wie war der Aufstieg deiner Handicaps? Und seit wann wusstest du, dass du professionell Polospielen möchtest?
Pascual: Eigentlich war es immer ein Traum, aber richtig entschieden habe ich mich mit 18, als ich ein Handicap von +3 Goals hatte. Ich begann aber trotzdem außerdem noch ein Publizistikstudium. Mit 21 erreichte ich ein Handicap von +4 Goals, der Anstieg von +4 auf +5 war etwas schwierig, das schaffte ich mit 23. Und seit ich 25 bin spiele ich ein Handicap von +6 Goals.

POLO+10: Wohin soll deine Karriere noch gehen?
Pascual: Mein Ziel und mein Traum ist es, die Argentine Open in Palermo zu spielen.

POLO+10: Welches war dein erstes Turnier?
Pascual: Es war hier in Sotogrande, ich spielte mit 15 im Low Goal-Bereich des International Polo Tournament, und wir gewannen die Copa de Bronze und die Copa de Plata.

POLO+10: Du spielst also schon 12 Jahre in Sotogrande?
Pascual: Ja, genau, das erst Jahr spielte ich im Low Goal und seitdem immer im High Goal.

POLO+10: Wie sieht dein Tagesablauf in Sotogrande aus?
Pascual: Die Tage enden hier recht spät, da es tagsüber einfach sehr heiß ist. Aus dem Grund beginne ich den Tag meist gemütlich um 10 Uhr, gehe erst mal im Meer schwimmen, esse ein spätes Mittagessen und dann ab zum Polo.

POLO+10: Was steht bei dir vor einem Spiel auf dem Speiseplan?
Pascual: Am Abend zuvor meist Fleisch, gute Proteine und am Spieltag Pasta!

POLO+10: Welches ist dein Lieblingsturnier?
Pascual: La Cámara de Diputados.

POLO+10: Wer ist dein Idol?
Pascual: Gonzalito Pieres!

POLO+10: Wie ist dein Jahr polotechnisch gesehen aufgeteilt?
Pascual: Mehr oder weniger 6 Monate in Spanien und 6 Monate in Argentinien.
In Argentinien bin ich bei meinem Onkel in “LA ESQUINA”. So heißt auch unser Team. Im Januar widme ich mich weniger dem Polo und gehe meist mit meiner Familie und Freunden zum Skifahren.

POLO+10: Was ist das für ein Gefühl für einen Polospieler, wenn man Strafschüsse ausführt?
Pascual: Man ist absolut konzentriert. An manchen Tagen hat man Lust die Bälle zu schlagen und weiß, dass man trifft. Und an anderen Tagen denke ich, oh Gott, wie weit ist denn das Tor entfernt!

POLO+10: Gab es einen Wandel im Polo seit du begonnen hast zu spielen?
Pascual: Absolut. Das Spiel ist enger geworden, früher war es offener. Außerdem sind die Teams heute professioneller organisiert und die Rivalität ist gestiegen. Früher gingen stets alle Teams auf dieselben Partys. Man hat immer gemeinsam gefeiert.

POLO+10: Was war der bisher beste Moment für dich im Polo?
Pascual: Das war als wir 2009 die Copa de Oro mit Gonzalito Pieres gewannen und 2013 das Turnier Republica Argentina.

POLO+10: Was war der schlimmste Moment für dich im Polo?
Pascual: 2013 waren wir in Finale beim legendären Turnier “La Cámara de Diputados”. Im Extrachukker haben wir verloren. Hätten wir gewonnen, hätte ich heute bereits ein Handicap von +7 Goals.

POLO+10: Ihr züchtet auch Polopferde in Spanien und Argentinien, ist das deine Leidenschaft?
Pascual: Die Pferdezucht ist eine Leidenschaft, ja. Unsere Zuchtorganisation hat ihren Schwerpunkt in Argentinien, dort ziehen wir 20 Fohlen pro Jahr groß. Wir machen Embryotransfers. Wir suchen unsere Stuten aus, und im Katalog wählen wir für jede Stute den dazupassenden Hengst. Das ist ein sehr kreativer Prozess.

POLO+10: Wie heißt deine beste Stute?
Pascual: In Argentinien ist es Salsa und hier in Spanien ist es Marucha.

POLO+10: Was bedeutet Marucha?
Pascual: Tratschtante! Haha!

POLO+10: Wer ist deine größte Stütze im Polo?
Pascual: Ohne Zweifel, mein Vater.

POLO+10: Wer organisiert das Team Dos Lunas?
Pascual: Mein Schwager Martin Iturraspe, mein Vater Alvaro Sainz de Vicuña, mein Großonkel Nacho Domecq und ich.

POLO+10: Was ist euer Teamgeist und was macht euch beim Publikum so beliebt?
Pascual: Kämpfen! Ich glaube gerade eben unser Kampfgeist und unsere familiäre Atmosphäre ist es, was uns beim Publikum beliebt macht.

POLO+10: Wann beginnen die Vorbereitungen für Sotogrande?
Pascual: Mitte Mai beginnen die Pferde mit Schritttraining für etwa 40 Tage. Es ist besonders wichtig die Pferde langsam an die bevorstehende anstrengende Saison heranzuführen. Ich beginne sie dann Mitte Juli zu spielen.

POLO+10: In diesem Jahr hat Dos Lunas seine Stärke im Finalspiel Copa de Plata gegen Valiente, Cabiasos Team, bewiesen. Ihr hattet zu Beginn des letzten Chukkers Gleichstand der Tore und habt leider 11:13 verloren, als Adolfito nochmals seine schnellsten Pferde herausholte. Was ist das Geheimnis eures Erfolges? Und woran seid ihr gescheitert?
Pascual: Wir stehen im Team absolut füreinander ein. Das heißt, wenn einer am Ball ist arbeiten alle für ihn, um ihm den Weg freizuräumen oder ihm Rückendeckung zu geben. Der große Unterschied ist das wir pro Spieler etwa sieben Pferde hatten und Valiente 20 und mehr.

POLO+10: Nur noch ein paar kleine Fragen zu dir: Wann hast du Geburtstag?
Pascual: 25.09., geboren wurde ich 1986.

POLO+10: Beschreibe dich mit 3 Worten:
Pascual: Großzügig, ruhig, Idealist.

POLO+10: Wenn du ein Tier wärst, was wärst du?
Pascual: Ein Pferd.

POLO+10: Hast du eine Freundin?
Pascual: …nein.

POLO+10: Was ist dein Lieblingsessen?
Pascual: Asado!

POLO+10: Was war eine Verrücktheit, die du im Leben gemacht hast?
Pascual: (lacht) Verrücktheiten macht man, aber man erzählt sie nicht!

POLO+10: Welche Musik hörst du?
Pascual: Rock

POLO+10: Welcher Film gefällt dir?
Pascual: Die Thomas Crown Affäre

POLO+10: Welches wäre dein nächstes Wunschreiseziel?
Pascual: Kalifornien

POLO+10: Was ist eine Sache, die du im Leben machen möchtest?
Pascual: Ich möchte im Alter sagen können, es gab nichts, was ich gerne getan hätte und nicht gemacht habe!

POLO+10: Ok, das war’s schon! Es war mir eine Freude, dich kennenzulernen!
Pascual: Danke für das Interview, es hat Spaß gemacht!