Im September 2014 wird im französischen Polo Club du Domaine de Chantilly die 10. Europameisterschaft ausgetragen. Die Entscheidung für den Veranstalter war relativ kurzfristig im Januar gefallen. Auch der italienische Villa a Sesta Polo Club in der Toskana hatte sich beworben. Hier haben vor einigen Jahren bereits die Qualifikationsspiele für die Weltmeisterschaft stattgefunden. 2012 war die Europameisterschaft nach der überraschenden Absage des Polo Park Zürich und dem kurz darauf misslungenen Rettungsversuch durch den Niedersächsischen Polo Club in Hannover schließlich vom spanischen Sotogrande ausgerichtet worden. Auf den letzten Drücker hatte Christopher Kirsch damals ein Team zusammengestellt, um für Deutschland die Fahne hochzuhalten – und war auf dem vorletzten Platz gelandet. Immerhin hat Deutschland, als eines der wenigen Länder, an allen bisherigen neun Europameisterschaften teilgenommen. Kirschs Engagement wurde gelobt, das Abschneiden des Teams kritisiert – ein einheitlicher EM-Kurs der deutschen Poloszene schien in weiter Ferne.

In diesem Jahr will sich nun der DPV intensiver in das Thema EM einklinken und die deutsche Nationalmannschaft nach einem neuen Auswahlverfahren zusammenstellen. Bislang war das teilnehmende Team immer durch ein Qualifikationsturnier ermittelt worden. Jetzt soll das deutsche Team nominiert werden.

Dirk Baumgärtner, 2. Vorsitzender des DPV: „Die Erfolge des DPV bei den Europameisterschaften sind durchaus zufriedenstellend. Die Spielstärke des DPV ist in den letzten Jahres gewachsen. Wir wollen jetzt einzelne Spieler für das EM-Team zusammenstellen – das Team also nominieren, mit dem Ziel, den jeweils besten Spieler auf seiner Position zu finden. Wir sind der Meinung, dass wir so eine stärkere Mannschaft stellen können als mit einem Qualifikationsturnier. Bis Anfang Juni müssen zehn Spieler feststehen, die dann in einem zweitägigen Trainingscamp bewertet und auf ihr Zusammenspiel in der Mannschaft getestet werden.“

Stattfinden soll dieses EM-Qualifikationscamp an einem Ort, der für alle Beteiligten den kürzesten Anfahrtsweg bedeutet. Trainer und Berater in dieser Nominierungsphase sollen laut DPV weder Thomas Winter noch Christopher Kirsch sein. Einer oder beide – Thomas Winter und/oder Christopher Kirsch – seien schließlich als Trainer und Coach vor Ort in Chantilly denkbar, so Baumgärtner. Das Engagement des Deutschen Polo Verbandes für die EM-Teilnahme nimmt also auch strukturelle Formen an. Bislang sind dem EM-Team vom DPV zwischen 10.000 und 15.000 Euro für Fahrtkosten und Infrastruktur zur Verfügung gestellt worden. „Wir haben spielerisch das Potenzial, vorne mitzuspielen“, so Baumgärtner. „Einige junge Spieler aus der Hamburger Polo Schule von Thomas Winter zeigen bereits erstaunliche Leistungen und können die bisherigen deutschen Grenzen durchaus sprengen. Aber Erfahrung ist auch ein nicht zu unterschätzender Faktor. Wir müssen nach der Sichtung der Interessenten schauen, welche Spieler zur Verfügung stehen. Bisher ist das Interesse nicht sehr hoch. Wir hoffen aber, dass sich bis zum Nennungsschluss Anfang April noch weitere Spieler melden.“