Text: John Jackson

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten, außer vielleicht dem Pferderennen, tauchen die Meister des Polosports niemals einfach so aus dem Nichts auf der Bildfläche auf. Davor steht in der Regel eine lange Kette von Ereignissen. Ein wirklich guter Polospieler benötigt nicht nur Talent und Engagement, sondern auch Pferde einer bestimmten Qualität, damit er es an die Spitze schafft. Er braucht Mentoren und immer wieder die Gelegenheit, auf stetig höherem Level zu spielen. Es hilft, wenn ihn die Familie dabei unterstützt, und vor allem braucht er eine Organisation. Pablo Mac Donough hat all das gehabt.

Pablo ist, wie die meisten Top-Polospieler, Argentinier. Am 21. Februar 1982 im Tierkreiszeichen der Fische in Pehuajo in der Provinz Buenos Aires geboren, blickt er auf vier Generationen irischer Vorfahren zurück. Sein Urgroßvater, James Mac Donough, stammte aus der Grafschaft Sligo und kam 1865 nach Argentinien. Er heiratete Jane Watson aus der Grafschaft Clare. Sie ließen sich in der Pampa nieder, wo sich James als äußerst fähiger Gaucho erwies, der bald „Don Santiago“ genannt wurde. Zunächst war er Estancia-Verwalter, bis er genug Land erwarb, um selbst Pferde zu halten.

Pablos Großmutter Laura Garrahan heiratete in den Mac-Donough-Clan hinein. Dabei vereinigten sich die Mac Donoughs mit einer Familie mit ausgeprägtem Polohintergrund: Lauras Bruder war der berühmte Tomás Antonio Garrahan, besser bekannt als „Tommy“. Er war ebenfalls ein sehr erfolgreicher Polospieler und erreichte ein Handicap von +7. Tommy war Gründungsmitglied des 1938 in der Nähe von Abbott auf der Estancia „New Home“ gegründeten Polo Clubs La Espadaña. Seither haben Tommys Familie und seine Nachkommen großen Einfluss auf den Polosport ausgeübt. Die Söhne seiner Schwester, Gonzalo und Alphonso, sind beide 10-Goaler und haben für La Espadaña gespielt, eine der besten Polomannschaften der 1980er Jahre. Tommys Sohn Alex gewann mit Indios Chapaleufú die Argentine Open und erreichte ein Handicap von +9. Das Vermächtnis der Garrahans ist so allgegenwärtig, dass vor ein paar Jahren ein Familienturnier stattfand (die sogenannte Copa Garrahan), bei dem zehn Mannschaften mit Teamhandicaps von +17 teilnahmen, die ausschließlich aus Blutsverwandten bestanden. Pablo nahm an diesem Turnier genauso teil wie sein älterer Bruder Matías.

Pablo begann mit dem Polospielen im Trainingszentrum „Nueva Escocia“ („Neuschottland“) in seiner Heimatstadt Pehuajo unter der Schirmherrschaft des ehemaligen 10-Goalers Eduardo „Gordo“ Moore, der sich in England als Spieler und Trainer hervortat – und als Pferdezüchter. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Als Teil des Nueva-Escocia-Teams gewann Pablo den begehrten Potrillos Cup. Dieses Turnier findet jeden Dezember im Club de Polo Los Indios de San Miguel in Buenos Aires statt und ist das weltweit prestigeträchtigste Turnier für unter 14-Jährige.

Pablos unaufhaltsame Karriere ging weiter. Er gewann mit seinem Team „La Irenita“ im Jahr 2001 den Chamber of Deputies Cup. Diesem Team schlossen sich sein Bruder Matías, Martín Garrahan (Alex’ Sohn und Tommys Enkel) und Gonzalo von Wernich an.

2003 schlossen sich die Brüder Mac Donough und ihre Cousins Gonzalito und Facundo (die Söhne von Gonzalo) zum neuen Team Ellerstina zusammen. Das ursprüngliche Ellerstina-Team wurde von Gonzalo Pieres ins Leben gerufen, mit Mariano Aguerre und Adolfo Cambiaso, zwei Newcomern der 1990er Jahre. Das erste Team gewann 1994, 1997 und 1998 die Argentine Open. Jetzt traten mit Ellerstina zwei junge und mutige Brüderpaare auf den Plan, die den ewigen Favoriten La Dolfina herausforderten. 2005 erreichte Ellerstina das Finale der Argentine Open, und 2007 gelang ihnen das noch einmal. Pablos Handicap stieg in jenem Jahr auf +10. Dadurch wurde die Mannschaft zu einem 39-Goal Team – Gonzalo und Facundo waren bereits seit 2005 10-Goaler. 2008 ersetzte Ellerstina Matías Mac Donough durch Juan Martín Nero (+9), und endlich gelang es dem Team, die Argentine Open zu gewinnen. Im Jahr 2010 wiederholten sie diesen Erfolg als 40-Goal Team, denn inzwischen war auch Juan Martín Nero in die 10-Goal Liga aufgestiegen.

Im Jahr 2011 gab es in der Welt des Polo eine große Veränderung: Adolfo Cambiaso entließ Lucas Monteverde und seinen Schwager Bartolomé Castignolo und lud Pablo Mac Donough und Juan Martín Nero ein, fürs La Dolfina Team zu spielen. Ellerstina rekrutierte im Gegenzug den dritten Pieres-Bruder, Nicolás. Dadurch schuf Cambiaso eine Mannschaft mit einem Handicap von +39, mit dem 9-Goaler David Sterling, und die Mannschaft bewies schnell, was sie wert war: La Dolfina gewann die Argentine Open 2011. Im folgenden Jahr überraschte Ellerstina das Team im Finale der Argentine Open, aber das Jahr 2013 gehörte ganz und gar La Dolfina, das alle drei großen argentinischen Turniere gewann und sich damit die Triple Crown holte.

Im Alter von 32 Jahren ist Pablo spielerisch noch immer auf dem Höhepunkt. Er hat fast alle wichtigen Polomeisterschaften gewonnen. In Argentinien war er viermal im Siegerteam der Argentine Open, zweimal mit Ellerstina und zweimal mit La Dolfina. In Argentinien gewann er in Tortugas und Hurlingham, die Camara de Diputados und die Jockey Club Open; in England gewann er die British Open und den Queen’s Cup, in Spanien holte er sich den Gold Cup und den Silver Cup in Sotogrande und in den USA den C.V. Whitney Cup.

Aber all diese Auszeichnungen zeigen nicht, wie viel Arbeit hinter den Kulissen geleistet wurde und wie viel Unterstützung Pablo erfahren hat. In diesem Sport spielen Pferde eine entscheidende Rolle, und Pablo nutzt das Zuchtprogramm seines Vaters Jorge in La Irenita. Jorge ist ein Tierarzt, der früher selbst Polo gespielt hat. Seine Estancia ist für die Top-Qualität ihrer Poloponys bekannt und für ihr Programm zum Einpflanzen von Embryos. In Argentinien hat die Familie im Leben der Menschen höchste Priorität. Pablos Bruder Matías spielt noch immer auf dem höchstem Level, Pablos Frau sieht man bei den Poloturnieren oft an seiner Seite. Das Polospiel liegt der Familie Mac Donough einfach im Blut – und Pablo ist ihr größter Star. Das beweist einmal mehr, dass bei Top-Polospielern – von wenigen Ausnahmen abgesehen – der Stammbaum ein wesentlicher Faktor ist.