Wie überraschend kam die Wahl zum neuen DPV Präsidenten für dich?
Eine Woche vor der Wahl wusste ich von meiner eigenen Kandidatur noch nichts! Das jetzige neue Präsidium hat sich erst kurz vor der Wahl zusammengefunden und sich dann geschlossen zur Wahl gestellt. Bei vielen Telefonaten im Vorfeld konnte kein passendes Präsidiumskandidatenteam gefunden werden. Daher haben wir uns dann zur Wahl gestellt, weil wir glauben, dass wir in dieser Konstellation ein gutes Team sind aus Persönlichkeiten mit vielen Jahren Poloerfahrung, die auch die regionale und geschlechtliche Verteilung innerhalb des DPV widerspiegeln.

Wie ist die Wahl zahlenmäßig abgelaufen und wie waren die Ergebnisse?
Über die Wahl selber darf nichts gesagt werden. Es kann aber gesagt werden, dass zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder eine offene Wahl stattgefunden hat… und die Wahl beziehungsweise das Ergebnis hat uns den Rücken sehr gestärkt!

Hast du gezögert, die Wahl anzunehmen?
Jein… wenn ich mich zu etwas entschließe, dann ist mein Anspruch, dieses auch mit voller Kraft und Begeisterung zu tun – keine halben Sachen. Dadurch, dass ich aber auch eine International tätige Firma leite und häusliche Verpflichtungen (Frau + Kinder) habe, wird der tägliche Topf mit dem neuen Amt schon ganz gut voll. Trotzdem möchte ich den Sport, den ich schon über 30 Jahre betreibe, durch das neue Amt hier in Deutschland weiter nach vorne bringen und neue Perspektiven schaffen. Der große Zuspruch im Vorfeld hat mir die Entscheidung dann letztendlich doch einfach gemacht. Ich habe die Wahl gern angenommen.

Welches sind deiner Meinung nach die wichtigsten Aufgaben, die der DPV in der Vergangenheit versäumt hat und nun in Angriff nehmen muss?
Ich möchte nicht zu viel über die Vergangenheit sprechen und nachdenken, sondern lieber in die Zukunft blicken. Wir haben die Chance und das Vertrauen bekommen, den DPV als Verband und den Sport im Mittelpunkt nach vornzubringen und eine gemeinsame Basis dafür zu bauen. Das Allerwichtigste ist, dass den einzelnen Mitgliedsclubs und einzelnen Mitgliedern bewusst wird, dass der DPV und wir im Präsidium nur die Dachorganisation sind. Basisarbeit und Problemlösungen sollen zunächst auf Club- und Stewardebene gelöst werden. Das Präsidium ist nicht der Übervater. Nur auf dieser Basis können wir in der Funktion eines ehrenamtlichen Vorstandes den DPV wirklich mit Leben erfüllen und ihn und Polo vorwärts bringen. So wie wir uns im Präsidium als Team sehen, möchten wir den DPV auch zu einen Team erwachsen lassen. Polo muss in Deutschland den Anspruch bekommen, professionell aufgestellt zu sein und dabei gleichzeitig das familiäre Zusammengehörigkeitsgefühl zu leben. Es ist ein Hobby und Sport, wo alle die gleichen Rechte und Pflichten haben sollen. Der Gedanke des Gentlemansport, wie er immer wieder gern genannt wird, sollte wieder in den Vordergrund gerückt werden.

Worauf wirst du dich als erstes konzentrieren?
Strukturen und Grundlagen schaffen. Graubereiche sollen eliminiert werden und dafür klare Regeln geschaffen werden. Alle Mitglieder einbinden und vereinen. Der Sport muss in den Vordergrund gestellt werden – nur gemeinsam und vereint sind wir stark. Dann gibt es noch viele weitere Punkte wie Jugendarbeit, Turniere, Animal Wellfare, Versicherungen, Nationalmannschaft, neue Mitgliederanwerbung, etc…

Worin bestehen die Stärken des neuen Präsidiums? Wo liegen eventuelle Schwächen?
Die große Stärke des Präsidiums liegt zunächst einmal auf der zwischenmenschlichen Ebene. Auch im Poloverständnis liegen wir alle auf einer Wellenlänge. Wichtig ist, dass wir alle seit vielen Jahren Polo spielen und das über die deutschen Grenzen hinaus in aller Welt. Außerdem hat jeder von uns im Polo organisatorische Aufgaben vielfältiger Art. Durch unsere weltweiten Kontakte können wir bei der Entwicklung von den Erfahrungen anderer Verbände, Clubs und Spieler profitieren. Ich habe in meinen zehn Jahren in Asien den Polosport in Thailand neu eingeführt und zum Leben erweckt. Hier mussten oft Lösungen für knifflige Situationen gefunden werden in einer Welt, wo jeder gewohnt ist‚ über den Regeln zu stehen. In den vielen Jahren habe ich das Vergnügen gehabt, in mehr als 20 Ländern Polo zu spielen und dort viele interessante und tolle Menschen kennengelernt zu haben. Schwächen selber zu erkennen ist ein schwieriger, aber sehr wichtiger Punkt. Vielleicht kann es dazu kommen, dass wir aufgrund unserer Erfahrung oder auch aus zeitlichen Gründen einige Wünsche und Fragen von Mitgliedern nicht ausreichend genug würdigen können. Insgesamt herrscht in der Szene ein großes Defizit an Poloverständnis und Wissen über die Regelungen unserer Satzung. Deshalb werden Fragen an das Präsidium herangetragen, die sich schon durch das Studium unserer umfangreichen Regularien selbst erklären. Es gilt auch dafür zu sorgen, dass Anträge klar formuliert und an das jeweils zuständige Gremium gerichtet werden. Wir sind ein ehrenamtlich geführtes Gremium und kein professionelles Vollzeit-Gremium, wie in den meisten anderen Sportarten. Vielleicht ist das gerade eine charmante Seite. Es limitiert uns allerdings auch, wegen der begrenzten Zeit und Verfügbarkeit.

Wie geht es mit den Themen Nachwuchsförderung, Handicap, Turnierausschreibung und Nationalmannschaft weiter?
Nachwuchsförderung ist sehr wichtig und eines unserer zentralsten Themen. Hier beobachtet das Präsidium die Arbeit der einzelnen Clubs. Es soll soweit wie möglich nicht eingegriffen werden, da jeder Club selber am besten die Gegebenheiten vor Ort kennt. Es gibt ein Budget für die Förderung von Nachwuchs und Jugendarbeit. Dieses wird für Lehrgänge und Camps gewährt, die von zugelassenen, qualifizierten Coachs geleitet werden. Früher war es im Polosport in Deutschland üblich, dass sich nur gestandene Leute für den Sport interessiert haben. Heute hat sich die Situation geändert und sehr oft sind es die Kinder der Spieler, die schon früh in den Sport einsteigen und damit viel bessere Voraussetzungen haben, ein gutes Handicap zu erreichen. Erst durch die Poloschulen in Deutschland hat sich der Sport so richtig für neue Spieler geöffnet. Die Berührungsängste sind gefallen und die Neugierde darauf wurde geweckt, diesen Sport auszuprobieren und für sich zu gewinnen. Dabei spielen die Jungendcamps besonders für die Kinder und Jugendlichen, die mit dem Sport vorher nie in Verbindung gekommen sind, eine hervorragende Einstiegsmöglichkeit. Turnierausschreibungen, Nationalmannschaft und Handicaps sind Themen von bereits existierenden Gremien und Ausschüssen des DPV, die gebildet wurden, um eine für alle Spieler gleichermaßen gute Regelung zu erarbeiten. Hier werden wir unsere Erfahrung und Meinung mit einbringen, aber die tatsächlichen Entscheidungen werden weiterhin autark von diesen Gremien getroffen. Wie bereits gesagt, ist die Mitarbeit unbedingt notwendig. Wir werden aber vielleicht stärker auf die zuständigen Gremien verweisen, um durch Transparenz das Ansehen und Verständnis des DPV zu erhöhen.

Was möchtest du in deiner Amtszeit erreichen und was wünschst du dem deutschen Polosport für die Zukunft?
Ich möchte gern tolle Turniere in Deutschland erleben, die nach klaren Regeln abgehalten werden, damit alle Spieler und Mannschaften auch beim Erringen des letzten Platzes sagen können, dass alles fair und gut abgelaufen ist und es ein tolles Turnier war. Ich möchte gern viele neue, begeisterte Polospieler für den Sport gewinnen. Ich möchte gern das Wohlergehen der Pferde und Grooms verbessern und das Risiko beim Sport durch strenge Überwachung der gesetzten Regeln sicherstellen. Ich möchte gern durch das Einbinden aller Clubs dafür sorgen, dass wir eine große offene Familie werden, mit gegenseitigem Respekt, Spaß und gutem Sportsmanship.

Wie soll deine eigene Polokarriere 2013 und in den kommenden Jahre weitergehen?
Ich bin nun schon seit über 20 Jahren auf demselben Handicap von +2 und möchte versuchen, dieses noch einige Jahre zu halten. Ich freue mich weiterhin auf die Teilnahmen an vielen schönen Turnieren hier in Deutschland.