Die beiden Münchnerinnen Regina Jage und Barbara Schütz (Redaktion) arbeiten aktuell zusammen mit Polo+10 (Layout) am großen Jubiläumsbuch des Deutschen Polo Verbandes (DPV). Am 12. Mai 2012 wird das Jubiläumsbuch beim Bucherer Polo Cup in München vorgestellt – und damit an eine Tradition angeknüpft, die 1987 eingeschlafen war. Ein Schulterblick auf das „Making of…“ des mit Spannung erwarteten Polobuchs.

Bitte stellen Sie sich kurz als die beiden Autorinnen vor.
Regina Jage: Ich bin durch meinen Mann, Wolf Jage, zum Polo gekommen. Wolf ist „Polo-Enthusiast“ und aktiver Spieler seit 1974. Die Berliner Poloszene hat er in den 70er Jahren sehr geprägt. Seine Polobegeisterung hat auch mich angesteckt und mittlerweile ist mir die deutsche Polocommunity seit 1994 bestens bekannt.

In zehn gemeinsamen Jahren in Berlin habe ich die Entwicklung der Poloszene in Norddeutschland miterlebt, da ich meinen Mann zu vielen Poloturnieren begleitet habe. Seit einigen Jahren leben wir in München und sind im Bavaria Polo Club in Holzkirchen aktiv. Bei den Recherchen für das Buch habe ich gemerkt, wie wertvoll und hilfreich meine deutschlandweiten Kontakte zur Poloszene sind. Selbst spiele ich seit 15 Jahren Polo und kann der Aussage „Polo verändert das Leben“ nur zustimmen!

Barbara Schütz: Ich bin seit Kindesbeinen mit dem Pferdesport verbunden und habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Während meines Landwirtschaftsstudiums habe ich mich ziemlich bald auf Pferdezucht, -haltung und den Pferdesport spezialisiert. Nach Praktika in der Futtermittelindustrie, der Pferdezucht und im Pferdestallbau habe ich meine Diplomarbeit und den „Irish National Stud Breeding and Management Course 2002″ mit mehreren Auszeichnungen absolviert. Nach meiner Zeit in Irland habe ich das Vollblutgestüt „Gestüt Isarland” am Starnberger See als „Assistant Manager” geleitet und in diesem Zusammenhang auch die Ausbildereignung für Pferdewirte „Zucht und Haltung“ erworben.

Zum Polosport kam ich vor ungefähr sechs Jahren und bin seitdem mit dem Polovirus infiziert. Der Sport und die Pferde haben mich so fasziniert, dass ich mich vor allem bei Argentinienreisen intensiv mit den Strukturen des Sports und der Pferdezucht beschäftigt habe. Seit 2005 arbeite ich in der Tierabteilung eines landwirtschaftlichen Spezialversicherers und wurde in einem hippologischen Taxationsseminar ermuntert, die Sachverständigenausbildung zu beginnen. Nach diversen juristischen Kursen, Bewertungsseminaren und einer abschließenden Prüfung wurde ich im Januar 2009 für den Polopferdesport öffentlich bestellt und beeidigt (Bestellungsbehörde: Regierung von Oberbayern).

Im Dezember 2010 habe ich zusammen mit dem argentinischen Poloprofi und -trainer Santiago Schweitzer das Buch „Polo Basics“ in deutscher und englischer Sprache veröffentlicht. Polo ist für mich ein Sport, der als Hobby begann und mittlerweile zum festen Bestandteil meines Lebens geworden ist.

Wie ist die Idee für das Jubiläumsbuch entstanden?
Regina Jage: Seit Jahren stehen in unserem Bücherregal die Jahrbücher des Deutschen Polo Verbandes (DPV) von 1976 bis 1987. Häufig haben wir und unsere Gäste in diesen Büchern geblättert und fanden es sehr schade, dass es diese Jahrbücher nicht mehr gibt. Im Herbst 2010 bin ich an das Präsidium des DPV mit dem Vorschlag herangetreten, die Organisation eines Jahrbuchs/Jubiläumsbuchs zu übernehmen. Die Idee wurde begeistert aufgenommen und ich wurde beauftragt, die Kosten für das Projekt zu ermitteln.

Barbara Schütz: Als Regina Jage mir die Idee eines Jubiläumsbuches vorstellte, war ich sofort begeistert. Natürlich habe ich mich auch sehr gefreut, als sie mich fragte, ob ich mit ihr zusammen an diesem Projekt arbeiten möchte. Wie Regina bereits erwähnte, ist es sehr schade, dass die Jahrbuchreihe nach 1987 nicht mehr fortgesetzt wurde.

Welche Hindernisse galt es zu überwinden, bevor Sie starten konnten?
Regina Jage: Satzungsgemäß erforderte das Projekt nicht nur die Zustimmung des Präsidiums, sondern des gesamten Vorstands des DPV. Bei der letzten Vorstandssitzung im Oktober 2011 in München habe ich das Projekt vorgestellt. Für meine Aussage „es soll ein objektives Buch über den Polosport in Deutschland werden“ erntete ich schallendes Gelächter. Immer wieder tauchte die Frage auf: „weißt du, was du dir da antust?“ Mir war bewusst, dass ein großer Zeitaufwand und viel Geduld erforderlich sein würden.

Trotzdem habe ich diese Herausforderung gerne angenommen, da ich mir sicher war, mit Barbara Schütz eine Teampartnerin gefunden zu haben, mit der sich dieses Projekt in einem vertretbaren Zeitrahmen umsetzen lässt. Der Arbeitsaufwand ist nun zwar doch höher als gedacht – aber wir haben beide keine Minute daran gedacht, das Projekt abzubrechen.

Barbara Schütz: Dem kann ich nur zustimmen, die Arbeit am Buch ist sehr arbeitsintensiv, aber auch höchst interessant! Vieles mussten wir in Kleinstarbeit recherchieren, da es kein Archiv gibt, auf das wir zurückgreifen können. In den vergangenen Wochen wurden wir tatkräftig von der Poloszene unterstützt und haben viele Informationen sammeln können. Vor allem unsere Recherchen und Gespräche in Hamburg waren sehr hilf- und aufschlussreich.

Warum haben Sie sich für Polo+10 als Partner entschieden?
Regina Jage: Nachdem das Autorenteam aus Süddeutschland kommt, wollten wir gerne zur Umsetzung der Idee eines „objektiven Buches“ einen Verlag aus Norddeutschland zur Gestaltung des Buches engagieren. Gemeinsam mit dem Präsidium des DPV haben wir uns für den Polygo Verlag und Polo+10 entschieden.

Wann und wie wird das Buch der Öffentlichkeit präsentiert?
Regina Jage: Geplant ist, dass das Jubiläumsbuch am 12. Mai 2012 im Rahmen des Bucherer Polo Cups in Holzkirchen präsentiert wird. Sozusagen auf „historischem Boden“: In Holzkirchen/Thann wurde vor 40 Jahren die erste Deutsche High Goal Meisterschaft ausgespielt und die Gründung des DPV verkündet.

Was erwartet die Leser und sind Folgeausgaben geplant?
Regina Jage: Es wird ein Nachschlagewerk über die Deutschen Meisterschaften aller Klassen, Jugendmeisterschaften sowie Statistiken über die Entwicklung des Sports in Deutschland. Die Struktur des DPV und Schiedsrichterwesen sowie Jugendförderung/Jugendcamps sind weitere Themen des Buches. Zusätzlich werden alle deutschen Poloclubs mit Text und Bildern präsentiert. So „nebenbei“ ist für den Deutschen Polo Verband ein Archiv entstanden.

Die Unterlagen und Dokumente werden bei Projektende der Geschäftsstelle übergeben. Wir können uns sehr gut vorstellen, dass das Jubiläumsbuch Basis für weitere Jahrbücher ist. In den darauffolgenden Jahrbüchern könnte näher auf das Clubleben eingegangen sowie Turnierberichte über die abgelaufene Saison veröffentlicht werden.