Lukas „Löckchen“ Sdrenka ist mit erst 14 Jahren einer der vielversprechendsten und erfolgreichsten Nachwuchsspieler der deutschen Poloszene. In seinem ersten Interview berichtet der talentierte Newcomer aus Hamburg und Schüler von Thomas Winter, warum es für ihn „nichts anderes als Polo“ gibt.


Wann und wie bist Du zum Polosport gekommen?
Das war eher ein glücklicher Zufall. Eine Freundin meiner Mutter hatte gehört, dass ich gerne regelmäßig reiten würde und sie hat mich dann in das Hamburger Pologestüt mitgenommen. Ich habe dort reiten gelernt und war manchmal jeden Nachmittag im Stall. Da war ich gerade 10 Jahre alt. Ein Jahr später fand das erste Polo-Jugend-Camp in Hamburg statt und ich habe bei meinen Eltern so lange gebettelt, bis sie mir erlaubt haben, dort teilzunehmen. Seitdem gibt es für mich nichts anderes als Polo.

Was begeistert Dich daran besonders?
Ich mag die Zusammenarbeit mit den Pferden. Jedes Pferd hat seinen eigenen Charakter. Es macht unheimlich viel Spaß, mit den verschiedenen Pferden zu arbeiten. Das Teamplay ist mir auch sehr wichtig. Man kann noch so gut Polo spielen – wenn eine Mannschaft nicht zusammen findet, hat man als einzelner Spieler kaum eine Chance, ein Spiel zu gewinnen. Die Geschwindigkeit während des Spiels finde ich auch aufregend und das schnelle Umdenken bei den Spielzügen macht mir Spaß, man muss immer voll konzentriert sein und immer mitdenken.

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Hast Du eigene Pferde?
Ja, ich habe drei Pferde zusammen mit meinem Vater, der auch angefangen hat, Polo zu spielen.

Was ist das Wichtigste, das Du von Thomas Winter gelernt hast?
Thomas hat mir ganz viel beigebracht, eigentlich alles, was ich über Polo weiß. Wichtig ist für mich immer Fair Play, damit weder den Pferden noch den Spielern etwas passiert. Die Arbeit mit den Pferden ist mir aber auch sehr wichtig. Zum Beispiel zu erkennen, ob die Pferde fit und gesund sind, oder ob ein Pferd nicht okay ist. Gelernt habe ich auch, dass man immer Spaß beim Polospielen haben sollte. Gewinnen ist nicht das Wichtigste, dabei sein zu dürfen ist für mich schon immer etwas ganz Besonderes. Auch diese Dinge hat mir Thomas immer wieder eingeprägt.

Was ist Dir am Anfang am schwersten gefallen?
Reiten war für mich eigentlich schon immer kein Problem. Nur schöne, lange und genaue Schläge habe ich am Anfang kaum hin bekommen. Da hilft eben nur täglich üben….

Und was würdest Du sagen, sind heute Deine besonderen Stärken beim Polo?
Ich weiß gar nicht, ob ich schon besondere Stärken habe. Ich glaube, dass ich die Regeln im Polo ganz gut beherrsche und deswegen wenige Fouls mache. Abreiten, am Mann bleiben und ganz brauchbare Pässe schlagen, gelingt mir auch schon ganz gut.

Wie findest Du die Community und die Atmosphäre auf den Poloturnieren, wo Du gespielt hast?
Obwohl ich oft der jüngste Spieler bei einem Turnier bin, sind immer alle Mitspieler super nett zu mir. Es ist sehr aufregend, wenn viele Zuschauer mir beim Polo zusehen. Aber es macht mich natürlich auch immer stolz, wenn ich ein gutes Spiel gemacht habe. Manchmal habe ich das Gefühl, beim Polo ein Teil einer großen Familie zu sein. Das ist schon eine tolle Sache.

Ihr habt ja Beach Polo auf Sylt gewonnen. Spielst Du gerne auf Sand?
Ich war vor dem ersten Chucker total aufgeregt weil ich überhaupt nicht wusste, was auf mich zukommt. Aber es war einfach toll! Man muss sehr genau mit seinem Teampartner zusammenspielen und weil der Beach Polo Ball ja viel größer als der normale Polo Ball ist, trifft man den Ball viel öfter in der Luft, das war echt super.

Ist es schwierig, Schule und Sport unter einen Hut zu kriegen? Wie machst Du das?
Ich gehe auf eine Ganztagsschule, die erst um 9.00 Uhr beginnt. So kann ich morgens vor dem Unterricht noch etwas lernen. Um 16.00 Uhr ist Schulschluss und wir bekommen dann keine Hausaufgaben mehr auf. Deswegen kann ich sofort in den Stall fahren. An den Wochenenden muss ich dann für Klausuren lernen, bevor ich zu meinen Pferden kann. Noch klappt das alles ganz gut.

Welches waren bis jetzt die Erfolge, über die Du Dich am meisten gefreut hast?
Mit Thomas beim Beach Polo World Cup auf Sylt zu gewinnen, war der Hammer und ich war mächtig stolz. Aber auch die Deutschen Low Goal Meisterschaften in Berlin waren für mich etwas ganz Besonderes. Ich war dort für zwei Wochenenden mit dem Hamburger Jugend Kader. Wir haben lange vor dem Turnier mit Thomas Winter und Chris Kiesel trainiert und die besten Spieler durften dann in Berlin antreten. Wir Jungs waren schon ein eingeschworenes Team. Jeder hat sein Bestes gegeben und wir hatten eine Menge Spaß, nicht nur während der Spiele.

Hast Du schon Pläne, wie es mit dem Polosport bei Dir weitergehen soll?
Am liebsten würde ich jedes Wochenende ein Turnier spielen – das geht natürlich nicht, leider… Im Moment ist mein größter Wunsch, dass ich Ende des Jahres mit einem Polo-Freund für einen Monat nach Argentinien fliegen darf, um dort zu trainieren. Wir sind gerade dabei, unsere Eltern davon zu überzeugen, dass wir auch dort trotz Polo noch genug für die Schule tun. Mal sehen, ob das klappt.

Was rätst Du Jugendlichen in Deinem Alter, die gerne anfangen würden, Polo zu lernen und zu spielen?
Ich finde es sehr wichtig, erst einmal sicher reiten zu lernen. Wenn man sich auf einem Pferd sicher fühlt, fällt es viel leichter, sich auf den Ball und das Spiel zu konzentrieren. Auch den richtigen Umgang mit den Pferden und die Pflege der Pferde sind für mich von Anfang an sehr wichtig gewesen.

Hast Du polomäßig ein Vorbild?
Oh, da gibt es mehrere. Natürlich ist Thomas Winter für mich ein großes Vorbild. Er ist nun mal der beste deutsche Polospieler, wer möchte das nicht auch einmal werden? Aber auch von Chris Kiesel habe ich sehr viel gelernt und er ist für mich ein Vorbild. Na ja, dann gibt es natürlich noch Adolfo Cambiaso. Leider konnte ich ihn bis jetzt nur auf Polo-Videos spielen sehen, noch nie live. Aber das hat mir schon gereicht, um ihn mir als Vorbild zu nehmen. Zum Glück habe ich ja noch viel Zeit, um vielleicht einmal fast so gut Polo zu spielen wie meine Vorbilder.


Bild: Lukas Sdrenka  Bild: Lukas Sdrenka  Bild: Lukas Sdrenka  Bild: Lukas Sdrenka