Der argentinische Polospieler erreichte das höchste Handicap +10, nachdem er 2003 die Argentine Triple Crown mit dem von den vier Novillo Astrada Brüdern gegründeten Team La Aguada errungen hatte. In jenem Jahr wurde er als MVP des prestigeträchtigen Turniers ausgezeichnet, und er erhielt den Silver Olimpia Award, den wichtigsten Preis für Berufssportler in Argentinien. Gegen Ende der U.S. Open durfte POLO+10 ein Interview mit Miguel führen. Darin spricht er über seine Karriere, über seine Familie und über Traditionen.

Wie kamen Sie zum Polo?
Mein Großvater spielte Polo, mein Vater auch, das tut er sogar immer noch. Es war also ein Familien-Ding. Zu Beginn spielte ich zu Fuß, als ich meinen Vater zu seinen Spielen begleitete, und als ich etwa 5 Jahre alt war, da begann ich mit dem Reiten, da fing es dann richtig an.

Sie haben verkündet, dass Sie an der argentinischen Triple Crown 2015 nicht als Spieler teilnehmen werden. Was wird Ihre neue Rolle bei La Aguada sein?
Ich werde mit dem Team zusammenarbeiten, nicht als Trainer oder in einer anderen festen Rolle, ich werde mehr „hinter den Kulissen“ tätig sein. Ich möchte mich so viel wie möglich einbringen, das aber nicht zu offensiv. Gerade so viel, dass es dem Team hilft.

Was glauben Sie, welches ist Ihre große Stärke als Polospieler? Was unterscheidet Sie von allen anderen?
Ich glaube, meine Stärken sind, dass ich Dinge vorausahnen kann und ein Teamplayer bin.

Zu welchen Polospielern blicken Sie auf?
Mein Vater (Eduardo „Taio“ Novillo Astrada) gehört zu den Menschen, die ich am meisten bewundere. Gonzalo Pieres (Sr.) ist ebenso ein Vorbild für mich und selbstverständlich auch Adolfo Cambiaso und Facundo Pieres.

Erzählen Sie uns von dem Moment, als Sie das Handicap von +10 erreichten.
+10 Goals, das war natürlich, was ich schon immer hatte erreichen wollen. Es war das Ergebnis vieler anstrengender Jahre mit Unmengen an Training. Dennoch: Es war wirklich ein Traum, der wahr wurde. Um +10 zu erreichen, muss man sich einiges abverlangen, man muss sich auf den Sport konzentrieren können, gut organisiert sein und natürlich auch gut reiten können. 10-Goaler zu sein gibt einem viel Selbstvertrauen, und das hilft einem wiederum bei der Karriere. Jetzt besteht die Herausforderung für mich darin, dieses Niveau auch zu halten.

Haben Sie Hobbys, und wie sieht Ihre Familie aus?
Ich bin verheiratet und habe fünf Kinder, vier Mädchen und einen Jungen. Zwei meiner Kinder spielen Polo, meine ältere Tochter und mein Sohn Miguelito, der 8 Jahre alt ist. Meine anderen drei Töchter, Tonia, Azul und Mora, reiten ebenfalls oder haben gerade damit begonnen. Sie alle lieben Pferde, aber die meisten meiner Kinder spielen noch kein Polo. Neben meiner Familie und meiner Karriere habe ich nicht viel Freizeit. Wenn ich mal etwas Zeit für mich habe, lese ich gerne und informiere mich, vor allem über die globale Wirtschaft und die verschiedenen Märkte. Ich beschäftige mich gerne mit solchen Themen, wenn ich nicht gerade an Polo oder meine Familie denke.

Glauben Sie, dass Miguelito die Novillo Astrada Tradition fortsetzen wird?
Das fände ich natürlich toll, aber nur, wenn er das wirklich möchte und gerne tut. Ich will da gar keinen Druck auf ihn ausüben. Ich möchte, dass Miguelito seinen Weg geht, unabhängig von der Familientradition. Ich werde ihn immer unterstützen, ob er nun Polospieler sein möchte oder etwas anderes.

Was würden Sie gerne an der Art und Weise verändern, wie heute Polo gespielt wird?
Ich persönlich finde, dass es ein paar Regeln gibt, die man ändern könnte, um das Spiel dynamischer und für die Zuschauer attraktiver zu machen – und auch leichter verständlich. Das würde zu einer weiteren Popularisierung und Professionalisierung des Sports beitragen.

Über die Familie Novillo Astrada und La Aguada

Die Familie Novillo Astrada kann auf mehr als 60 Jahre Polotradition zurückblicken. Julio Novillo Astrada, Jahrgang 1916, war begeistert vom Polo und von seinen Pferden, und diese Leidenschaft gab er an seine Söhne Julio und Eduardo weiter. Ihr Spielfeld in Córdoba hieß La Aguada. In den 70er Jahren kaufte Don Julio ein Stück Land in der Kleinstadt Open Door nahe Buenos Aires, um es seinen Söhnen und Enkeln zu ermöglichen, in der Nähe von Buenos Aires, wo sie wohnten, Polo zu spielen. Und um der Tradition willen nannte er auch diese Anlage La Aguada. Heute ist La ­Aguada dank der Anstrengungen der Familie einer der besten Polo Clubs der Welt.

Don Julios Sohn, Eduardo „Taio“ Novillo Astrada, erreichte +9 Goals und gewann zahlreiche große nationale und internationale Turniere wie den Silver Cup in Sotogrande oder die ­Coupe d‘Or in Deauville; er war der Erste, der La Aguada im High Goal Bereich vertrat. 1986 gewann der Club zum ersten Mal die ­Hurlingham Open. 1990 war ein ganz besonderes Jahr für La ­Aguada: Das Team, das aus Taio und seinen Söhnen ­Eduardo, ­Miguel und Javier bestand, die alle noch Teenager waren, gewann die Copa República Argentina. Im Jahr 1999 erreichte das Team das Finale der Argentine Open, und 2003, als Nacho zum Team stieß, gewann La Aguada die Argentine Triple Crown. Es war ein Sieg für die Geschichtsbücher: Zum ersten Mal hatte eine Mannschaft, die aus vier Geschwistern bestand, die wichtigste Polotrophäe der Welt gewonnen. Die Novillo Astrada-Brüder ­Eduardo (+9), Miguel (+10), Javier (+9), Nacho (+9) und Alejandro (+7) haben auf den wichtigsten Poloturnieren weltweit allesamt herausragende Leistungen abgeliefert. Die Tradition der ­Familie ­Novillo ­Astrada setzt sich heute bereits in der nächsten Generation fort, und es sieht aus, als würde sie auch in Zukunft immer weiter ausgebaut.

Quelle: La Aguada