Der dramatische Sturz von Carl-Eugen Oettingen-Wallerstein am Sonntag im Hamburger Polo Club gab Anlass zu den allerschlimmsten Befürchtungen. In vollem Galopp auf das Tor hatte der Reiter links am Torpfosten vorbei gewollt, sein Pferd aber zog nach rechts und geriet mit der Vorderhand in die Hinterbeine von Caspar Crasemanns Polopony. Das Pferd stürzte, überschlug sich mehrfach und schien seinen Reiter förmlich unter sich zu begraben, schließlich landete es meterweit von Oettingen-Wallerstein entfernt, der bewusstlos liegen blieb. Anna Oettingen-Wallerstein: „Das Pferd ist verhältnismäßig groß und schwer, ein bisschen behäbig. Es hat sich viele Male überschlagen. Dem Pferd geht es gut, es hat außer einigen kleinen Schürfwunden nichts.“

Oettingen-Wallerstein war knapp 50 Minuten abgeschirmt von Ambulanzwagen auf dem Spielfeld liegen geblieben – und hatte unfassbares Glück… Neben den Sanitätern war ein Neurochirurg aus dem Hamburger UKE, Prof. Dr. Christian Hessler, unter den Zuschauern, der ihn ebenso wie Dr. Michaela Geiger, Notärztin aus Stuttgart und Dr. Diedrich Haesen, Obmann des Hamburger Polo Clubs, wieder stabilisieren konnte. Oettingen-Wallerstein wurde dann ins UKE gebracht und hat außer einer Gehirnerschütterung und einigen blauen Flecken keine bleibenden Schäden davongetragen. Anna Oettingen-Wallerstein: „Was uns Dr. Hessler aber später in der Klinik gesagt hat, war erschütternd. Wären er und der Notarzt nicht vor Ort gewesen, hätte Cari wegen massivem Sauerstoffmangel im Gehirn schwere Hirnschäden davongetragen. Die Sanitäter allein hätten nicht helfen können.“ So ist er wohlauf und hat wohl bereits eine Bemerkung über seinen nächsten Poloeinsatz fallen lassen. Anna Oettingen-Wallerstein: „Wir vermuten, dass das Pferd vielleicht doch über ihn rübergeflogen ist, anders können wir uns den glücklichen Ausgang dieses schlimmen Unfalls nicht erklären.“

Ingo Wiechers ist seit über 25 Jahren Sanitäter beim Polo und war als einer der ersten an der Unfallstelle: „Der Sturz passierte genau vor unserem Tor nur wenige Meter von uns entfernt. Wir sind gleich zum Patienten gefahren, da ja alle Geräte im Sanitätswagen sind. Ich habe gleich gesehen, dass er sich durch seine Lage die Atemwege zudrückt. Gleichzeitig waren auch die anderen Ärzte an der Unfallstelle und wir haben ihn zusammen auf den Rücken gelegt, sodass er durchatmen konnte. Der Zustand der Bewusstlosigkeit hat nur wenige Minuten gedauert. Als ich gesehen habe, dass er wach war und atmen konnte war ich sehr erleichtert. Er wurde dann unfallmedizinisch behandelt und ins Krankenhaus gebracht.“

Doch damit noch nicht genug des Unfassbaren. Dr. Christian Hessler ist es, der gerade eine medizinische Studie zum Schutz von Reitern (vor allem im Militarysport) durchführt. Welche Helme und Schutzwesten sind tatsächlich lebensrettend und hilfreich – mit Fragestellungen wie diesen beschäftigt sich der Mediziner aktuell intensiv. Anna Oettingen-Wallerstein: „Dr. Hessler sagte, das UKE würde kostenfrei Notärzte für Poloturniere in Hamburg zur Verfügung stellen, auch um weiter an der Studie zu arbeiten. Bei unseren eigenen Turnieren auf Schloss Wallerstein hatten wir einen Notarzt vor Ort. Natürlich ist das auch ein Kostenfaktor (ein Sanitätereinsatz und ein Notarzt für drei Tage zusammen kosten in Wallerstein 2.400 Euro). Aber in gefährlichen Situationen wie diesen geht es um Leben und Tod.“


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