Der Schneekünstler Simon Beck zaubert faszinierende Kunstwerke in den Schnee. POLO+10 hat mit dem Briten über seine vergänglichen Zeichnungen und seine größten Gegner gesprochen.

Angefangen hat alles mit einem einfachen Stern. Es hatte gerade frisch geschneit und auf dem kleinen zugefrorenen See lag eine weiße unberührte Schneedecke. Die Verlockung war groß, Simon Beck erlag ihr und zeichnete einen Stern in die Fläche. Als der Brite die Zeichnung am nächsten Tag vom Skilift aus sah, war er vom Resultat so beeindruckt, dass er weitermachte. Die „Snow Art“ ließ ihn nicht mehr los.

Heute, zehn Jahre später, sind seine Kunstwerke um einiges größer und komplizierter und Simon Beck wird auf der ganzen Welt für seine beeindrucken Schneekreationen gefeiert. Ausgestattet nur mit Schneeschuhen, Kompass und Maßband ist er regelmäßig im französischen Skigebiet Les Arcs unterwegs und zaubert spektakuläre und faszinierende Muster in den Schnee.

Insgesamt sind bisher über 175 Zeichnungen entstanden. Die meisten sind dreimal so groß wie ein Fußballfeld und es dauert bis zu zwölf Stunden, sie fertigzustellen. Da stapft Beck teilweise auch noch nachts mit Stirnlampe durch den Schnee. Rund 20 bis 30 Kilometer legt der ehemalige Kartograph dabei zurück („Ein gutes Training. Meine Füße tun häufig weh und in Schneeschuhen zu wandern, ist der am wenigsten schmerzhafte Weg, Sport zu treiben“, lacht er). Die bisher größte Zeichnung umfasste eine Fläche von zehn Fußballfeldern.

Ein neues Kunstwerk beginnt immer mit einer genauen Planung. Im Gelände müssen dann zuerst die wichtigsten Punkte abgesteckt und die Linien gezogen werden. „Das ist ein vorsichtiger und langwieriger Prozess, wo ich darauf achten muss, präzise zu arbeiten und unnötige Fehler zu vermeiden. Danach kann ich mich entspannen, meinen Walkman aufsetzen und es genießen, die Linien nochmals abzuschreiten und mich um die Schattierungen kümmern.“ Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Nicht nur wegen der Kälte, sondern auch wegen seiner größten Gegner: Pistenraupen, Skifahrer und das Wetter. Dass seine Kunst vergänglich ist, bereitet Simon keine Bauchschmerzen. Sobald das Foto im Kasten ist, darf der nächste Neuschnee ruhig kommen.

Den ganzen Tag im Büro sitzen, war noch nie Simons Ding. Und so genießt der 56-jährige Brite sein sportlich-künstlerisches Treiben und die Einsamkeit in den französischen Alpen. „Momentan habe ich das Gefühl, dass es eine große Chance ist, etwas aus meinem Leben zu machen (bis jetzt war es eher ein Misserfolg). Ich beabsichtige, so viel wie möglich zu schaffen, bevor ich dafür zu alt und müde bin.“

Und was macht ein Schneekünstler im Sommer ohne Schnee? „Für die Zukunft plane ich den Juli und August damit zu verbringen, Ski zu fahren und in Skiurlaubsorten in der südlichen Hemisphäre Schneezeichnungen zu machen. Außerdem möchte ich wandern gehen, hauptsächlich in Europa. Auch wenn das nahe liegen könnte: Kornkreise mag ich nicht.“


Book Snow Art Simon BeckSIMON BECK „SNOW ART“

Anfang November ist das Buch „Snow Art“ erschienen. Der 168 Seiten starke Band enthält die schönsten Schneezeichnungen von Simon Beck und kann zu einem Preis von 35 Euro über die Website http://snowart.gallery bezogen werden.




Galerie:




http://snowart.gallery