Er lebt auf einem Bauernhof mit Kühen, Ziegen und 300 Hühnern am Genfer See und hat ein doch eher außergewöhnliches Hobby. Jean-Claude Biver macht Käse – fünf Tonnen im Jahr. Eine Delikatesse, die sogar der Guide Michelin in den Himmel lobt, die man aber nirgends kaufen kann. Unverkäuflich, nur als Geschenk zu bekommen. Ausnahmen? Keine! Jean-Claude Biver ist Alt-Hippie, spricht von Liebe und Freiheit und steht jeden Morgen um vier Uhr auf, um mit seinen Geschäftspartnern in Asien zu sprechen. Der Chef des Weltunternehmens Hublot ist vieles, was man zunächst vielleicht nicht vermutet. Polo+10 hat ihn in Gstaad getroffen.


Monsieur Biver, was ist das Besondere an ihrem unverkäuflichen Käse, über den schon internationale Fernsehteams berichtet haben?
Wir produzieren hier 250.000 Liter im Jahr, davon 50.000 Liter auf der Alp auf 1.400 Metern. Mit diesen 50.000 Litern produzieren wir fast 5.000 kg Käse. Ein Käse, den wir 100 Prozent nach der Tradition herstellen, pflegen und altern. Natürlich ist eine solche Herstellung überhaupt nicht rentabel und nicht kommerziell verkaufbar. Nicht schlimm für uns, weil wir als Konsequenz den Käse einfach nicht verkaufen. So gelingt es uns vielleicht, den besten oder einen der besten Käse zu produzieren.

Was ist Ihre Erfolgsformel – im Leben und im Beruf?
Für mich ist die große Klammer bei allem, was ich tue, die Liebe. Daraus ergeben sich Tradition, Qualität und Respekt als die wichtigen Werte im Leben. Auf diese Art zu leben, macht mir Freude. Ich bin ein Hippie, ein Kind vom Mai 68. Als 20-Jähriger habe ich früher all das miterlebt – ein Stück Revolution.

Und was ist Ihnen aus dieser Hippie-Zeit Ende der 60er Jahre bis heute geblieben?
Das ist wie gesagt die Liebe als Grundeinstellung und auch ein Gefühl dafür, dass sich alles über die Natur definiert. Das ist die Idee von einem Leben mit und in der Natur in einer Gemeinschaft, einer Kommune. Humanität sehe ich als das Zentrum des Lebens – derjenige, der respektiert und teilt, bleibt dem Leben treu. Es geht auch immer wieder darum zu verzeihen – übrigens auch sich selbst. Man könnte sagen, ich habe die Liebe als Ethik des Benehmens behalten. Das ist mir geblieben. Nicht geblieben sind mir Randale, Gewalt und eine ideologisch extrem linke Einstellung.

Was bedeutet für Sie Luxus?
Abgesehen davon, dass ich wahrscheinlich der einzige Chef einer Luxusmarke auf der ganzen Welt bin, der auf einem Bauernhof wohnt und das als den größten Luxus empfindet, muss Luxus meiner Ansicht nach authentisch sein. Rationelle Qualität mit Nähe zu Kultur und Kunst, das ist Luxus.

Wie sind Sie zum Polosport gekommen?
Durch meinen Freund Pierre Genecand, der den Polo Gold Cup seit Jahren sehr erfolgreich hier in Gstaad durchführt. Vor vier oder fünf Jahren war ich bei Pierre in Argentinien und bin zum ersten Mal in meinem Leben Polopferden begegnet. Ich dachte, die sind ja wie Hunde so zutraulich und entspannt, sie haben einfach keine Angst. So etwas hatte ich bei Pferden noch nie erlebt. Mich fasziniert, wie Mensch und Pferd in diesem Sport fusionieren und eins werden. Dazu dann die Präzision und Schnelligkeit mit dem Ball – einfach fantastisch. Ja, und außerdem mag ich Gstaad und die Atmosphäre hier in Saanen besonders gerne.

Und was hat Sie zu der Entscheidung gebracht, Titelsponsor des Gold Cup zu werden?
Ich habe eine Regel und die sagt: Tu nur das, was Du mindestens fünf Mal machen möchtest. Ich glaube nur an das Langfristige. Das ist auch bei uns im Geschäft so. Wenn mir einer der jungen Manager eine Idee vorschlägt, dann frage ich ihn: Sind wir daran interessiert, das fünf Mal zu machen? Oft sieht die Welt dann schon ganz anders aus. Jeder Vertrag muss mindestens fünf Jahre dauern können, das ist zum Prinzip geworden und so ist es auch hier beim Polo. Im Fußballsport, wo Hublot auch sehr aktiv ist, haben wir 2008 Verträge geschlossen, die bis 2022 gehen. Auch in der Formel 1 und im Segelsport engagieren wir uns seit vielen Jahren. In China und Amerika ist Basketball extrem populär, dort haben wir eine ganze Tournee mit Dwayne Wade begleitet.

Ihre Rolle in der Entwicklung der Marke Hublot ist außerordentlich – wie würden Sie selbst ihre Arbeit für die Marke charakterisieren?
Ich würde sagen, Biver und sein Team haben die Marke Hublot redynamisiert. Ich habe die Geschichte von Hublot wieder aufgenommen und in den Fokus gestellt. Gleichzeitig habe ich sie mit den heutigen Mitteln, Instrumenten und Ideen aufgeladen. Dieses Gesamtkonzept der Fusion macht Hublot heute einzigartig. Es geht um Tradition, aber nicht darum, das Alte immer und immer zu wiederholen, sondern um das gewisse Extra zu ergänzen. Ich gebe der Tradition eine Spritze Zukunft und injiziere ihr einen Schuss 21. Jahrhundert. Zum Beispiel haben Werkstoffe wie Carbon und Keramik zunächst natürlich nichts mit historischen Uhren zu tun. Wir trauen uns jetzt, traditionelle Uhrmacherkunst in Richtung Zukunft zu interpretieren. Dazu gehören neue Materialien und auch bunte Farben.

Wie sähe Ihre persönliche Traumuhr aus?
Meine Traumuhr wäre eine mechanische Uhr mit einem Jahr Gangreserve. Sie wäre aus superleichtem, durchsichtigem Metall. Lachen Sie nicht, daran wird schon gearbeitet.

Was begeistert Sie privat außer einzigartigen Luxusuhren und unverkäuflichem Käse?
Mein roter Mercedes 300 SL aus dem Jahr 1962. Er ist komplett unrestauriert und ich liebe es, bei jeder Gelegenheit mit ihm zu fahren. Kommen Sie mal kurz mit, er steht da hinten …