Dirk Baumgärtner, Präsident Düsseldorfer Polo & Country Club und 2. Vorsitzender des Deutschen Polo Verbands (DPV), spricht mit POLO+10 über die Entwicklungen im Düsseldorfer Polo & Country Club, den Berenberg High Goal Cup und seine Arbeitsschwerpunkte im PDV-Präsidium.

Wie hat sich der Düsseldorfer Reit- & Polo-Club in den vergangenen Jahren entwickelt und wie sieht heute die Infrastruktur aus (Anzahl Pferde, Spieler, Mitglieder)?
Polo in Düsseldorf wurde schon seit den 60er Jahren gespielt, damals noch mit Offizieren der britischen Rheinarmee. Anfang der 70er wurde die heute von uns genutzte Reit- und Poloanlage unter Initiative von Stephan Glasmacher erbaut. Der Club in der heutigen Rechtsform ging aus dem seit 1976 auf der Anlage ansässigen Reitverein „Düsseldorf Angermunder Reiterverein“ hervor. Das Clubgelände war von Beginn an auf Reit- und Polosport ausgelegt. Wir haben zwei Turnierpoloplätze und einen etwas kleineren dritten Poloplatz, eine Reitbahn von ca. 1,4 km Länge, einen Dressurplatz 20 x 60 Meter, eine Reithalle 20 x 40 Meter, einen (Rasen-)Springplatz sowie 90 Boxen.

Durch den Tod des Mehrheitsgesellschafters meines Vaters Waldemar Baumgärtner 1996 wurden auch die Poloaktivitäten zurückgenommen. 1997 fand das damals letzte High Goal Turnier in Düsseldorf statt. 2007 wurden die Turnieraktivitäten wieder aufgenommen. Seit dieser Zeit wird einmal jährlich zusammen mit Berenberg ein High Goal Turnier veranstaltet. Ende 2013 belebte sich auch das Clubleben wieder stärker. Heute haben wir 7 aktive Spieler mit 26 Pferden auf der Anlage. Mit Spielern aus der Umgebung spielen wir regelmäßig Club Chukker auf einem Niveau von ungefähr 8 Goals.

Welche Rolle spielt der Düsseldorfer Club für den Polosport im Rheinland und in ganz Deutschland?
Der Düsseldorfer Reit- & Polo-Club war Ende der 80er / Anfang der 90er voll in den benachbarten Polozirkus integriert. Der St. Moritz Polo Club als auch der Züricher Polo Club waren im Sommer feste Gäste in Düsseldorf. Von jeher hatte die Anlage wegen der guten Poloplätze und sonstigen Infrastruktur eine hohe Anerkennung und viele Mannschaften wollten gerne in Düsseldorf spielen. Von der Mitgliederanzahl waren wir nie ein großer Polo Club, aber vom sportlichem Niveau war Düsseldorf immer der stärkste Club im Rheinland. Es wurde bis zu +15 Goal Polo gespielt und selbst seit der Wiederbelebung 2007 haben wir bereits zweimal +14 Goal Polo gespielt.

Seit wann sind Sie Präsident? Wie kam es dazu, dass Sie dieses Amt übernommen haben?
Das weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich war seit Ende der 80er Vorstandsmitglied als Verantwortlicher für die Finanzen. 1. Vorsitzender dürfte ich Ende der 90er geworden sein. Zu diesem Zeitpunkt wurde aber auch die Betriebsführung der Gesamtanlage weg vom gemeinnützigen Verein in privatrechtliche Strukturen vollzogen. Seitdem ist der Düsseldorfer Reit- & Polo-Club e.V. sportlicher Träger. Damit war die Doppelfunktion als Eigentümer und Clubvorsitzender nicht mehr so stark mit einem Interessenkonflikt verbunden.

Was würden Sie gerne noch am Erscheinungsbild und der aktuellen Situation des Düsseldorfer Polo Clubs ändern?
Mit einem Gesamtgelände von 300.000 qm sind wir eigentlich gut aufgestellt. Was immer ein Problem bei Veranstaltungen ist, sind Parkflächen. Aber inzwischen haben wir mit den örtlichen Behörden ein gutes Verhältnis. Bisher haben wir immer zu einvernehmlichen Lösungen gefunden.

Weiterhin würde ich gerne das nördlich angrenzende Ackerland von ca. 70.000 qm kaufen, um ein weiteres Full-Size Polofeld zu bauen. Aber die gräfliche Familie Hatzfeld hat keinerlei Interesse an einem Verkauf oder der Verpachtung. Weiterhin könnten wir auch noch mehr Weideflächen gebrauchen. Aber von Osten und Süden begrenzt der Kalkumer Forst das Gelände und von Westen gibt es eine befriedete Ausgleichsfläche des Internationalen Flughafen Düsseldorf.

Wie haben sich die Zuschauerzahlen beim Berenberg High Goal Cup in den vergangenen Jahren entwickelt?
Oh, die Zuschauerzahlen merke ich mir kaum. Was aber in Düsseldorf deutlich ist, dass es einen großen Zuspruch zahlender Zuschauer gibt. Also nicht nur geladene Gäste, sondern Poloenthusiasten. Es kommen auch immer noch Zuschauer, die bereits in den 80er und 90er beim Polo dabei waren. Über die Jahre ist fast ein freundschaftliches Verhältnis entstanden.

Sie sind auch Mitglied im DPV-Präsidium. Was konnten Sie dort bisher erreichen und wo sehen Sie die wichtigsten Arbeitsschwerpunkte?
Die Arbeit innerhalb des Präsidiums des Deutschen Polo Verbandes (DPV) darzulegen, würde den Rahmen sprengen. Es sei nur angemerkt, dass die Hauptarbeit darin liegt, den Polospielern und vor allem ausländischen Gastspielern die Bedeutung des DPV zu vermitteln. Im Polo denkt man immer noch, dass jeder machen kann, wie er es denkt und vielleicht auch jahrelang gemacht hat. Die satzungsmäßigen Festlegungen etc. sind doch von uns selber gemacht worden. Warum befolgen wir dann unsere Regeln nicht? Oder versuchen sie durch Satzungsänderungen zu verbessern und den sich geänderten Umständen im Polo anzupassen. Das ist um so unverständlicher, weil eigentlich alle Polospieler das Vereinigte Königreich mit der HPA als Vorbild heranziehen. Die HPA hat aber keine Probleme sich darzustellen und Pologrundsätze durchzusetzen. Bei der konkreten Arbeit ist vor allem der Anti-Doping-Code hervorzuheben. Es ist nun endlich gelungen, einen vollständigen allumfassenden Anti-Doping-Code für Pferd und Reiter zu erarbeiten. Schon seit einigen Jahren werden Medikationskontrollen genommen. Weiterhin ist der Jugendausschuss neu besetzt und aktiv geworden. Erstes Ergebnis ist, dass es wieder eine Deutsche Jugendmeisterschaft geben wird. Weiterhin wird Thomas Winter Kadertrainings abhalten.

Was fasziniert Sie am Polosport ganz besonders?
Das Faszinierende am Polo ist das Zusammenspiel von Pferd und Reiter, Geschwindigkeit und Taktik und der (Zwei-)Kampf zwischen den einzelnen Spielern und den Mannschaften. Allein schon wegen der langen Zeit, die ich Polo spiele, ist es ein großer Teil meines Lebens. Über Polo habe ich viele interessante Leute und auch Länder und Städte auf der ganzen Welt kennengelernt. Wie schon Winston Churchill sagte: „A Polo Handicap is Your Passport to the World!“

Welches sind Ihre favorisierten Poloturniere?
Poloturniere gibt es viele schöne. Am allerliebsten habe ich aber unser eigenes Turnier hier in Düsseldorf. Der Berenberg High Goal Cup ist eine gelungene Mischung aus Leistungssport und gesellschaftlichem Treffpunkt. Aber Saint Tropez ist wegen des Klimas aktuell einer meiner liebsten Turnierorte. Das beeindruckendste war vielleicht das Turnier in Manipur / Indien 1991, wo wir am Geburtsort des Polo an einem internationalen Poloturnier vor ca. 20.000 Menschen gespielt haben.

Und Ihr liebstes Pololand?
Pololand ist eindeutig Argentinien. Ich war 1982 das erste Mal in Argentinien und blieb gleich für sieben Monate. Ich war dort zu Gast bei der Familie Zimmermann, bei denen ich wie ihr 6. Kind aufgenommen wurde. Ich war dann bis 1986 jedes Jahr für zwei bis drei Monate bei den Zimmermanns, hatte meine eigenen Pferde und habe mit ihnen Turniere des argentinischen Poloverbands gespielt. Nicht die heute üblichen ProAm Turniere gegen Bezahlung. Aber in den vergangenen Jahren ist das Polo in Argentinien sehr stark kommerzialisiert worden, vor allem im November in und um Buenos Aires. Weiter im Landesinneren ist der Polosport aber noch sehr ursprünglich.

Über Dirk Baumgärtner
Geboren: 27.03.1961 in Duisburg
Studium: Betriebswirtschaft an der Universität Münster mit Abschluss Diplom-Kaufmann
Beruf: Unternehmer, nach dem Verkauf seiner Maschinenbauunternehmen 2009 verwaltet er sein privates Vermögen und seine Immobilien
Hobby: Oldtimer sammeln und Oldtimer-Rallyes fahren
Pferdesport: Dirk Baumgärtner reitet seit seinem fünften Lebensjahr, Schwerpunkt Dressur bis zur Grand Prix Klasse, „1976 sind wir mit unseren Reit- und Dressurpferden in den Polo Club eingezogen“
Polo: spielt er seit 1981, sein höchstes Handicap war +3, welches er 1988 in Argentinien und 1989 auch in Deutschland erhielt

Düsseldorfer Reit- & Polo-Club e.V.
Tel.: 0211 405 49 87,
Mail: dpcc.polo@baumgaertner.eu.com