Caspar West ist Polo Manager im weltberühmten Beaufort Polo Club in England und beim Snow Polo World Cup 2015 in Kitzbühel erneut Hauptschiedsrichter. Zusammen mit Tito Gaudenzi hat er die offiziellen Poloregeln der Hurlingham Polo Association analysiert und an die Besonderheiten des Snow Polo angepasst. Wir haben mit Caspar West über Umpiring im allgemeinen und die neuen Poloregeln im besonderen gesprochen.

Sie haben einzelne Regeln der Hurlingham Polo Association an die Besonderheiten des Snow Polo angepasst. Um welche Regeln handelt es sich dabei genau? Welche Auswirkungen hat das auf die Pferde, Spieler und Zuschauer?
Im Grunde gab es bis jetzt kein Regelwerk speziell für Snow Polo. Was wir getan haben ist, die Regeln von Rasen- und Arena Polo etwas anzupassen und so zu kombinieren, dass in erster Linie die Sicherheit der Pferde und Spieler gewährleistet ist, aber auch sichergestellt wird, dass die Zuschauer eine tolle Zeit haben. Welche Regeln angewandt werden, hängt aber auch davon ab, unter welchen Bedingungen das Snow Polo Turnier stattfindet. Es gibt beispielsweise große Unterscheide zwischen den Turnieren in Kitzbühel und in St. Moritz. In Kitzbühel wird auf einem kleineren Feld gespielt, das hauptsächlich mit Schnee bedeckt ist und dessen Untergrund aus Eis besteht. In St. Moritz werden die Spiele auf einem größeren Feld aus Eis ausgetragen, was bedeutet, dass die Stollen der Pferde anders sind, um einen sicheren Halt zu gewährleisten. Die Voraussetzungen müssen für alle Teilnehmer gleich sein, auch wenn die Bedingungen von Turnier zu Turnier variieren. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Handicaps: Es gibt das normale Handicap für Rasenpolo, dann Rasenpolo +1 und außerdem Arena Polo. Auch diese Handicaps werden bei den unterschiedlichen Turnieren abhängig von den Bedingungen der jeweiligen Locations benutzt, aber es muss immer für alle gerecht sein. Das Wichtigste bei jeder Regeländerung ist aber in erster Linie, wie bereits erwähnt, die Sicherheit zu gewährleisten sowie dafür zu sorgen, dass die Regeln nicht zu komplex sind und den Spielfluss stören. Das würde den Zuschauern den Spaß und die Spannung verderben.

Was sind beim Umpiring von Snow Polo die schwierigsten Punkte?
Auch das hängt von den Locations ab: Auf einem kleineren Snow Spielfeld hat man einen Schiedsrichter an der Seitenlinie, ähnlich wie den dritten Mann beim Rasenpolo. Manchmal ist es schwierig, die Linien zu erkennen und das kann bei den Spielern zu Frustrationen führen, weil sie vielleicht im Recht sind, aber ich eine Entscheidung treffen muss. Ich hoffe, dass viele dieser Probleme während des Meetings mit den Spielern vor dem Turnier aus der Welt geschafft werden können. Es muss außerdem einen gewissen Ermessungsspielraum bei den Entscheidungen aufgrund der Bedingungen vor Ort geben, damit die Sicherheit immer gewährleistet ist. Auf dem Eis des gefrorenen St. Moritzersees ist dies nicht so schwierig, da es dort berittene Schiedsrichter und einen dritten Mann am Spielfeldrand gibt, ähnlich wie beim Rasenpolo.

Wie hat sich der Job des Schiedsrichters im allgemeinen in den vergangenen Jahrzehnten verändert?
Wir haben bemerkt, dass das Umpiring in den vergangenen Jahrzehnten viel professioneller geworden ist und sich enorm verbessert hat. Früher waren wir darauf angewiesen, dass teilnehmende Spieler als Schiedsrichter einspringen, bevor oder nachdem sie selbst gespielt haben. Aber auch wenn sie ihr bestes geben, neutral zu sein, gibt es immer noch weitere Faktoren, die sie beeinflussen können: sei es, dass sie nicht konzentriert genug sind, weil sie mit den Gedanken bereits bei ihrem eigenen nächsten Spiel sind. Oder dass sie sich ungerecht behandelt gefühlt haben in dem Spiel, das sie gerade absolviert haben und dies dann an den Spielern auslassen in dem Spiel, für das sie das Umpiring machen. Professionelle Umpires sind inzwischen bei vielen Turnieren zur Regel geworden, was bedeutet, dass diese komplett neutral sind.

Was ist die Aufgabe der nationalen Verbände und der FIP?
Die Schiedsrichter brauchen die volle Unterstützung von ihren Verbänden und der FIP, da sie nur mit deren Rückhalt den Job des Umpires bestmöglich ausführen können. Zum Teil muss diese Unterstützung auch finanziell sein, damit sie Vollzeit als Umpire arbeiten können und nicht nebenher Geld mit dem Verkauf von Pferden und durch Spielen verdienen müssen. Das würde sie nämlich wieder in eine schwierige Lage mit den Spielern, Teams oder Sponsoren bringen, die Zweifel an der vollkommenen Neutralität des Schiedsrichters haben könnten. Die Verbände und die FIP müssen sicherstellen, dass die angewandten Regeln klar definiert sind und es möglichst wenig Gelegenheit zur Fehlinterpretation gibt. Momentan gibt es einige Regeln, bei denen dies der Fall sein könnte und es muss deutlich gemacht werden, dass es klare Regeln gibt, die nicht frei interpretiert werden können, da es sonst zu Problemen kommt.

Welchen Rat würden Sie anderen Schiedsrichtern geben? Was sind die wichtigsten Punkte, an die sich ein Schiedsrichter halten sollte?
Um ein guter Schiedsrichter zu sein, sollte man natürlich zuallererst die Regeln genau kennen! Wenn man sich genau auskennt, entzieht man damit den Spielern die Grundlage zu langen Diskussionen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist selbst im Sattel zu sitzen, um das Spiel besser verfolgen zu können, da man von dort aus Fouls besser sieht und immer sofort zur Stelle ist. Außerdem sollte man Entscheidungen immer ruhig und bedacht fällen, da man es so besser akzeptieren kann, dass es manchmal zu Frustrationen auf Seiten der Spieler oder zu Meinungsverschiedenheiten mit ihnen kommt. Dann kann man den Spielern gegenüber souverän auftreten und kann Konflikten aus dem Weg gehen.

Was ist Ihre persönliche Meinung in Bezug auf das Umpiring?
Umpiring ist kein leichter Job und Fehler machen ist nun mal menschlich. Momentan sind wir dabei, die Ideen für die Formulierung von Snow Polo Regeln umzusetzen und bemühen uns darum, möglichst viel Hilfe von den Spielern und den Offiziellen des Turniers zu bekommen, um mithilfe ihrer Erfahrung das Turnier zu einem tollen Erlebnis für alle zu machen. Es wird immer Unterschiede geben aufgrund der Größe des Spielfelds und der Anzahl der Spieler, aber es wird auf jeden Fall ein großer Fortschritt zur Verbesserung der Sicherheit der Pferde, Spieler und natürlich auch der Zuschauer sein.