Text: Dr. med. Andreas Krüger (Zürich)

Spätestens seit der Fußball-EM von 2012 wissen wir, was Tape im Sport ist. Maximal angespannte Muskulatur, versteinerter Blick – die Pose des Mario Balotelli nach seinem 2:0 im Halbfinale gegen Deutschland. Entblößter perfekt trainierter Oberkörper. Diese Winner Pose hat sich sofort weltweit in das Kollektivgedächtnis der EM-Zuschauer eingebrannt. Aber wie viel Wirkung steckt wirklich in diesen publikumswirksamen, aufgeklebten grellbunten Tapes? Mehr Kraft, weniger Schmerz, mehr Präzision und schnellere Erholung nach anstrengenden Wettkämpfen?

Der Erfolg dieser Methode hält seit über 30 Jahren an. 1979 hatte der Japaner Dr. Kenzo Kase die zündende Pionieridee, seine chiropraktische Behandlung mittels elastischen Baumwolltapes zu unterstützen und die Wirkung zu verlängern. Begonnen hat Dr. Kase seine Tape-Therapie bei Sumo-Ringern mittels hautfarbender Klebestreifen, die der Beschaffenheit der Haut nachempfunden sind. Die feingewebte, atmungsaktive und hochelastischer Baumwolle wird mit Spannung auf betroffene Körperstellen geklebt. Es soll hierdurch eine zusätzliche Verschiebung der Hautschichten stattfinden, da die Haut durch die Bewegung leicht angehoben wird und der Druck auf die Schmerzrezeptoren in der unteren Hautschicht verringert wird. Durch die visuell ansprechende Aufbringtechnik soll ein stimulierender Effekt für die Muskeln ausgelöst werden. Eine zusätzliche Wirkung der gesteigerten Durchblutung und der hierdurch unterstützte Abfluss von Lymphflüssigkeit sind gemäß Hersteller (deren Namen mannigfaltig sind) die Folge und dienen der besseren Regeneration.

Die Studienlage in der elektronischen medizinischen Weltliteratur (Pubmed) zeigt augenblicklich keine einheitlich signifikanten Ergebnisse bezüglich der anhaltenden Wirkung von verschiedenen Tape-Varianten. Es bestehen jedoch Fallberichte, die die tendenziellen Verbesserungen verschiedener Taping-Anwendungen bezüglich Kraft und Schmerz bei Athleten verschiedener Couleur nachweisen konnten.

Im Polosport entstehen regelmäßig Verletzungen der Muskulatur sowie der Sehnen und Bänder des Schlagarmes durch übermäßige Belastung. Schläge des Gegners im heißen Zweikampf sowie die nicht seltenen Stürze hinterlassen schmerzhafte Verletzungen. Auch Rückenbeschwerden bei den mächtigen Schlägen in einer sonst ungewohnten Haltung über den Hals des Pony fordern aufgrund der maximale Belastungen des Körpers ihren Tribut. Innerhalb eines Turniers kann so durch das Aufbringen der elastischen Tapes eine Stabilisierung der Schulter erreicht werden und der Spieler weiterhin ohne Schulterluxation zu Ende spielen. Auch nach dem Schlag auf den Daumen des Schlagarmes kann die Abschwellung durch Aufbringen des Tapes in der lymphabflussstimulierenden Weise unterstützt werden. Im letzten Chukker, wenn die Kraft zum entscheidenden Faktor wird, kann durch ein Oberarm- oder Vorderarm-Taping die Befindlichkeit des Spielers beeinflusst werden. Auch bei akuten Knieverletzungen kann ein stabilisierendes Tape hilfreich sein.

Polospieler Andres „Lala“ Laplacette ist von der Wirkung der Tapes begeistert: „Ich habe die Tapes zum ersten Mal beim Arena Polo World Cup Azerbaijan in Baku ausprobiert. Dort hatte ich mich sehr schmerzhaft am Rücken verletzt. Zuvor hatte ich ähnliche Tapes bei anderen Athleten gesehen und fragte mich, ob sie mir helfen könnten. Ich probierte die Tapes und fühlte mich erleichtert. Es war, als ob jemand meine Rückenmuskeln halten würden. Zusätzlich wurden sie von den Tapes gewärmt. Ich konnte das Spiel ohne Probleme fortsetzen. Ich war überglücklich, denn in Baku beim ersten Poloturnier dabei zu sein, war eine großartige Gelegenheit für uns alle. Am letzten Turniertag platzierte mir Dr. Krüger ein Tape am Arm, weil mir inzwischen eigentlich alles weh tat. Am liebsten hätte ich die Tapes am ganzen Körper gehabt!“

Auch Tito Gaudenzi (Polospieler) haben Tapes sehr geholfen: „Beim Polo sind wir vielen abrupten und extremen Bewegungen ausgesetzt. Das liegt in der Natur des Sports: die Schnelligkeit, das Reiten, das Spielen. Vor allem Rücken und Schulter leiden darunter. Tapes können diese Probleme schnell verbessern. Vor dem Spiel angebracht, stabilisieren sie und verbessern die Beweglichkeit. Bei einem meiner letzten Turniere in Baku hatte ich von einer früheren Verletzung heftige Schmerzen im Lendenbereich. Dr. Andreas Krüger half mir, wieder fit für das Match zu werden. Das richtige Work-out vor dem Spiel und vor allem das korrekte Taping erlaubten mir weiterzukämpfen. Ich kann Taping uneingeschränkt für alle Sportarten wärmstens empfehlen. Es ist eine einfache und dabei sehr effektive Lösung.“

Das Resümee lautet somit, dass die moderne Wissenschaft es nicht beweisen kann – aber liegen Mario Balotelli, Serena Williams und David Beckham daneben? Ihre sportlichen Leistungen haben sie jedenfalls erbracht.


Kontakt:
Dr. med. Andreas Krüger
FMH Orthopädie und Traumatologie
Privatklinik Bethanien
Toblerstrasse 51
CH-8044 Zürich
drmedkrueger@gmail.com
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