Vor den Toren Bad Homburgs präsentiert Deutschlands älteste Privatbank am kommenden Wochenende erstmals die Berenberg Polo-Trophy. Vier Teams gehen vom 26. bis 28. August auf dem neu angelegte Poloplatz an der Niederstedter Straße in Oberursel / Oberstedten an den Start (Polo+10 berichtete).

Lanson Teamcaptain Michael Schlarmann macht sich in einer kleinen Gruppe von Polo-Enthusiasten für den Sport im Taunus stark und erhofft sich von der ersten Berenberg Trophy auch eine starke Signalwirkung für das Polo in der Region.

Polo+10 hat er einige regionale Polosorgen geschildert. Er und seine Kollegen wollen alles daransetzen, den Sport in der Region zu etablieren und neue Spieler und Unterstützer zu finden.


Wie hat sich der Polosport in der Rhein-Main-Region über die Jahre und Jahrzehnte entwickelt?
Schlarmann: Da ich erst seit einigen Jahren in der Region lebe, habe ich hier nicht bis ins letzte Detail Übersicht. 2007 und 2008, als ich hier im Rhein-Main-Gebiet wieder in den Polosport einsteigen wollte, gab es den Frankfurter Polo Club. Der war zu jener Zeit und ist leider auch bis heute ohne große Aktivität. Vereinzelte Stick&Ball-Spieler – das war und ist leider alles. Der FPC blickt aber auf eine recht große Vergangenheit mit sehr vielen Aktiven und Turnieren, inklusive Deutschen Polo Meisterschaften, zurück. Der Weggang bedeutender Spieler und Förderer zu Beginn der Nuller Dekade (aus mir nicht bekannten Gründen) führte zu einem Einschlafen der Poloaktivitäten im Frankfurter Polo Club. Einige wenige unverzagte Poloenthusiasten (alles Anfänger ohne Pferde), die den FPC wieder beleben wollten, schafften das leider nicht. Doch gründeten sie den Polo Club Hessen, der sich mit dem FPC den Platz teilt und ließen den Frankfurter Gold Cup wieder aufleben, den es dieses Jahr zum 4. Mal wieder gibt. So gab es zwar keinen regelmäßigen Spielbetrieb, aber wenigstens wieder ein jährliches überregionales Turnier. Mittlerweile hat der Polo Club Hessen über 10 Aktive mit 7 Pferden, veranstaltet ein Anfängerturnier und lädt zum Polokurs mit Daniel Hauss ein. Ab und an kommen auch schon Clubchukkas zustande. Der Außenposten Herborn organisiert regelmäßig im Winterhalbjahr Hallenchukkas (2 gegen 2) und auch Turniere in der Halle in Herborn. Die Wiederbelebung des Polosports in Frankfurt zeigt erste zarte Knospen. FPC und HPC sollen auch schon bei einem gemeinsamen clubübergreifenden Chukka gesehen worden sein.

Seit dem Frühjahr 2010 gibt es auf dem Hofgut Luisenlust in Hirzenhain im Vogelsberg vielversprechende Poloaktivitäten und mittlerweile auch den Luisenluster Polo Club. Hirzenhain ist rund 1 Std. entfernt von Frankfurt, mit dem Anhänger etwas mehr. Zum zweiten Mal fand diesen Sommer der Luisenluster Polo Cup statt. Ein Low Goal Turnier auf recht hohem Niveau, das sechs Teams aus Deutschland und mittlerweile auch aus dem benachbarten Ausland anzieht. Hier gibt es abseits des Turniers den ein oder anderen Spieler mit besserem Handicap, doch zeigt es sich auch hier wieder einmal, dass Polo bekanntermaßen ein Mannschaftssport ist und man 8 berittene Spieler zur selben Zeit auf dem Platz braucht, um ein Clubchukka zu spielen. Mit der gerade erfolgten Clubgründung und einem Polokurs noch in diesem Sommer wird auch hier an der Nachwuchsgewinnung intensiv gearbeitet.

Warum gibt Ihnen das Berenberg Turnier im Taunus Hoffnung auf einen Polo-Neustart in der Region?
Nun, einen Neustart in der Region hat es ja wie beschrieben schon gegeben. Doch habe ich große Hoffnung, dass die Berenberg Trophy im Taunus vor den Toren Frankfurts die Entwicklung deutlich beschleunigen wird. Ich erhoffe mir durch dieses Turnier große Aufmerksamkeit für den Sport in der Region. Da es sich um ein Turnier im Rahmen der German Polo Tour handelt und damit einige hochkarätige Spieler dabei sind, dürfte die Aufmerksamkeit vielleicht noch etwas höher sein. Ein neuer Poloplatz, der sich hoffentlich dauerhaft halten lässt, ist natürlich auch eine Bereicherung, da Frankfurt zwar zwei Clubs beherbergt, aber nur ein Feld hat. Wenn dieses erste Turnier im Rahmen der GPT ein Erfolg bei Spielern, Zuschauern und Sponsoren wird, dann besteht ja die reelle Chance auf ein jährliches „großes“ Turnier hier in der Region. Dann haben wir die Chance auf den Aufbau eines regelmäßigen Spielbetriebs in und um Frankfurt durch die neue und größere Öffentlichkeit für den Sport. Die Berenberg Trophy gibt uns die Möglichkeit, das zweifellos vorhandene Potential der Frankfurter Region für den Polosport leichter zu aktivieren.

Wie, warum und wann haben Sie persönlich mit dem Polospielen begonnen?
Als jemand, der mit fünf Jahren das Reiten begonnen hat, über viele Jahre (dank meiner Eltern) immer wieder eigene Pferde hatte und fast alle Reitsportdisziplinen betrieben hat, war es fast zwangsläufig, irgendwann auch einmal Poloturniere als Zuschauer zu erleben. Die Faszination über das Zusehen entwickelte sich in den 80er Jahren bei den Engländern (British Rhine Army), die damals in Bergen-Hohne, Fallingbostel, Bad Lippspringe und in Berlin sehr aktiv Regimentspolo spielten und viele Turniere veranstalteten. Leider konnte ich mir in den 80er Jahren eigene Pferde finanziell nicht erlauben. Später habe ich viel Polo in Hamburg gesehen und 1995 war es dann soweit und ich kaufte mir das erste Polopony. „Lola“ war ihr Name und sie kam natürlich von einem britischen Offizier. Ich begann also mit dem Polo und zwar seinerzeit in Holzkirchen/Thann bei München. Schnell waren es zwei und dann drei Pferde. 1996 war ich aufgrund mehrfacher Rückschläge mit schwer verletzten Pferden so frustriert, dass ich sich bietende berufliche Karrierechancen im Ausland gerne annahm und das Reiten, die Pferde und das Polo (noch kaum begonnen) wieder an den Nagel hängte. Ich blieb zehn Jahre im Ausland und verzichtete (aus heutiger Sicht nicht nachvollziehbar) ganze zwölf Jahre auf meine Leidenschaft: die Pferde und das Polo. Meine Frau Harriet, selbst Reiterin in der Jugend, brachte vor vier Jahren den Stein wieder ins Rollen und „verordnete“ uns ein gemeinsames Familienhobby. Seit drei Jahren spiele ich nun wieder Polo, habe letztes Jahr die erste Turniersaison absolviert und spiele dieses Jahr auch fleißig Turniere. Natürlich nutze ich auch jede Gelegenheit, bei den Engländern in Norddeutschland Turniere zu spielen. Leider finden dieses Jahr aufgrund des Afghanistan-Einsatzes nur zwei Turniere in Bad Lippspringe statt. Da meine Tochter (8 Jahre) auch reitet, haben wir natürlich drei Polopferde, damit wir auch gemeinsam als Familie reiten können.

Was und wer könnte sie beim „Polo-Aufbau“ in der Region unterstützen?
Ein „großes“ Turnier mit sehr guten Spielern, das die Faszination des Polosports „rüberbringt” und Begeisterung schürt und von dem natürlich auch die Spieler begeistert sind, ist natürlich nur eine Facette des „Aufbaus“, aber eine sehr wichtige. Ich hoffe natürlich, dass sich die Berenberg Trophy hier etablieren kann und wir auch 2012 wieder eine Station der German Polo Tour sein werden. Zusätzlich brauchen wir eine gut organisierte Poloschule, die strikt nach den Regeln der Hurlingham Polo Association lehrt. Auch hier kann man von den Engländern viel lernen. Insofern könnte Christopher Kirsch sowohl mit der GPT als auch eventuell mit der Poloschule uns hier hervorragende Unterstützung zuteil werden lassen. Aber auch Besitzer oder Pächter von großen Reithallen (mindestens 60 m, besser länger) und ebensolchen Außenplätzen können uns hier definitiv unterstützen, da es glücklicherweise mehr und mehr Interesse am Polo als Ganzjahressport gibt. Das Potential von Arena Polo, je nach Platzgröße 2 gegen 2 oder 3 gegen 3, beginnt man ja in Deutschland glücklicherweise zu entdecken und Poloevents auch an „untypische“ Locations und damit näher an die Menschen zu bringen. Ich würde gerne in naher Zukunft ein Hallen Polo Masters in der Frankfurter Festhalle sehen oder spielen wollen.

Wie sähe für Sie eine optimale Polozukunft im Frankfurter Raum aus?
Ein koordiniertes Zusammenarbeiten der Polospieler aus den drei vorhandenen Clubs mit dem Ziel, sich turnusmäßig mal in Frankfurt, mal im Taunus und mal in Luisenlust zu Clubchukkas zu treffen. Die Transportwege sind ja wirklich überschaubar! Statt 2 gegen 2 in Luisenlust und 3 gegen 3 in Frankfurt lieber möglichst viele Chukkas 4 gegen 4 für alle Spieler der Region auf einem Platz ermöglichen. Weiterhin wünsche ich mir echte Amateur Low Goal Turniere bis Handicap 0 mit überschaubarem Aufwand in unserer Region und das Etablieren des Polosports als Ganzjahressport. Mit Ausnahme von Polo auf Schnee und Eis können wir hier Polo auf jedem Untergrund und zu jeder Jahreszeit spielen.


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