Die Polo Europameisterschaft, die vom 07. bis 16. September 2012 in Maspe / Langenhagen stattfinden sollte, wurde abgesagt. Nach Angaben des Niedersächsischen Polo-Club, dem Ausrichter der Polo EM, waren wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend. Damit folgt der Niedersächsische Polo-Club dem Polo Park Zürich, der die Polo EM bereits Anfang des Jahres aus ähnlichen Gründen abgesagt hatte.

Wolfgang Kailing, Präsident des Polo-Clubs: „Ich war fasziniert von der Chance, eine EM nach Austragungsorten wie Paris, Rom und Wien nach Hannover/Langenhagen zu holen. Unterschätzt habe ich die schlechten Voraussetzungen durch schon im Vorjahr verabschiedete Budgets, die Kurzfristigkeit und die negative öffentliche Stimmung nach Sponsoring- und Korruptionsaffären. Tatsächlich kommen bei diesem Konzept der Europameisterschaft zusätzlich zu den Kosten einer üblichen Veranstaltung noch einmal ca. 150 Prozent mehr Mittel zur Unterbringung von 200 Pferden, 40 Spielern mit Begleitung, Turnieroffiziellen und Pferdepflegern auf den Gastgeber zu. Das ehrenamtliche Engagement unserer Vereinsmitglieder für dieses besondere Event war groß. Auch unser temporäres Zweitspielfeld an der A 352, das wir nur für diese Veranstaltung vorbereitet haben, zeigt sich gut bespielbar. Es tut mir leid, dass wir trotz der ideellen und materiellen Unterstützung vieler Polofreunde und Unternehmen diese EM absagen müssen. Eine bittere Enttäuschung für alle Betroffenen!“

Nachdem die FIP und der Deutsche Polo Verband von der Absage des Polo Park Zürich Anfang des Jahres aus den Medien erfahren hatte, wurde der Deutsche Polo Verband bereits gestern von Wolfgang Kailing über die EM-Absage informiert. Kurz danach hatte der Niedersächsische Polo Club eine Mitteilung auf seiner Homepage veröffentlicht, eine offizielle Mitteilung an die Medien ist für heute vorgesehen. Dr. Günther Kiesel (DPV): „Wolfgang Kailing hat die Entscheidung, die Europameisterschaft nach Hannover zu holen, mit großem Enthusiasmus für den Polosport getroffen, wofür ich ihn sehr bewundere. Die finanziellen Anforderungen einer Veranstaltung dieser Größenordnung sind ganz enorm und in der Kurzfristigkeit nicht zu bewältigen gewesen. Mir erschien es angesichts der Rahmenbedingungen unglaublich engagiert, die EM in der kurzen Zeit auf die Beine stellen zu wollen – der Polo Park Zürich hatte zwei Jahre Zeit zur Vorbereitung und ist gescheitert. Laut den Vorschriften des Polo Weltverbandes, zahlt der Veranstalter die Unterbringung der Pferde, Spieler, Grooms und Offiziellen. Die FIP nimmt Startgebühren von den Teams und stellt die Schiedsrichter und Turnierleitung – das ist alles. Der Veranstalter steht für alles weitere gerade. Das geht in dieser Form nicht auf, wir brauchen da eine andere Lösung von seiten der FIP. Der Deutsche Polo Verband verfügt über sehr beschränkte Mittel aus seinen Mitgliederbeiträgen, die laut Statut nur in die Unterstützung der deutschen Nationalmannschaft gehen dürfen. Ich habe volles Verständnis für die Entscheidung von Wolfgang Kailing und bewundere seinen Enthusiasmus und seinen Mut.“

Peter Kienast, Team Captain des deutschen EM Teams und Clubmitglied des Niedersächsischen Polo-Club e.V.: „Die Absage ist wirklich sehr bitter. Ich habe mich wahnsinnig auf das Turnier gefreut! Es war ein großes Ziel von mir, einmal für Deutschland zu spielen – und das auch noch vor meiner Haustür. Hinzu kam der Umstand, dass wir ein völlig neues deutsches Team gestellt hätten. Denn bisher war es immer ein ähnlicher Kreis, der Deutschland auf dem Polofeld vertrat. Die Anforderungen der FIP und die damit verbundenen Kosten sind einfach zu hoch gewesen für den Veranstalter. Wie von Wolfgang Kailing dargelegt, war die Suche nach Sponsoren extrem schwierig. Auch nennenswerte Budgets zu bekommen war alles andere als einfach. Gering war aber auch die Unterstützung vom DPV und aus der Poloszene. Schade – die Polo EM wäre wirklich gute Werbung für den Sport gewesen!“