Marcos Uranga, Gründer und erster Präsident der Federation of International Polo (FIP), hat sein Leben lang dafür gearbeitet, Poloveranstaltungen zu organisieren, den Sport zu fördern und bekannter zu machen. POLO+10 hat ihn zu Hause in Buenos Aires persönlich getroffen.

Text: María Paula Fernández

2013, im Rahmen der Argentine Open in Palermo, Buenos Aires in Argentinien, hatte POLO+10 eine einmalige Gelegenheit. Marcos Uranga, Gründer und erster Präsident der FIP, lud uns herzlich in sein Haus ein und wir hatten die Gelegenheit, ihm einige Fragen zu stellen. Dabei nahm er uns mit auf eine Reise in die Geschichte des Polosports und zeigte uns seine Schätze, die er über die Jahre gesammelt hat. Mit seinen Büchern, Fotos, Trophäen und Medaillen gingen wir auf eine unvergessliche Reise durch die Geschichte des internationalen Polo.

Wer Uranga trifft, erlebt einen Menschen, dessen ganzes Leben dem Polo gewidmet ist. Wie Horacio Laffaye in seinem Buch „Profiles in Polo“ bemerkt, gibt es sicherlich niemanden, der sich mehr als Uranga darum verdient gemacht hat, die verschiedenen Vereinigungen und Verbände auf der ganzen Welt zu versöhnen und der über 70 Länder in einer einzigen globalen Organisation vereint hat: dem Weltpoloverband Federation of International Polo. Der Verband feiert heute sein 30-jähriges Bestehen, und sein Gründungspräsident Uranga ist weiterhin aktiv.

Marcos Uranga, geboren 1936 in Buenos Aires, ist der Sohn von Carlos Uranga und Susana Rey. Er besuchte die Belgrano Day School, eine bilinguale englische Traditionsschule in Belgrano, einem Stadtteil von Buenos Aires. Zunächst begann er dort mit einem anderen Sport, wechselte aber später zu Polo: Urangas Wurzeln liegen im Rugby. „Dank meiner Wurzeln im Rugby, hatte ich die Vorstellung von einem Verband als einer globalen Familie. Teamgeist, Training und die Arbeit als Coach für diesen Sport erweiterten meine allgemeine sportliche Vision.“ Marcos begann, Polo als Ausgleichs- und Familiensport zu spielen und wurde vom Vater unterrichtet. Später wurde er Kapitän des Jockey Club Teams, zeitweise einer der wohlhabendsten Clubs weltweit.

Auf die Frage, welches seine wichtigsten Meilensteine als Polospieler seien, erwähnt er besonders das Spiel und den Sieg der ersten Weltmeisterschaft der Polo Clubs. Hier hatte er die Idee, einen Verband zu gründen: Damit dieses Turnier stattfinden konnte, mussten das Gastteam Argentinien sowie der Jockey Club dafür sorgen, dass Pferde für alle Spieler vorhanden waren. Zu der Zeit war Marcos Uranga Vizepräsident des Argentinischen Poloverbandes. Er entwickelte den Gedanken, das Konzept der Weltmeisterschaft der Polo Clubs zu erweitern – dies war die Grundidee des Verbandes. 1982 lud der Argentinische Poloverband alle nationalen Verbände zu einem Treffen ein mit dem Ziel, ihre Kräfte zu bündeln. Erreicht werden sollte unter anderem, eine Stimme im Olympischen Komitee zu bekommen, Wettkämpfe zu fördern, Poloregeln zu vereinfachen und die weitere Entwicklung des Sports voranzutreiben. Auf dieses Treffen im Jockey Club in Buenos Aires folgte die Gründung des Weltpoloverbandes, mit Marcos Uranga als gewähltem Präsidenten.

Uranga ist nicht nur eine anerkannte Persönlichkeit des Polosports, sondern auch Experte für Landwirtschaft und andere den ländlichen Raum betreffende Themen. Er war außerordentlich erfolgreich in Top-Positionen in Argentinien, z.B. als Direktor der Banco de la Nación Argentina (die argentinische Staatsbank); er arbeitete für die Sociedad Rural Argentina (argentinische Gesellschaft für ländliche Entwicklung) und war Stellvertreter des Landwirtschaftsministers. Zusammen mit Ignacio Uranga leitete Marcos Uranga über seine gesamte berufliche Laufbahn sein Anwesen, das auch heute noch solide und erfolgreich arbeitet.

Als er über seine wichtigsten Ziele bei der Gründung des Verbandes spricht, sagt Uranga: „Meine Absicht war es, eine große internationale Polofamilie zu bilden, eine heterogene Gruppe, was die Nationen betrifft, aber homogen in ihrer Affinität zum Polo. Ich glaube, das Ziel des Sports ist es, die Menschen, die Nationen und vor allem die Familien zu verbinden. Wir müssen den Sport zusammen mit den jungen Menschen ausüben, international, ohne auf den Wettkampf zu schauen, sondern auf die Kameradschaft zwischen allen Spielern.“ Er betont: „Im Polosport beginnt die Kameradschaft gleich am Anfang, wenn ein Spieler der Heimmannschaft einem fremden Spieler sein Pferd überlässt; die Großzügigkeit dieser Geste entspricht der wahren Ritterlichkeit des Polospielers, ungeachtet des Wettkampfs und der verschiedenen Teams“, und er fährt fort, „Ich bin jetzt 76 Jahre alt und mein Kreis hat sich geschlossen. Ich glaube an die Rotation der Ämter und daran, dass es wichtig ist, jeder einzelnen Nation eine Stimme zu geben. Wollen wir wachsen, müssen wir uns erneuern. Der Sport steht niemals still und so sollte es auch beim Verband sein. Ich habe ein Projekt angestoßen und es wächst und gedeiht nun überall auf der Welt, sogar in weit entfernt liegenden Gegenden wie China. So entstehen Verbindungen zwischen Ländern, Persönlichkeiten, Regierungen, Spielern und Familien: Dies ist das größte Vermächtnis, das ich jemals hinterlassen konnte“.

Marcos Uranga ist sehr glücklich über die vielen jungen Polospieler in Argentinien. Er erwähnt, dass er nach dem Interview seinen Enkelkindern, die in Nachwuchsligen spielen, zuschauen werde und er spricht über die vielen Kinder, die in Argentinien bereits in sehr jungen Jahren anfangen zu spielen: „Das Wunderbare sind meine 20 Enkelkinder, sieben Söhne und Töchter. Eine Tochter, Paula, ist mit Alberto ‚Pepe’ Heguy verheiratet, selbst eine Pololegende. Sehe ich meine Enkelkinder spielen, fühle ich tiefe Freude darüber, dass ich die Möglichkeit habe, ihnen zu helfen, und darüber, sie mit ihren Eltern spielen zu sehen. Das ist die schönste Belohnung nach all diesen Jahren der Arbeit.“

Auf die Frage, ob die FIP die wichtigsten ihrer Ziele erreicht habe, hat Uranga nur eine einzige Antwort: ein entschiedenes Ja. Völlig unerwartet, als wir gerade dabei sind unser Interview zu beenden, ruft Glen Holden an (früherer Präsident der FIP und unter anderem Botschafter der USA in Jamaika). Uranga verabredet sich zum Mittagessen am selben Tag mit ihm, und sie kommen überein, danach zum gemeinsamen Polospiel ihrer Söhne zu gehen. Nach dem Telefonat sagt er nur: „Sehen Sie? Das ist der wahre Geist des Polo – wir sind eine richtige Familie!“ Marcos Uranga fühlt sich rundum zufrieden und stolz auf die Leistungen der „Polofamilie“, deren Grundstein er einst legte – und das kann er auch zu Recht sein.


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