Im August erscheint die neue Ausgabe von POLO+10 für den deutschsprachigen Raum. An dieser Stelle gewähren wir in den nächsten Tagen schon mal einen ersten Blick durchs Schlüsselloch und stellen einige Themen vor. Hier ein Auszug:

Mark Holmes ist Poloprofi und seit Jahren einer der gefragtesten Schiedsrichter in Europa. Seit einer Weile unterrichtet Mark regelmäßig als Polocoach an der Cambridge University in England. Im Interview berichtet er POLO+10 von seiner neuen Aufgabe.

DU BIST SEIT VIELEN JAHREN PROFESSIONELLER POLOSPIELER UND POLO-SCHIEDSRICHTER. WANN BIST DU DAZU ÜBERGEGANGEN, POLO ZU UNTERRICHTEN?
Meine Güte, das ist eine gute Frage. 1997 fing ich an, im Tidworth Polo Club zu arbeiten (wo das Militärpolo von Großbritannien beheimatet war). Dieser Club wurde damals von einem ganz großartigen Mann geleitet, dem Brigadier und Polo-Fan John Wright. Er war ein echter Visionär und ein großer Unterstützer des Low-Goal-Polos und des Kinderpolos. Dort fanden unter anderem Polo-Kurse für Soldaten wie auch für Zivilisten statt. Diese liefen normalerweise über drei Tage, und andere Profis und Trainer unterwiesen die Teilnehmer. Ich half die ganze Saison über mit, diese Kurse zu veranstalten, und ich bekam dabei gute Einblicke, wie das mit dem nachhaltigen, professionellen Polotraining funktioniert. Die HPA veranstaltet zweimal im Jahr Kurse für künftige Trainer, und John war so freundlich, mich für einen der ersten Kurse überhaupt anzumelden, im September 1997. Damals entwickelte die HPA gerade ein regelmäßiges Trainingssystem; die Idee dahinter war, dass wir in ganz Großbritannien mit denselben Techniken, Stilen, Begriffen etc. unterrichten sollten. Ich glaube, das war ein ganz wichtiger Schritt, um das Polo innerhalb Großbritanniens zu verbessern, von den Pony Clubs über die Schulen und Universitäten bis hin zu Privatpersonen. Endlich gab es eine einheitliche Struktur. Kurz: Ich qualifizierte mich im September 1997 für den Kurs und war einer der ersten Teilnehmer.

WIE IST DIE BRITISCHE POLOSZENE ORGANISIERT? WO LERNEN JUNGE LEUTE UND STUDENTEN DAS POLOSPIELEN?
Es gibt immer mehr Poloschulen in Großbritannien, und die meisten davon arbeiten mit Schulen und Universitäten zusammen. Wir haben da eine wirklich gute Organisation, die heißt SUPA (Schools and University Polo Association), www.supa.org.uk. Die SUPA organisiert landesweite Wettbewerbe für Schulen und Universitäten, die das ganze Jahr über stattfinden, auf dem Feld und in der Arena.

WIE IST DIE ZUSAMMENARBEIT MIT DER UNIVERSITÄT CAMBRIDGE ZUSTANDE GEKOMMEN?
Cambridge ist gar nicht weit entfernt von dem Ort, wo ich wohne. Zum Glück kannten die mich in dem Club, wo sie spielen, und sie wussten, dass ich Trainer bin, also fragten sie mich, ob ich Interesse hätte, ihr Polotrainer zu werden.

HAT POLO AN DER UNIVERSITÄT VON CAMBRIDGE EINE LANGE TRADITION?
Der Cambridge University Polo Club (CUPC), gegründet 1873 von John Fitzwilliam, ist einer der zwei ältesten der Welt. Heute ist der CUPC einer der größten Vereine in ganz Cambridge. Er hat 150 Mitglieder und wird komplett von Studenten geleitet. Dies spiegelt eine Weiterentwicklung in der Ausrichtung des Clubs wider, die immer mehr auf eine größere Zugänglichkeit zu diesem Sport setzt. Man möchte anerkennen, dass Polo ein einzigartiger Sport ist, wenn es darum geht, die Herzen all jener zu gewinnen, die den Sport gerade erst kennenlernen. Das Polo lehrt einen Disziplin, Respekt, Leidenschaft, Teamwork, Stolz und hart zu arbeiten. Der Club ist auf wichtigen Tradition aufgebaut, und eine davon ist die älteste heute noch existierende Poloveranstaltung der Welt: das regelmäßig seit 1878 ausgetragene Match des CUPC gegen den Oxford University Polo Club (gegründet 1874).

WIE VIELE STUDENTEN BESUCHEN DIE POLO-KURSE?
Wir haben 21 Mitglieder und 50 spielende Mitglieder, die Teilnehmerzahl ist auf sechs pro Lektion beschränkt.

WIE OFT IN DER WOCHE GIBST DU UNTERRICHT?
Während des Semesters 4- bis 5-mal pro Woche.

WAS IST FÜR DICH DER INTERESSANTESTE ASPEKT DABEI, POLO ZU UNTERRICHTEN?
Das Highlight beim Unterrichten ist für mich ganz einfach, dass ich gerne interessante und ganz unterschiedliche Menschen um mich herum habe, die einen Sport trainieren, für den ich mich selbst bereits seit etwa 25 Jahren begeistere – und die immer besser darin werden.

HAST DU EIN BESTIMMTES SYSTEM, WIE DU POLO UNTERRICHTEST, ODER EINEN BESTIMMTEN ZEITPLAN, NACH DEM DU JUNGEN LEUTEN DEN SPORT NÄHERBRINGST?
Die HPA hat ganz präzise Richtlinien, Begrifflichkeiten und Techniken festgelegt, an die sich alle qualifizierten Trainer halten müssen. Das soll dafür sorgen, dass wir den Schülern alle dasselbe beibringen und auf dieselbe Weise – beziehungsweise dass Polo überall nach den Regeln der HPA gespielt wird.

WAS SIND DIE GRÖSSTEN FEHLER UND PROBLEME, MIT DENEN ANFÄNGER ZU KÄMPFEN HABEN?
Das ist ganz einfach: Sie versuchen immer, den Ball zu hart zu schlagen. Sie wollen mangelnde Technik mit Stärke ausgleichen. Außerdem reiten sie zu schnell. Polo ist ein wenig, als ob man während eines Erdbebens Golf spielt – man muss sich Zeit lassen und die korrekten Techniken anwenden, das ist ganz wichtig. Ein letzter Punkt: Wir haben das Glück, dass wir in unserem Sport ganz großartige Pferde haben; wenn sich also Leute mit wenig Reiterfahrung trotzdem im Sattel sicher fuhlen können (das ist immer gut), dann müssen sie nicht länger an das Pony denken, sobald der Ball ins Spiel kommt. Das Pony möchte immer sein Bestes für dich geben, und es wird sich an die widerspruchlichen Signale gewöhnen, die du ihm gibst, während es für dich ackert. Man sollte nie vergessen, worum es bei unserem Sport eigentlich geht.

HAST DU NOCH ETWAS, DAS DU EINEM ANFÄNGER MIT AUF DEM WEG GEBEN MÖCHTEST? EIN PAAR HEISSE TIPPS FÜR ALLE, DIE GERADE ERST MIT DEM POLO BEGINNEN?
Seien Sie offen fur alles! Denken Sie daran, dass die Ponys keine Maschinen sind und auch Gefuhle haben! SUCHEN SIE SICH EINEN QUALIFIZIERTEN LEHRER! Nehmen Sie immer weiter Unterricht! Selbst die weltbesten Tennisspieler, Golfer etc. trainieren immer noch und haben ihre eigenen Trainer. Ein weitverbreitetes Problem beim Polo ist, dass wir glauben, wenn wir ein bestimmtes Level erreicht haben, bräuchten wir keinen Unterricht mehr. Aber viel zu oft sind das, was wir zu tun glauben, und das, was wir tatsächlich tun, zwei verschiedene Paar Schuhe. Da hilft es immer, wenn jemand von außen draufschaut und Dinge sieht, die man selbst gar nicht mehr wahrnimmt. Viel Spaß beim schönsten Sport der Welt!

Umpire und Polocoach Mark Holmes. Photo: M. Holmes
Mark Holmes