Text: John Francis Jackson

Als Adolfo Cambiaso im Dezember 2013 gemeinsam mit seinem Team La Dolfina die Argentine Open gewann, war es keine Überraschung, als eins seiner Pferde, Chocolate, den Susan Townley Cup gewann und damit als Best Playing Pony des Turniers ausgezeichnet wurde. Immerhin soll Cambiasos riesige Herde angeblich aus über 1.000 Pferden bestehen. Er hat einen beachtlichen Betrag in sein „Embryotransfer-Programm“ investiert und ist das Wagnis eingegangen, Pferde zu klonen.

Tatsächlich war es dann auch sein Klon Show Me, der während der Open alle Aufmerksamkeit auf sich zog, da es der erste Klon war, der jemals bei einem der großen Turniere gespielt hatte. Aber am Ende erhielt Chocolate die begehrte Auszeichnung. Während des gesamten Finalspiels rief der Ansager “Sho-co-LAH-te” (Aussprache von „Chocolate“ im Spanischen). Die größte Überraschung war, dass Chocolate nicht aus Cambiasos Herde stammte. Und obendrein kam er nicht einmal aus Argentinien.

Argentinien ist bekannt dafür, die besten Poloponys der Welt hervorzubringen. Adolfo Cambiaso gilt als der beste Polospieler der Welt, nicht nur gegenwärtig, sondern aller Zeiten. Aber dieses Mal schlug ein „loaner“ (ein Ausgeliehener), gespielt von Cambiaso, die Besten der Besten.

Kurz nach dem Finale wurde eine Glückwunschnachricht vom El Dorado Polo Club aus der Stadt Indio in Kalifornien im Internet veröffentlicht, in der stand, dass Chocolate ein „off-the-track“-Rennpferd (ein reinrassiges Rennpferd, das bei Rennen aber keinen Erfolg gehabt hatte) aus dem südlichen Kalifornien war. Das war eine Sensation. Es kommt sehr selten vor, dass andere Pferde als argentinische Poloponys auf dem hohen Wettbewerbslevel der Argentine Open mitspielen. Und es ist noch verblüffender, dass ein Rennbahn-Außenseiter die rare Auszeichnung als Best Playing Pony erhält. Wie das Sprichwort sagt: „If it sounds too good to be true, it probably is” (Wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist es das wahrscheinlich auch.”)

Tatsächlich ist Chocolate KEIN „off-the-track“-Rennpferd. Er wurde in Kalifornien gezüchtet und geboren und sein Stammbaum beinhaltet polospielende Vorfahren.

Wenn Rennpferde es nicht schaffen, auf der Rennbahn zu gewinnen oder eine gute Platzierung zu erreichen, können ihre Besitzer wenig mit ihnen anfangen und oftmals werden sie dann für einen geringen Preis verkauft. Damit werden sie zu einer bezahlbaren Quelle an „Horsepower“ für viele Polospieler, besonders in den USA und Südafrika. Rennpferde sind fast immer reinrassig und sie werden unter High Goal Polospielern bevorzugt.

Allerdings sind nicht alle Rennpferde für den Polosport geeignet. Rennpferde tendieren dazu, groß und hoch aufgeschlossen zu sein. Im Polo sollte ein Pferd aber nicht höher als 160cm (Stockmaß) sein. Das Pferd sollte einen kurzen und biegsamen Rücken haben, kurze Schienbeine und einen beweglichen Hals. Das ist wichtig wegen des ständigen Stoppens und Wendens, das im Polo unvermeidlich ist.

Ein Rennpferd wird von Anfang an darauf trainiert, immer voranzugehen, geritten und geführt zu werden. Ein Rennpferd wird nicht am Hals gezügelt, etwas, das bei einem Polopony erforderlich ist. Außerdem ist der mentale Zustand des Pferdes wichtig. Reinrassige Rennpferde neigen dazu nervös zu sein oder auch heißblütig. Poloponys müssen ruhig und gelassen sein, sowohl während des Spiels als auch in der Gegenwart anderer Pferde. Alle diese Faktoren sind Gründe dafür, dass Rennpferde so selten zu guten Poloponys gemacht werden können.

Chocolate, ein rotbrauner Wallach, wurde im Juni 2003 im Santa Ynez Valley im südlichen Kalifornien geboren. Seine Eltern waren beide Rassepferde. Sein Vater Morning Star ist Eigentum von Joel Baker. Seine Mutter Empress gehörte Ken Berry, der auch Chocolates erster Besitzer war. Bezüglich der Herkunft der Mutter scheint es unterschiedliche Ansichten zu geben. Joel Baker behauptet, dass Empress kein „off-the-track“-Rennpferd war, während Ken Berry eine andere Geschichte erzählt.

Berry: „Ich kaufte Empress von einem Polospieler namens Brad Ramsby, der mir heute (16. Dezember 2013) erzählt hat, dass er die Stute von Danny Juarez gekauft hat, einem Polospieler und Trainer von der Westküste. Dieser soll Empress von der Rennbahn aufgekauft und sie trainiert haben. Ich habe Empress fast zehn Jahre lang geritten. Ein tolles Polopony!“

Die Abstammung von Morning Star ist eindeutiger. Er ist eines von Joel Bakers selbstgezüchteten Rassepferden. Baker: „Als ich Morning Stars Vater Pascanell kaufte, war er ein sechs Monate altes Fohlen. Er war ein bisschen klein, aber sehr gut erzogen. Russel Drake, der Leiter der River Edge TB Farm (nahe Buellton, Kalifornien) kaufte ihn bei einem Verkauf für Rassepferde. Er sagte mir, ich solle ihn nicht einreiten, sondern nur für die Zucht benutzen. Ich legte los und trainierte ihn für das Polospielen.

Morning Stars Großmutter Wisteria wurde von Eddy Moore (einem früheren +9 Goaler aus Argentinien) an Michael Butler verkauft, damit Stuart Mackenzie (+9 Goaler aus Neuseeland) in den 70ern auf ihr spielen konnte. Ich konnte sie von Michael kaufen und sie wurde eines meiner besten Pferde in den späten 70ern und frühen 80ern. Sie war eines der Pferde, die wir mit nach Argentinien nahmen, um im Cup of the Americas mitzuspielen. Morning Star selbst hat über 40 Fohlen gezeugt, die alle gut geeignet für das Polotraining waren. Er ist jetzt 18 und immer noch sehr fruchtbar.“

Ken Berry betrachtet Empress als die beste Stute, auf der er jemals Polo gespielt hat. Der argentinische Polospieler Santiago Trotz spielte auf Morning Star Polo und riet Ken, dass er Empress mit dem Hengst paaren sollte. Berry: „Wir kreuzten Empress mit Morning Star, dem Hengst von Joel Baker. Chocolate ist das erste von drei Fohlen, die von den beiden abstammen. Mein Stallbursche Honorio Ramirez hat Chocolate und auch die anderen beiden eingeritten und für Polo trainiert. Ich hatte das Glück, Chocolate drei Jahre spielen zu können, bis Santiago Trotz mich ermutigte, ihn im High Goal Polo zu verkaufen.“

Und dies tat Berry vor einigen Jahren, als er Chocolate an Bob Jornayvaz verkaufte. Jornayvaz ist der Playing Patron des Teams Valiente in den USA. 2013 erreichte Valiente das Finale der US Open. Adolfo Cambiaso spielt für Valiente. Santiago Trotz vermittelte den Deal, bei dem Chocolate an Jornayvaz verkauft wurde.

Durch Jornayvaz und Valiente begegnete Adolfo Cambiaso Chocolate. Er bat darum, den Wallach in den Argentine Open spielen zu dürfen. Offensichtlich sah Cambiaso etwas, das ihm gefiel. Durch ihn wurde das in Amerika geborene Polopony Chocolate, als dieses im Finale der Argentine Open spielte, auf den höchsten Rang erhoben, den es je erreichen konnte.

Chocolate wird als ein Außenseiter in die Geschichtsbücher eingehen, der sich der Situation gewachsen zeigte. Es ist gut zu wissen, dass Argentinien kein Monopol auf die besten Poloponys besitzt. Aber dennoch ist Chocolate alles andere als ein „Racetrack Reject“. Gute Poloponys brauchen Zeit und Geduld. Eine gute Zucht kann dabei sehr hilfreich sein.