Ali Abidi, langjähriger Polospieler und Trainer im Santa María Polo Club hat mit POLO+10 über seine Karriere als Polospieler, den Santa María Polo Club und das Klonen von Pferden gesprochen.

POLO+10: Können Sie uns etwas über den Werdegang Ihrer Polokarriere erzählen und wie Sie damals zum Polospielen gekommen sind?
Ali Abidi: Ernsthaft angefangen Polo zu spielen habe ich 1976 in England. Ich habe damals dort studiert, komme aber ursprünglich aus dem Iran. Kurz bevor ich nach England gekommen bin, habe ich auch dort schon ein bisschen Polo gespielt. Früher war ich aktiver Springreiter, aber nachdem ich zum ersten Mal einen Stick in die Hände genommen hatte, habe ich mich in das Spiel verliebt und wurde süchtig danach. In meinem ersten Jahr in England spielte ich mit dem berühmten Trainer Sir Peter Grace, der leider vor einem Jahr gestorben ist. Er war mein Mentor und mit ihm begann meine Polokarriere. Den Titel „Sir“ hat er hauptsächlich für seine Verdienste für den Polosport auf der ganzen Welt erhalten. Ursprünglich stammte er aus Neuseeland, lebte aber in England und war ein sehr guter Reiter. Er wurde ein guter Polospieler und war ein Spitzentrainer. Als er Senior Coach wurde, begannen wir miteinander zu arbeiten. Gemeinsam eröffneten wir 1978 die erste Poloschule in England im Guards Polo Club, die „Dragon Tiki Polo School“. Als ich dann mein Studium abgeschlossen hatte, bin ich 1981 nach Spanien gegangen. Damals sah es hier noch ganz anders aus, es gab nur zwei Polofelder, eins am Strand und eins in Sotogrande. Aber ich fand es großartig.


POLO+10: Warum sind Sie nach Spanien gegangen?
Abidi: Ich kam nach Spanien, um ein Jahr hier zu spielen und verliebte mich in diesen Ort. Ich blieb bis 1988/89 und ging dann zurück nach England. Dort spielte ich zwar nicht als Profi, aber ich erreichte ein Handicap von +4. Wahrscheinlich war ich mit diesem Handicap einer der höchsten Amateurspieler. Seitdem ich professionell spiele habe ich ein Handicap von +2. Ich habe vorwiegend als Coach gearbeitet, weil es mir Spaß macht. Ich mag es, Menschen zu unterrichten, die wirklich etwas lernen möchten. Ich bin hier, um ihnen zu helfen, wie ich es schon in vielen Clubs in England gemacht habe, zum Beispiel im Ascot Park, einer berühmten Poloschule, in Royal Berkshire, einem Polo Club in England und natürlich hier in Spanien, im Ayala Polo Club. 2002/03 eröffneten wir in Spanien im Santa María Polo Club gemeinsam mit einem weiteren erstklassigen Polo-Senior Coach aus England. Heute trainiere ich eher freiberuflich, arbeite aber weiterhin mit den Clubs zusammen. Ich bin registrierter HPA-Coach (Hurlingham Polo Association ist der englische Poloverband). Aber da ich nicht mehr in England lebe, erneuere ich diesen Titel nicht. Ich war einer der ersten, die diesen Titel erhalten haben, aber das war vor einer langen Zeit, das erste Jahr, in dem die HPA diesen Titel vergeben hat.


POLO+10: Warum ziehen Sie das Coachen dem Spielen vor?
Abidi: Ich würde nicht sagen, dass ich das Coachen vorziehe, ich spiele auch sehr gerne. Bis vor kurzem spielte ich in meinem eigenen Club und ich spiele mit meinen Söhnen, aber natürlich ist da auch mein Alter. Man kommt in die Phase, in der man nicht mehr jung genug ist, um ernsthaft Polo zu spielen. Ich spiele immer noch viele Freundschaftsspiele und Turniere, aber auf keinem hohen Level. In England habe ich in den 90er-Jahren an vielen Medium Goal-Turnieren teilgenommen. Als 3-Goaler spielte ich als Halbprofi dort auch viele 15-Goal Turniere. Allgemein mag ich die Arbeit als Coach, da ich somit weiterhin mit den Pferden und Polo zu tun habe, das genieße ich sehr.


POLO+10: Was unterscheidet den Santa María Polo Club von anderen Clubs in Europa?
Abidi: Ein bisschen haben Sie sich ja schon selbst ein Bild machen können – es ist ein Paradies. Wir haben hier fantastisches Wetter, ein angenehmes Klima und man kann hier fast das ganze Jahr über Polo spielen. Es ist Februar und wir haben seit September nonstop gespielt. Wir hatten einige Regentage, aber an sich kann man hier den ganzen Winter hindurch Polo spielen. Für den Fall, dass es mal mehr regnet, sind die nötigen Anlagen vorhanden. Aber normalerweise kann man hier schon einen Tag, nachdem es aufgehört hat zu regnen, wieder auf trockenem Gras spielen. Der Platz hier hat ein sehr gutes Entwässerungssystem und ist damit für jede Wetterlage geeignet. Es gibt hier sehr gute Pferde und gute Spieler, viele von ihnen leben auch hier. Wir können hier Polo für alle Level anbieten, für den absoluten Anfänger, genauso wie für gute Spieler.

Der Santa María Polo Club verfügt über neun Polofelder, die verteilt über den gesamten Standort verteilt sind. Des Weiteren gibt es andere Clubs mit Feldern, insgesamt haben wir in einem Radius von zehn bis 15 Kilometern um die 20 Polofelder. Die Infrastruktur ist also sehr gut: es gibt fantastische Stallungen und Paddocks zum Rausstellen der Pferde. Selbst wenn es mehr regnen sollte, stehen die Pferde auf den Paddocks nicht lange im Matsch. Der Boden ist hier an vielen Stellen ziemlich sandig ist, was für die Pferde viel besser ist. Wir können die Pferde also auch hier überwintern lassen und auch mit ihnen Polo spielen. Das haben wir schon in den achtziger und neunziger Jahren gemacht und das wollen wir jetzt wiederholen. Wir versuchen die Leute wieder hierher zurückzubringen, damit sie im Winter hier spielen, wenn es andernorts in Europa nicht möglich ist. Man kann hier die ganzen sechs Monate im Winter bis April/Mai spielen, das ist ein großer Vorteil.

Selbst im Winter hat man hier die Möglichkeit auf Gras zu spielen. Dafür muss man sonst nach Argentinien, Südafrika oder nach Palm Beach in Florida. Von ganz Europa aus kann man die Pferde per Lkw innerhalb von zwei oder maximal drei Tagen hierher bringen. Die Möglichkeit, Polo im Winter zu spielen, gibt es auch an anderen Standorten in Spanien, aber nach Ibiza oder auf andere Inseln muss man die Pferde mit dem Schiff bringen. Hier in Sotogrande ist man in drei Tagen. Der Trabsport ist auch in zwei Tagen möglich, aber wir bevorzugen drei Tage – mit Stopp in Frankreich oder Madrid – da das stressfreier für die Pferde ist. Hier kommen ständig Pferde aus Deutschland oder England an. Die Transporteure sind Profis und machen das schon viele Jahre.

Abgesehen davon, verfügt der Club über eine sehr gute Organisation. Hier wird Polo für alle Level organisiert, von Low Goal über Medium Goal bis hin zu High Goal – es finden regelmäßig Turniere statt. Die Leute haben Spielpläne, mit denen sie im Voraus planen können. All das gibt es nicht an vielen Orten. Und dieser Club als gut etabliertes Zentrum existiert nun schon seit über 30 Jahren.


POLO+10: Der Club bietet also für jeden etwas – egal ob Anfänger oder fortgeschrittener Spieler?
Abidi: Absolut. Es wird Polo für die absoluten Anfänger, sogar für Leute, die noch nie auf einem Pferd saßen, angeboten. Davon haben wir tatsächlich viele Fälle. Manchmal ist es sogar einfacher, ungeübte Reiter zu unterrichten. Langjährige Reiter haben oft schon einen individuellen Reitstil entwickelt und es ist dann schwerer, ihnen das Polo spielen beizubringen, bei dem man anders reiten muss. Wir haben hier alle Arten von Menschen. Dadurch, dass wir hier Pferde anbieten, muss man nicht erst viel Geld ausgeben, wir verleihen auch die Sticks, manchmal sogar den passenden Helm. Man kann einfach eine Woche hierherkommen, um es auszuprobieren. Wir als Lehrer können den Leuten dabei helfen herauszufinden, ob Polo ein neuer Sport für sie ist.
POLO+10: Haben Sie Ihre eigenen Pferde hier stehen?
Abidi: Im Moment habe ich keine Pferde hier, aber das hatte ich früher. Es gibt hier viele Möglichkeiten auf der Anlage des Clubs, seine Pferde unterzustellen. Der Club hat einen eigenen Stall, den Besucher mieten können und auch andere Leute in der Region bieten Paddocks zur Vermietung an. Die ganze Region ist auf Pferde, und insbesondere Polo, eingestellt.

Für Leute, die mit ihrer Familie hierher kommen, bieten sich im Sommer als auch im Winter viele Aktivitäten an. Es gibt hier einige der besten Golfplätze Europas. Man kann hier Tennis spielen, segeln, surfen, alles Mögliche. Sogar Skifahren in Sierra Nevada, das nur etwa 2,5 Stunden von hier entfernt ist. Leute, die hier für ein oder zwei Wochen einen Polourlaub verbringen möchten, können in der Zeit reiten und Polospielen, während der Rest der Familie, der nicht an Polo interessiert ist, anderen Aktivitäten nachgehen kann. Das hat man nicht an vielen Orten. Im Frühling und Sommer kann man außerdem an den Strand gehen. Außerdem gibt es hier im Umkreis von zehn bis 15 Kilometern viele sehr gute Top-Hotels mit 3- bis 5-Sternen. Marbella ist auch nicht weit: das Nachtleben, beste Restaurants. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.


POLO+10: Was ist der größte Meilenstein Ihrer Polo-Karriere?
Abidi: Mein größter Erfolg war es, als ich ein Handicap von +4 bekommen habe. Ich wäre gern noch höher gestiegen, aber das war nicht möglich, da man durch seine Pferde auf ein Niveau beschränkt ist. Aber die Hauptsache ist, dass man die Möglichkeit hat, Polo zu spielen, egal mit welchem Handicap. Jedes Mal wenn ich mit einem Pferd raus auf das Feld gehe, fühlt es sich an wie beim ersten Mal. Man lernt jedes Mal etwas Neues, weil jedes Pferd und jeder Boden sich anders anfühlt. Das ist es, was Polo spannend macht und warum die Reiter so schnell süchtig danach werden.


POLO+10: Sie sind im Polo noch vom alten Schlag, inzwischen wird Polo aber immer beliebter. Wie finden Sie das?
Abidi: Das ist fantastisch. Je mehr Leute Polo spielen, desto besser. Als Coach trainierte ich Schulen aus England, die hierher kommen oder Universitäten, alle möglichen Menschen. Früher war Polo sogar eine olympische Disziplin, das letzte Mal bei den Olympischen Spielen in Deutschland. Und das ist das Ziel jedes Polospielers: Polo zurück in die Öffentlichkeit zu bringen, damit die Leute Gefallen daran finden. Es ist vielleicht nicht das einfachste Spiel, wenn man es als Nichtspieler verfolgt. Aber zum Beispiel in den USA war Polo zwischen dem 1. und dem 2. Weltkrieg sehr populär. Einige Spieler waren sogar genauso bekannt wie die besten Baseball- oder Football-Spieler. Das lag daran, dass Polo als Arena Indoor Polo gespielt wurde. Die Zuschauer waren sehr viel näher dran und konnten das Spiel besser verfolgen. Man kann Polo fühlen, wenn man nah dabei ist oder wenn man selbst spielt. Leider ist das auch einer der Gründe, warum Polo es nicht ins Fernsehen geschafft hat, ausgenommen in Argentinien. Es ist kein zuschauerfreundliches Spiel, weil alles so weit entfernt passiert. Snooker ist zum Beispiel im Fernsehen zu sehen. Es ist nicht besonders spannend, aber es gibt Leute, die das sponsern und deshalb ist es im Fernsehen zu sehen. Aber warum das nicht mit Polo gemacht wird, verstehe ich nicht.


POLO+10: Was denken Sie über das Klonen von Polopferden?
Abidi: Solange es das Pferd nicht körperlich in irgendeiner Weise verletzt, sehe ich darin kein Problem. Ich weiß nicht was technisch alles schief gehen kann, aber soweit ich weiß, kann man auch andere Tiere klonen, ohne dass etwas passiert. Ich glaube nicht, dass, wenn man ein Pferd klont, der Klon exakt gleich sein wird. Es kommt auch auf den Umgang mit dem Tier an. Selbst wenn es der gleiche Reiter ist, glaube ich auch nicht, dass es das gleiche Pferd sein wird. Ich bin noch nie einen Klon geritten, aber ich glaube nicht, dass das Pferd genau gleich wird. Offenbar sollen viele Eigenschaften gleich sein, wenn das Pferd ein Klon ist. Cambiaso hat wahrscheinlich hunderte Ponies mit ähnlichen Merkmalen, fast wie Klone. Es sind vielleicht technisch gesehen keine Klone, aber er möchte immer das gleiche Pferd. Nur Leute wie er können sich so was leisten und wenn ich zwei ähnliche Pferde hätte, wäre ich sehr glücklich.


POLO+10: Was sind Ihre Zukunftspläne?
Abidi: Ich lebe zwar hier und in den letzten 10 Jahren habe ich die meiste Zeit hier verbracht, aber ich reise immer noch viel und gern. Ab und zu arbeite ich noch in England als Trainer. Es würde mir sehr gefallen, wenn überall auf der Welt immer mehr Leute Polo spielen. Selbst in meinem Heimatland Iran wird noch Polo gespielt, was mich sehr glücklich macht. Trotz all der Unruhen und Probleme, die sie dort haben. Vielleicht werde ich eines Tages auf das Polofeld, auf dem ich vor rund 40 Jahren das erste Mal gespielt habe, zurückkehren.