Grußwort und Interview mit Hans Albrecht von Maltzahn, Präsident Deutscher Polo Verband (DPV) zur neuen Ausgabe von Polo+10.


GRUSSWORT HANS ALBRECHT VON MALTZAHN
Gesunde Balance
High Goal oder Grass Roots Polo? Hans Albrecht von Maltzahn, Präsident des DPV, mit den Zukunftsfragen
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Polo hatte auch in 2010 ein spannendes Jahr mit vielen sportlichen Höhepunkten: Erwähnt sei hier die High Goal Meisterschaft, nach vielen Jahren erstmalig wieder auf dem legendären Berliner Maifeld, oder die Europameisterschaft vor traumhafter Schlosskulisse in Ebreichsdorf vor den Toren Wiens. Ausdrücklich erwähnen möchte ich auch die vielen Turniere in ganz Deutschland. Alle Veranstaltungen haben eines gemeinsam: Sie wurden auch dieses Jahr wiederum nur ermöglicht durch größtes persönliches und teilweise auch finanzielles Engagement. Polo wird nicht nur in Deutschland getragen und gestaltet durch engagierte Individualisten.

Auch die diesjährige Vorstandssitzung des DPV war wieder geprägt von den unterschiedlichen Ansichten und Erwartungen an den geliebten Polosport. Die Vorstände der bundesweiten Poloclubs und die Mitglieder des DPV-Vorstandes setzten sich sehr engagiert auseinander. Hauptthema war die Festlegung der Spielklassen. Es fielen auch dieses Jahr nicht nur Entscheidungen, die mit den Zielen des Präsidiums konform gehen. Aber das ist eben Demokratie – auch im Polosport. Einstimmig wurden das beste Team und die zwei besten Spieler gewählt. Über die Wahl habe ich mich persönlich sehr gefreut. Die Wahl steht für die jahrelange Ausbildungsarbeit des Norddeutschen Poloclubs, ermöglicht durch das beispiellose Engagement von Daniel Crasemann und die konsequente Arbeit von Klaus und Thomas Winter vom Hamburger Pologestüt.

Wie die lebhafte DPV-Sitzung wieder belegt hat, wird es auch in Zukunft weiter darum gehen, wie der Polosport in Deutschland auf- und ausgebaut werden soll. Wir brauchen sportlich hochklassiges High Goal Polo, wir brauchen ebenso „Grass Root Polo“ für den größten Teil der DPV-Mitglieder und Einsteiger in den unteren Spielklassen. Vor allem aber immer noch mehr Förderung der Jugend. Beeindruckendes Engagement zeigen hier seit Jahren der Norddeutsche Poloclub, der Berliner Poloclub sowie Uwe Schröder und Stephan Louis. Meine Zukunftspläne? Ich werde mich weiter darum bemühen, den „Dawnay Test“ meines guten alten irischen Freundes Major Hugh Dawnay in Deutschland populär zu machen. Seine vorgeschlagenen Übungen sind einfach sensationell. Mein Vorschlag auf der Vorstandssitzung war, den Test als Clubmeisterschaft auszutragen und vielleicht den Besten bundesweit mit einem Pokal zu küren. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre des Polo+10 Magazins.



INTERVIEW
Hans Albrecht Freiherr von Maltzahn, Präsident des Deutschen Polo Verbandes (DPV), über die Turniere der Polosaison 2010, Nachwuchsarbeit, die Zukunft des Polosport in Deutschland und sein letztes Turnier.

Welches waren die wichtigsten Ereignisse für den DPV in diesem Jahr 2010?
Maltzahn: Zuerst einmal die Europameisterschaft in Ebreichsdorf bei Wien. Im Vorfeld hatte sich die Stewardsitzung im Oktober 2009 für ein Auswahlturnier in Aspern entschieden. Leider kamen aber nur zwei Mannschaften zu diesem Termin und die Mannschaft von Christopher Kirsch mit Eva Brühl, Robert Lindner und Federico Heinemann gewann nur knapp. Mein Vorschlag war, eine Kommission zu beauftragen, die die besten Spieler (und dazu gehören auch die besten Pferde) für das Nationalteam auswählen. Mehrheitlich war man für Ausscheidung. Schade! Besonders gelungen war auch die High Goal Meisterschaft zum ersten Mal wieder auf dem traditionsreichen Maifeld am Olympiastadion in Berlin. Dank der Familie Gädeke hatte der Berliner Senat dem Vorhaben zugestimmt. Auch im kommenden Jahr soll diese Meisterschaft in der höchsten Spielklasse dort wieder ausgetragen werden.

Wie hat sich der Deutsche Polo Verband über das Jahr entwickelt? (Mitgliederzahlen, Austritte, Präsidium?)
Maltzahn: Das neue Präsidium hat sich in mehreren Sitzungen getroffen und ist den sehr großen Arbeitsaufwand mit frischem Elan angegangen. Es gab einige Stolpersteine in Bezug auf unsere Satzung, die in manchen Punkten praxisfremd ist. Eine gewählte Kommission soll sich um Änderungsvorschläge kümmern. Es wurden 27 neue Mitglieder aufgenommen.

Hat es in diesem Jahr nennenswerte Veränderungen bei den Handicaps gegeben?
Maltzahn: Die Handicaps wurden gerade auf der letzten Jahresversammlung Ende Oktober in Berlin nach ausgiebiger Diskussion erheblich angehoben. Die Liste der neuen Handicaps ist auf der Internetseite des Deutschen Polo Verbandes veröffentlicht.

Wie viele DPV-Turniere haben in diesem Jahr stattgefunden? Ist die Zahl weiter gestiegen?
Maltzahn: Der Terminkalender war wieder voll und viele Wochenenden überschnitten sich in den verschiedenen Spielklassen. Bemerkenswert ist auch die Entwicklung des Beach Polo. In diesem Jahr gab es neben Timmendorfer Strand und Sylt zum ersten Mal Turniere auf Usedom und Rügen.

Immer mehr Turniere und kaum noch genügend Polospieler – wo sehen Sie für die Anzahl der Poloturniere in Deutschland die Obergrenze?
Maltzahn: Es gab in diesem Jahr schon das eine und andere Problem, genügend Spieler für die Turniere zu finden. Es bleibt dann den Veranstaltern überlassen, die Turniere attraktiv zu gestalten.

Wie schätzen Sie persönlich die gesamte Entwicklung des Polosports in Deutschland ein?
Maltzahn: Der Polosport wird weiter wachsen. Immer neue „Zellen“ entstehen, die sich um einige Initiatoren bilden. Das Präsidium und der Vorstand des DPV unterstützen die Neugründungen bei ihrem Weg in die satzungsgemäße Mitgliedschaft in den DPV.

Wie viele deutsche Polospieler gibt es in diesem Moment?
Maltzahn: Laut Handicapliste gibt es derzeit 273 deutsche Polospieler und 57 Gastspieler. Im laufenden Jahr sind 27 Spieler neu im Verband aufgenommen worden.

Und wie viele haben in diesem Jahr mit dem Polosport begonnen?
Maltzahn: Die genaue Zahl ist schwer zu ermitteln. Es vergehen in der Regel einige Jahre, bis ein neuer Spieler im DPV aufgenommen wird. Erst wenn er oder sie Turniere spielen will und dazu ein offizielles Handicap benötigt, führt der Weg zur DPV-Mitgliedschaft.

Steigt die Zahl der Anfänger kontinuierlich an?
Maltzahn: Die Zahl der Jugendlichen, die an Jugendcamps und der Jugendmeisterschaft teilnehmen, steigt von Jahr zu Jahr.

Und unternimmt der DPV besondere Maßnahmen, um auch Erwachsene vermehrt in den Sport zu bringen?
Maltzahn: Die Initiative, neue Spieler zu werben, liegt bei den einzelnen Clubs bzw. bei einzelnen Spielern. Dabei kommt es immer wieder darauf an, geeignete Pferde zur Verfügung zu stellen. Das funktioniert eigentlich nur in den etablierten Poloschulen.

Wie ist es um die Balance zwischen High und Low Goal Veranstaltungen in Deutschland bestellt?
Maltzahn: In diesem Jahr wurden sehr viel mehr Low Goal Turniere angeboten und dankbar angenommen. Eine Neuheit ist für das nächste Jahr geplant. Die Deutsche Medium Goal Meisterschaft (bis + 6) wird ähnlich wie bei der Low Goal Meisterschaft nur für deutsche Spieler ausgeschrieben und findet bei Wolfgang Kailing in Maspe bei Hannover statt. Argument für diese Entscheidung war die erfreuliche Entwicklung der Spielerstärke in Deutschland und die Möglichkeit, ohne Profis zu spielen. Es soll vor allem auch den jungen Nachwuchstalenten die Chance geben, ihr Können unter Beweis zu stellen. In Zukunft wollen wir wie andere europäische Länder auch eine Nationalmannschaft aus Jugendlichen aufstellen können.

Wie sind die Veranstaltungen für die Jugend- und Nachwuchsspieler gelaufen? Soll hier in den nächsten Jahren noch mehr Engagement investiert werden?
Maltzahn: Momentan ist es in erster Linie die Poloschule Winter, die exzellente Nachwuchsspieler hervorgebracht hat. Mit ihrem FIP Polo Jugendcamp und der Austragung der Deutschen Jugend Polo Meisterschaften hat sie wesentliche Akzente gesetzt. Dr. Inge Schwenger vom Berliner Polo Club engagiert sich seit vielen Jahren und führt jährlich mit großem Erfolg ihr internationales Jugend Polo Camp durch und zum Abschluss das Berliner Jugendchampionat. Auch im Süden möchte man sich stärker engagieren in der El Condor Polo Schule von Carlito Velazquez. Im Polo Club Landsberg-Ammersee e.V. wurde in diesem Jahr im Juli erstmalig ein „Childrens Day“ mit Reiterspielen und Polo organisiert und im September ein Kompakt-Kurs für Kids mit Chris Kiesel angeboten.

Wie ist derzeit die Situation des Weltverbandes, der Federation of International Polo (FIP)?
Maltzahn: Bei der FIP ist wieder Ruhe eingekehrt. Argentinien wird 2011 die Weltmeisterschaft austragen. Darüber hinaus wird derzeit eine Reihe von sogenannten „Ambassador Cups“ in verschiedenen Teilen der Welt ausgetragen. Am Rande der Eu-ropameisterschaft fand eine Sitzung der FIP statt, bei der die Austragungsorte für die Qualifikationsspiele für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft verhandelt wurden. Auch bei der FIP gilt die Erfahrung, dass es immer einzelne Persönlichkeiten sind, die mit ihrem Engagement den Sport voranbringen.

Welches war für Sie ganz persönlich der bewegendste Polomoment in diesem Polojahr?
Maltzahn: Eindeutig das Miterleben der begeisternden Jugendmannschaft aus Hamburg bei der Deutschen Low Goal (Amateur) Meisterschaft in Berlin. Es war auch mein Abschiedsturnier. Mit inzwischen 76 Jahren werde ich in Zukunft keine Turniere mehr spielen.

Was wünschen Sie dem deutschen Polosport im kommenden Jahr?
Maltzahn: Viele unfallfreie Turniere und besseres Wetter als in diesem Jahr. Dem neu gebildeten Schiedsrichterausschuss unter ihrem Vorsitzenden Alexander Schwarz wünschen wir, in der Entwicklung des Schiedsrichterwesens im DPV neue Impulse zu setzen. Es geht um die Regelkunde jedes einzelnen Spielers und die Leistung des Schiedsrichters. Ein fairer Umgang ist dringend erforderlich. Heinrich Hasperg formuliert es in seinem Buch von 1907 so: „Wenn man den Schiedsrichter nicht mit größter Liebenswürdigkeit behandelt, wird man schwerlich jemand finden, der dieses undankbare Amt übernimmt.“

Und was haben Sie sich für das nächste Jahr und die kommende Polosaison 2011 vorgenommen?
Maltzahn: Als Präsident des DPV mein Möglichstes dazu beizutragen, dass wir uns als Sportgemeinschaft verstehen im Geist gegenseitigen Respekts und fairen Verhaltens sowie Kameradschaft gegenüber jedem Einzelnen.