Das war sie also, die Europameisterschaft 2010 auf der wunderschönen Poloanlage von Schloss Ebreichsdorf in der Nähe von Wien. Haushohe Tordifferenzen auf der einen, heißumkämpfte und knappe Siege auf der anderen Seite. Ein begeistertes Publikum und zum ersten Mal ein reines Damenteam bei einer Europameisterschaft, das dann auch noch den dritten von möglichen zehn Plätzen belegte. Hervorragend berittene Teams wie die vier bestplatzierten aus Frankreich, Spanien, England und der Schweiz sowie die jungen und ganz jungen Spieler mit ihrer unglaublichen Präzision, Übersicht und kämpferischen Härte zeigten, wie vielversprechend sich der Polosport in Europa entwickelt.


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Christopher Kirsch, Teamcaptain deutsche Nationalmannschaft: „Wenn ich jetzt mit ein bisschen Abstand auf die EM zurückblicke, bin ich natürlich nicht gerade erfreut über den sechsten Platz, sehe aber auch ganz klar, welche Faktoren da eine ganz entscheidende Rolle gespielt haben. So hätte man wohl das maximal erlaubte Teamhandicap von +8 ruhig ausschöpfen sollen und nicht, so wie unser Team, mit einer +7 spielen. Ganz klar geworden ist mir auch, wie unglaublich weit der deutsche Polosport hinter Ländern wie England, Frankreich und Spanien hinterherhängt. Das betrifft die Qualität der Turniere und Spielfelder und der Spieler. England zum Beispiel – übrigens ein fantastisches Team – ist mit Pferden im Wert von über einer Million Pfund! angetreten. Unsere Pferde sind zusammen nicht einmal die Hälfte in Euro wert. Uns muss klar werden, auf welchem Niveau mittlerweile in Europa Polo gespielt wird. Und das entsprechende Pferdematerial gehört ganz maßgeblich dazu. Deutschland ist hier am unteren Rand des Durchschnitts unterwegs. Mein Vorschlag ist, schon bei der Midseason Konferenz 2011 darüber nachzudenken, wie das deutsche Nationalteam für die EM in Zürich 2012 aufgestellt sein soll.“




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Eva Brühl, Spielerin deutsche Nationalmannschaft: (zum Spiel um Platz 5 gegen Italien, das Deutschland verlor) „Wir hatten die Italiener in den ersten beiden Spielen gut im Griff. Zu Beginn des vierten Chuckers haben sie dann eine Umstellung vorgenommen, auf die wir nicht richtig reagieren konnten. Alles ging sehr schnell und nach zwei weiten Backs als Torvorbereitung durch die Italiener mussten wir unsere Führung abgeben. Meine Aufgabe war es, die italienische Nummer drei zu bewachen. Christopher wurde nach der Umstellung massiv von Juan Correa angegriffen, der ihn nicht mehr passieren ließ. So sind wir immer mehr in die Verteidigung gerutscht und haben dann noch zwei unnötige Fouls begangen, die scharf von den Umpires geahndet wurden. Wir sind überzeugt, dass wir besser gespielt hätten, wenn wir eine bessere Vorbereitung gehabt hätten. Nach der Qualifikation im Frühjahr hat das Team nur einmal in Holzkirchen zusammengespielt. Das reicht nicht aus.“




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Robert Strom, Europameister mit dem Team Frankreich: (zum Finale gegen Spanien) Als es im vierten Chucker 8:8 stand, sind wir dann doch etwas nervös geworden, aber konnten zwei weitere Goals zum Sieg machen. Spanien hat hervorragend gespielt und es war wirklich ein enges Match. Wir freuen uns riesig über den Titel und bedanken uns für dieses großartige Turnier.“




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Richard von Drasche-Wartinberg, Veranstalter: „Eine solche Veranstaltung zu organisieren, ist natürlich eine große Herausforderung, die wir gerne und wie ich denke auch mit großem Erfolg angenommen haben. Wir haben hier fantastisches Polo gesehen und ich bin besonders dankbar, dass das Wetter an den beiden Finaltagen so ausgezeichnet war, nachdem wir in der Woche davor schon ernsthaft um die Spielfelder bangen und Spiele wegen Regens verschieben mussten.“




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Eduardo Huergo, Präsident Federation of International Polo (FIP): „Ein großartiges Ambiente für eine Polo Europameisterschaft, ich bin sehr beeindruckt. Und ich gratuliere Frankreich für den verdienten Sieg, auch wenn beide Finalisten wirklich stark gespielt haben und hervorragend beritten waren.“




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Thomas Fedier, Präsident Swiss Polo Association (SPA): „2012 ist die Europameisterschaft nach Zürich in den Polo Park von Markus Gräff vergeben worden. Natürlich werden wir nun unsere Aufmerksamkeit auf dieses Turnier richten. Noch in diesem Winter soll mit den Arbeiten an der erweiterten Infrastruktur in Zürich begonnen werden, die Genehmigungen liegen alle vor. Die Swiss Polo Association wird die Vorbereitungen zur EM 2012 soweit möglich unterstützen und wir freuen uns sehr, dann der Gastgeber für den europäischen Polosport sein zu dürfen.“




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Hans Albrecht von Maltzahn, Präsident Deutscher Polo Verband: „Diese Europameisterschaft auf einem der schönsten Poloplätze in Europa ist schon etwas ganz besonderes. Eine herrliche Atmosphäre und gleichzeitig eine hervorragende Gelegenheit, polomäßig die Entwicklungen in den unterschiedlichen Ländern Europas zu verfolgen.“




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Dr. Piero Dillier, Spieler und Europa-Delegierter der FIP: „In der vor allem von europäischen FIP-Members aber auch Vorstandsmitgliedern besetzten FIP-Sitzung am Samstag morgen ist auch bereits über die Polo Europameisterschaft 2014 diskutiert worden. Bislang hat sich nur St. Tropez für die Ausrichtung der Championships beworben und wir haben die Länder nun aufgefordert, in den nächsten Wochen über weitere Nominierungen nachzudenken.“




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© Rolf Simon

Uwe Zimmermann, Spieler und Mitbegründer der Central European Polo Association: „Nach den langen Jahren Pause ist der Polosport längst erfolgreich auf die Anlage von Schloss Ebreichsdorf zurückgekehrt. Vor dieser einzigartigen Kulisse eine Europameisterschaft abzuhalten, ist natürlich fantastisch. Hier in Ebreichsdorf haben Baron Drasche-Wartinberg und ich vor zwei Jahren auch die Central European Polo Association gegründet. Sicherlich auch mit ein Grund dafür, warum heute Länder wie die Slowakei und Ungarn erstmals überhaupt bei einer Europameisterschaft starten.“




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Jane Kiesel, Spielkommentatorin der Europameisterschaft: „Vor allem das englische Damen-Team hat mich begeistert. Wie torgefährlich, schnell und präzise die vier Britinnen spielen und mit was für einem Erfolg – das ist ganz enorm. Es begeistert mich auch, wie viele Zuschauer und Wiener hier zum Finalwochenende nach Ebreichsdorf rauskommen. Bewusst einen „big day out“ zu genießen, ist in Deutschland eher selten zu beobachten.“


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Die Franzosen sind Polo Europameister 2010. Bei der Siegerehrung feieren sie ihren Erfolg mit der Marseillaise.



Robert Strom und Alexis Pouille aus dem französischen Team im Interview.