Das Berliner Maifeld, eines der renommiertesten und eindrucksvollsten Spielfelder weltweit, blickt auf eine lange Polotradition zurück. Seit 2010 finden auf dem 112.000 Quadratmeter großen Areal die Deutschen Polo Meisterschaften im High Goal statt. Bereits 1936 diente das Maifeld mit Platz für über 50.000 Zuschauer auf den Tribünen als Veranstaltungsort für die Polo-Matches bei den Olympischen Sommerspielen in Berlin.

Text: Vicky Fenner

Am 13. Mai 1931 gab der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Graf Baillet-Latour, offiziell bekannt, dass die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin stattfinden. Die Spiele wurden am 1. August 1936 eröffnet, 52 Länder nahmen daran teil. Zu den olympischen Disziplinen gehörte auch Polo – zum letzten Mal in der Geschichte des Sports. Schauplatz der Wettkämpfe war das Maifeld, das außerdem auch für die Dressur-Entscheidungen und für Gymnastik-Vorführungen der Berliner Schulen genutzt wurde. Insgesamt war Polo zwischen 1900 und 1936 fünfmal olympische Disziplin: 1900 und 1924 in Paris, 1908 in London, 1920 in Antwerpen und 1936 in Berlin.

Ursprünglich hatten sich sieben Länder für die Polospiele auf dem Maifeld angemeldet, doch die USA und Indien zogen ihre Teilnahme zurück. Und so kämpften Deutschland, Großbritannien, Argentinien, Mexiko und Ungarn um die begehrten Olympia-Medaillen. Die Polospiele begannen am 3. August 1936. Bis zum 7. August fand jeden Tag ein Spiel statt. Die Unterschiede zwischen den Teamhandicaps der fünf Mannschaften waren enorm. Daher wurde entschieden, dass Argentinien, Mexiko und Großbritannien im Round-Robin-System um die Gold- und Silbermedaille spielen. Der Drittplatzierte dieser Gruppe trat dann gegen den Gewinner des Spiels Deutschland vs. Ungarn im Kampf um die Bronze-Medaille an. Argentinien hatte ein hervorragendes Team mit einem Gesamthandicap von +27. Großbritannien hingegen musste auf drei seiner besten Spieler verzichten, die nach ihrem kurz zuvor errungenen Sieg gegen die USA beim Westchester Cup 1936 verhindert waren, mit nach Berlin zu reisen. Die Spieler der deutschen Mannschaft kamen alle aus Hamburg. Als Schiedsrichter sorgten Oberst Jack Gannon (England), Prinz R. Kinsky (Österreich), W. Grisar (Belgien) und G. van Mallinckrodt (Deutschland) im Wechsel für faire Chukker.

Das Auftaktmatch bestritten Großbritannien und Mexiko (13:11). Danach folgten die Begegnungen zwischen den Mannschaften aus Deutschland und Ungarn (8:8) sowie Mexiko und Argentinien (5:15). Nach dem überwältigenden Sieg von Argentinien überkam den britischen Schiedsrichter Jack Gannon ein wenig die Angst vor der Begegnung mit den Engländern: „Die Argentinier trafen alle gut den Ball und waren so hervorragend beritten, dass ich ein bisschen zittern musste bei dem Gedanken daran, was passieren wird, wenn sie gegen England spielen.“ Gespielt wurden je sieben Chukker. Da das Spiel Deutschland vs. Ungarn auch nach einem Extra-Chukker mit einem Unentschieden endete, mussten die Teams ein zweites Mal gegeneinander antreten. Diesmal war die Entscheidung eindeutiger. Mit 16:6 sicherte sich Ungarn den Sieg und damit die Chance auf die Bronze-Medaille. Doch Mexiko machte im Spiel um Platz 3 die ungarischen Medaillenhoffnungen zunichte und fegte Ungarn mit 12:2 vom Platz. Das Finale zwischen Großbritannien und Argentinien fand am Sonntag, 7. August, statt. Das Interesse an den Polospielen übertraf alle Erwartungen. Die Matches waren so populär, dass Polo die beliebteste Sportart dieser Olympischen Spiele war. Allein am Finaltag versammelten sich über 50.000 Zuschauer auf dem Maifeld, um beim Endspiel dabei zu sein. Diese Olympiade war übrigens die erste, die im Fernsehen übertragen wurde. Damit alle Hauptstädter die Wettkämpfe kostenfrei verfolgen konnten, wurden im Großraum Berlin 25 Vorführräume eingerichtet.

Das Finale zwischen dem dreimaligen Polo-Olympiasieger Großbritannien (1900, 1908 und 1920) und Argentinien endete mit einem Endstand von 11:0 für die Südamerikaner, die damit ihre Goldmedaille aus dem Jahr 1924 erfolgreich verteidigten. Die Argentinier hatten rasend schnelle Pferde dabei und spielten als Team so gut zusammen, dass selbst eine so starke Mannschaft wie die Engländer es nicht schafften, auf ihren Kavalleriepferden auch nur ein einziges Tor zu schießen. Wie alle Olympischen Goldmedaillengewinner 1936 wurde auch den argentinischen Polospielern ein Setzling einer Eiche aus dem Schwarzwald überreicht. Auf Empfehlung von Jack Nelson, argentinischer Polospieler und Olympiasieger 1924, wurde dieser Setzling zwischen die zwei Hauptspielfelder in Palermo, Buenos Aires gepflanzt. Diese Eiche steht dort immer noch und erinnert zusammen mit einer Gedenktafel an den großartigen Triumph des argentinischen Poloteams bei der Olympiade 1936 in Berlin.

Die Polospiele in Berlin waren ein riesiger Werbeerfolg für den Sport. Allerdings sorgte der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs dafür, dass Polo in Deutschland und den anderen europäischen Ländern ein jähes Ende fand. Lange Zeit blieb das Maifeld als Pololocation ungenutzt, doch 1975 kehrte der Polosport an diese historische Stätte zurück: Das in Spandau stationierte Kavallerieschwadron der britischen Infanterie-Brigade organisierte dort ein Turnier, das fortan jährlich wiederholt wurde. Ursprünglich war das Event nur für britische Soldaten gedacht, die in Deutschland stationiert waren, aber schon bald wurden auch andere Teams zugelassen. Das letzte Turnier dieser Art fand 1991 statt, da die Alliierten nach der Wiedervereinigung die Stadt verließen. Zu den Polo-Highlights auf dem Maifeld zählt auch die 2. Poloweltmeisterschaft, die im Jahr 1989 auf dem Gelände vor dem Olympiastadion ausgespielt wurde. Argentinien, Australien, Chile, England, Frankreich, Deutschland und die Schweiz nahmen teil. Erstaunlicherweise gelang es Argentinien diesmal nicht, das Finale zu erreichen. Eine sehr talentierte Mannschaft aus den USA gewann das Endspiel gegen England mit 7:6. Bis zum Jahr 2000 wurde das Maifeld für Poloturniere genutzt. Danach fanden dort ausschließlich andere Veranstaltungen statt.

Im Jahr 2010 kehrte der Polosport nach zehnjähriger Pause endlich wieder an diesen traditionsreichen Ort zurück. Nach vielen langen Gesprächen mit dem Berliner Senat hat es die Berliner Familie Gädeke geschafft, dass Polo wieder auf diesem prestigeträchtigen Feld gespielt werden kann. 2010 wurde die Deutsche Polo Meisterschaft im High Goal zum ersten Mal auf dem Berliner Maifeld ausgetragen – und alle waren begeistert. Seitdem finden die Titelkämpfe in der höchsten deutschen Spielklasse jedes Jahr hier statt. Längst hat sich das Turnier zu einem der beliebtesten Poloevents Deutschlands entwickelt. Im vergangenen Jahr unterstützten rund 20.000 Zuschauer die zehn Teams und auch dieses Jahr erwarten die Veranstalter wieder tausende interessierte Besucher.


Die fünf Poloteams der Olympischen Sommerspiele 1936:

Argentinien
Luis Duggan
Roberto Cavanagh
Andrés Gazzotti
Manuel Andrada

Deutschland
Heinrich Amsinck
Walter Bartram
Robert Miles Reincke
Arthur Koeser

Großbritannien
Bryan Fowler
William Hinde
David Dawnay
Humphrey Guinness

Ungarn
Tivadar Dienes-Oehm
Imre Szentpály
Dezso Kovács
Kálmán Bartalis
István Bethlen

Mexiko
Juan García Zazueta
Antonio Nava Castillo
Julio Müller Luján
Alberto Ramos Sesma

Die Platzierungen
Gold: Argentinien
Silber: Großbritannien
Bronze: Mexiko
4. Platz: Ungarn
5. Platz: Deutschland