Herr Winter, was waren in der vergangenen Saison Ihre persönlichen Polo-Highlights?
Für mich war ehrlich gesagt die gesamte Polo Saison 2011 ein Highlight. Obwohl der Sommer nach dem Mai wettermäßig eher durchwachsen war, haben wir in Hamburg so viel hochklassiges Polo gespielt wie nie zuvor. Die Clubchukker wurden wie auch in den vergangenen Jahren alle von mir organisiert, teilweise haben wir gleichzeitig über drei Spielfelder gespielt. Mehrfach haben wir bei den Clubchukkern Teamhandicaps bis zu 15 Goal erreicht.

Wie war das Jahr 2011 für das Hamburger Polo Gestüt?
Das Hamburger Polo Gestüt und der Norddeutsche Polo Club (NPC) sind mit dem Hamburger Polo Club so eng verbunden, dass wir in der Betrachtung der Polo Aktivitäten praktisch keinen Unterschied machen. Der Hamburger Polo Club ist der größte Polo Club Deutschlands mit über 1.300 Mitgliedern. Wie in jedem Jahr haben dort neben den regulären Turnieren auch Turniere der Polo Fun League, Polo Kompaktkurse aber auch Schiedsrichterkurse, an denen auch Nichtmitglieder teilnehmen können, und eine umfangreiche Ausbildung der Polo Jugend stattgefunden. Zudem veranstalten wir auch Hallenpoloturniere, die sich bei den Mitgliedern einer wachsenden Popularität erfreuen. Insgesamt wurden im Jahre 2011 in Hamburg rund 650 Chukker gespielt. Der Norddeutsche Polo Club hat über 60 Mitglieder, die fast alle spielen oder als Poloschüler ausgebildet werden. Auf dem Hamburger Polo Gestüt standen 2011 ca. 100 Polopferde.

Warum sind Sie und der NPC aus dem Deutschen Polo Verband (DPV) ausgetreten?
Der NPC und ich persönlich sahen uns leider gezwungen, nach grobem Fehlverhalten des DPV Präsidiums aus dem DPV auszutreten. Auch der Hamburger Polo Club als eins der Gründungsmitglieder des Deutschen Polo Verbandes hat seine Mitgliedschaft ruhen lassen. Ich selbst war über 30 Jahre ehrenamtlich beim DPV tätig, zeitweilig auch stellvertretender Vorsitzender des DPV und in diesen vielen Jahren auch Schriftführer.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Probleme des Deutschen Polo Verbandes?
Ich habe viele Jahre die Geschäftsstelle des DPV ehrenamtlich geführt und habe daher auch die Entwicklung des deutschen Polo Sports sehr aufmerksam verfolgen können. Wir benötigen dringend einen Generationswechsel an der Spitze des DPV und eine neue Satzung, die vor einigen Jahren bereits ausgearbeitet wurde, aber nicht in Kraft getreten ist. Die personelle Besetzung des DPV sollte international erfahren sein, Polo spielen oder gespielt haben und guten Kontakt zu den Mitgliedern unterhalten. Verschiedene Probleme sind erkennbar, wie die Tatsache, dass die geltende Satzung und Turnierstatuten bei vielen Turnieren nicht eingehalten werden, das Schiedsrichterwesen dringender Verbesserung bedarf (es muss professionalisiert werden) und die Jugendförderung stärker unterstützt wird. In den letzten beiden Jahren sind in diesen Punkten keine Fortschritte zu erkennen. Beach Polo und Arena Polo sind die neuesten Entwicklungen, die den Polosport verbreiten und populärer machen, aber in der Verbandsatzung nicht wiederzufinden sind. Vor allem fehlen aber internationale Begegnungen und Mannschaften, die hier in Deutschland spielen.

Wie sieht Ihre persönliche Polo Historie aus?
Meine Polo Karriere begann 1967 in Afrika, als ich auf der Farm meiner Frau – der Sunny Horse Ranch in Dar es Salaam/Tansania – Polo Cross spielte. Über die Geschichte der Sunny Horse Ranch könnte man ein ganzes Buch schreiben. Polo begann ich 1972 in Sambia zu spielen und brachte es dort bis Handicap +2. In dieser Zeit haben meine Söhne das Reiten gelernt und waren wichtige Helfer bei unseren Polo Turnieren. Ich war dort sechs Jahre der Chairman der Zambia Polo Association. 1978 kamen wir nach Deutschland. Der Rest ist schnell erzählt. Ich habe seitdem Polo in Hamburg gespielt, war jahrelang die Nr. 4 in der deutschen Nationalmannschaft und habe für Hamburg viele Jahre internationale Begegnungen in Übersee organisiert. Vor einigen Jahren haben wir als Familienteam ein 10-Goal Turnier in Dubai gespielt, was für Europäische Verhältnisse einmalig ist. Früher haben wir als Familienteam auch einmal die deutsche Low Goal Meisterschaft gewonnen. Mein Abschiedsturnier mit meinen Söhnen habe ich im Mai 2010 in Hamburg beim 10 Goal Berenberg Cup gespielt. Mein höchstes Handicap war +3 Goals. Heute spiele ich nur noch ab und zu Clubchukker, aber reite täglich im Rantzauer Forst.